Die CGS macht müde. Mich zumindest. Nach knapp 15 Stunden durch die Welt fliegen und den ersten Informationen von der Organisation hier vor Ort war gestern nicht mehr an schreiben, saufen oder spielen zu denken. Das Bett war deshalb der erste Platz, den ich aufgesucht hatte. Das resultierte in einem Aufwachen um fünf Uhr. Um diese Uhrzeit konnte ich zumindest im Internet viel Leben finden. Während der Highway nebenan nur von wenigen Kraftfahrzeugen bevölkert war, war die Datenautobahn umso voller. In Deutschland war es schon 14 Uhr und im IRC konnte man leicht Anschluss finden.
Nach einem grandiosen Frühstück im Hotel sollte es dann bis 14 Uhr zusammem mit dem netten Kollegen von der Süddeutschen Zeitung zum Rodeo Drive und von dort aus weiter nach Hollywood gehen. Von unserem Hotel in der Nähe des Flughafen kann man eigentlich nur mit Mietwagen und Taxi wegkommen. Wir sind also in ein Taxi und haben mit einem Fahrpreis von 20 bis 30 Dollar gerechnet. Im Taxi dominierte – mal wieder – der Fußball. Auch im Niemandsland des Tretsports redet man in den gelben Transportfahrzeugen nur über des deutschen liebsten Lederball. „Wie stark ist Arsenal nach dem Weggang von Henry?“ und „Wer hat gestern noch gespielt im UEFA-Pokal?“ Die Taxifahrer sind topinformiert und nennen nur allzugern ihre Lieblingsvereine. Meistens stehen die Legenden der achtziger Jahre ganz oben auf den Interessenslisten der Taxifahrer. Am Ende mussten wir uns nach einer 15-minütigen Fahrt über eine Rechnung von 40 Dollar ärgern. Da es kein Taxometer gab und das Fahrzeug von außen nicht als Taxi zu erkennen war, glaubten wir, viel zu viel bezahlt zu haben. Nach einstündigen Gang in der Gegend des Rodeodrives fanden wir auf der Fahrt nach Hollywood aber heraus, dass Taxis hier einfach unglaublich teuer sind. Weitere 20 Dollar befanden sich nach knapp zwei Stunden Sightseeing in den Taschen der Taxifahrer. Also 60 Dollar bisher für Transport…Auf dem Hollywood Boulevard konnte ich dann das Mekka des eSport-Nerds besuchen: Den Stern von Chuck Norris auf dem Walk of Fame. Nach knapp 30 Fotos machte dann auch der Akku auf sich aufmerksam und verhinderte weitere Bilder mit mir und dem Stern. Damit wir die Pressekonferenz der CGS auch in keinem Fall verpassen konnten, hatten wir uns gegen halb eins entschieden – diesmal mit der Metro – wieder zum Hotel zu fahren. Als wir dann das Ticket (für 1.25$) gelöst hatten, fragte uns ein Samuel-L.-Jackson-Verschnitt nach dem Ziel unserer Reise. Als wird das Hotel nannten, fragte er nur, wieso wir so einen Umweg fahren. Mit dem Bus wäre es doch viel schneller und effizienter und billiger und ungefährlicher. Man musste ihm einfach glauben. Und als er dann noch hinter uns her rannte, um uns zu sagen, dass er uns den Weg zum falschen Radisson gegeben hat, aber das andere noch einfacher zu finden wäre, hatten wir insgesamt ein gutes Gefühl.
Der Bus führte uns aus dem schillernden Teil in Los Angeles in etwas ärmere Stadtteile. Kleine Häuser an langen Straßen und wenig große Automarken waren das Ergebnis nach zwanzig Minuten. Dann mussten wir umsteigen, und nach 30 Minuten Warten hatten wir uns entschieden, doch lieber das Taxi zu nehmen. Auf unserer Karte war die Entfernung zum Hotel auch nicht mehr als einen Daumen breit. Am Ende stand auf dem Taxometer mal wieder ein Betrag über zwanzig Dollar und wir waren fertig. Knapp 80 Dollar für eine Fahrt in die Innenstadt…Wie kann man hier leben?
Wieder im Hotel startete auch ziemlich schnell die Pressekonferenz. Andy Reif erzählte der Pressemeute von der goldenen Zukunft, den großartigen Leistungen der CGS und den glücklichen Spielern. Auch wenn mich beeindruckt, was die Liga hier macht, kann ich die vorgefertigten Pressetexte nicht mehr hören. Umso interessanter war die Pressemappe: Eine Auflistung aller Spieler der CGS mit Namen, Nickname, Alter und deren Stärken im Spiel. Dazu die Highlights aus der regulären Saison und eine Übersicht über das Finale. Viele Informationen gut zusammengefasst – eines der Standardwerke für die nächsten zwei Wochen.Die Fragen der Redakteure machte die PK dann auch nochmal spannend. Reif bestätigte den Online-Teil der CGS, versprach eine Verbesserung der Übertragung und erwähnte auch eine Berichterstattung im deutschen Fernsehen. Jetzt bin ich mal gespannt, was das TV-Studio bietet, in dem die Spiele stattfinden. Sony Studios klingt groß. Mal sehen, ob es das auch ist. Und diesmal fahren wir auch mit dem Shuttle – das ist kostenlos.

