In Amerika kann man nicht erfolgreich sein ohne mit Superlativen um sich zu werfen. Die Größten, die Erfolgreichsten, die Ersten. Am Ende kommt es immer darauf hinaus die Einzigen mit einem spezifischen Erfolg zu sein. Ob es nun die großen Firmen der letzten 30 Jahre sind oder die Sportligen um NBA, NFL, NHL, oder MLB. Wenn man nicht die besten Spieler hat wie die Männer-Fußballliga MLS kann man nicht erfolgreich sein. In den USA will niemand eine zweitklassige Liga und so hat sie sich über Jahre nicht weiterentwickelt und stagniert bei kleinen Besucherzahlen. Dem weiblichen Pendant geht es da viel besser. Über Jahrelang war in der USA das beste Nationalteam und die wohl stärkste nationale Liga beheimatet. Die Leute haben es geschaut. Am Sport kann es wohl nicht liegen.
So ist es kein Wunder, dass die PR-Experten der CGS in jeder Pressemitteilung, in jedem Gespräch vor und hinter Kameras von ihren Erfolgen in den letzten sieben Monaten erzählen und das Wort „only“ und „first“ mindestens so oft wie der Liganame fällt. „Die CGS ist die erste weltweite, professionelle Liga.“ Ohne Frage spielen in der CGS so viele Pro Gamer wie nirgends auf der Welt. Mit DoA, PGR und FIFA konnte man vorher nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten, in der CGS ist es möglich. Man hat mit einem zweistelligen Millionenbetrag die Topspieler der oben genannten Spiele und die amerikanischen Spitzenspieler in CS:Source erworben und kann jetzt mit diesen werben.
Was aber wirklich fehlt, ist eine breite Masse, die dem Hobby eSport nachgeht. Fans, die die Tricks ihrer Vorbilder nachmachen. Wie in Korea für Autogramme stundenlang anstehen und die Spieler bis zur letzten Sekunde anfeuern. Die großen Sportarten in den USA werden gerade durch die High-School- und College-Aktivitäten so erfolgreich. Die Amerikaner wachsen mit allen Sportarten auf. Sie spielen den Sommer Baseball, im Herbst Football und im Winter werden dann Körbe geworfen. Die junge Fangeneration wird ins Schulsystem integriert, durch ein gutes Scouting-System kann man die besten Akteure schnell in die jeweiligen Ligen holen.
Doch wie bekommt die CGS eine Fanbase? Die Lösung soll CGS Online heißen und der Onlinevorbau der TV-Liga sein. Man will noch mehr Spiele anbieten und auch dem bisher verschmähten 1.6 eine Chance geben. Bisher ist noch unbekannt, ob man nur in den USA oder weltweit um die Gunst der Breitensportler kämpfen will oder ob nur die Elite in dem Online-Segment einen Platz finden wird. Auf jeden Fall wird man aber die ESL angreifen, die bisher in Europa das Online-Segment in der Hand hat und damit einen Unterbau geschaffen hat, der seinesgleichen sucht. So professionell und einzigartig die CGS auch ist, ohne die Masse wird es schwer langfristig am Markt erfolgreich zu sein.
Im TV-Studio während der Begegnungen sind nicht die typischen eSport-Fans da. Es ist eher ein Talkshow-typischer Schnitt durch die Gesellschaft als Zuschauerschaft. Von jung bis alt will jeder dem Spektakel frönen. Wirkliche eSport-Kompetenz kann da nicht vorrausgesetzt werden. Die Übersichten und Übertragungen sind aber so aufgebaut, dass man kein Vorwissen braucht. Im Prinzip läuft alles wie bei den American Gladiators ab. Viel Show, Action pur und am Ende einen umjubelten Sieger. Ganz kurios wurde es als Seoul Jinhwa gegen Carolina Core angetreten ist und die Fans für die Koreaner eingeteilt worden sind. Brav machten sie sich aber daran auch das Auswärtsteam bei jeder Gelegenheit anzufeuern. Hier weiß man, welche Aufgabe man hat und wie es im TV dann optimal aussieht.
Mit dem Online-Segment aber greift man eine völlig andere Sache auf und muss sich um die so geschundene amerikanische Breitensport-Masse kümmern. Bisher gathern die Amerikaner bei ESEA oder vergnügen sich mit der CEVO, einen wirklichen Durchbruch gab es aber noch nicht. Die CGS könnte im nächsten Jahr aber den großen Vorteil haben, durch die Profiliga einen bekannten Namen zu haben und so dem Nachwuchs das Spielen schmackhaft zu machen. „Werde Profi und komm ins Fernsehen“, wäre die optimale Werbebotschaft. In Deutschland konnte schon die GIGA LIGA mit genau dieser Idee punkten. Sie hatte keine gute Struktur, wenig Preise, aber trotzdem schnell mehr Spieler als die ESL. Alles Dank der TV-Aufmerksamkeit. Die Besten durften im Grand Slam spielen, die Allstar-League war großer Anreiz um Erfolg zu haben.
Dadurch könnte die CGS nicht nur die jetzt schon interessierten Spieler ansprechen, sondern Viele erst zum eSport bringen. Das wird aber bei dem Fokus der Vergangenheit und den Organisationsproblemen außerhalb der Staaten nur in Nordamerika funktionieren. Europäische Spieler vergeben nur sehr langsam Fehler und die CGS hat bisher nur mit Geld gewunken, die wirkliche Vision einer professionellen eSport-Liga ist im alten Kontinent noch nicht angekommen. Das ist der große Vorteil der ESL.