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Chinesisches Roulette

Das Turnier als Basis des Wettkampfes ist auch in Warcraft 3 eine übliche Form, den besten Spieler zu finden. Teilnehmer aus aller Welt trafen sich dabei über Jahre hinweg zu den wichtigsten Veranstaltung. Lange Zeit konnte man diese an einer Hand abzählen: ESWC, WCG, CPL und für die deutschen noch die EPS-Finals. In diesem Jahr hat sich dieses Bild jedoch verändert. Wie in vielen anderen Branchen ist es nämlich auch in Warcraft 3 so, dass, beflügelt durch den finanziellen Aufschwung, die Konkurrenz aus China fleißig dranklotzt.

China hat sich so in kürzester Zeit zum Warcraft-Mekka entwickelt. Unzählige Veranstalter sind in kürzester Zeit aus dem Boden geschossen und wollten auf den Zug aufspringen, der schon einsetzte, als die meisten Chinesen die Spiele nur über Videostream schauen konnten. Mittlerweile ist das Spektakel allerdings nicht nur am heimischen PC zu bewundern, sondern auch über den Fernseher. Dabei kommt dem Boom vor allem zu Gute, dass nun viele Turniere auf chinesischem Boden ausgetragen werden und die Zuschauer die Spieler nun auch live auf einer Bühne sehen können.

Was die Spieler an China reizt, ist dabei nicht unbedingt das hohe Preisgeld. Denn im Vergleich zu ihren internationalen Konkurrenten haben die Veranstalter in China oft nur ein relativ kleinen Preispool und schaffen es dennoch, die besten der Besten aufzubieten. Entscheidend ist für die Spieler nämlich nicht nur ob sie zehntausende an Dollar verdienen können, sondern auch wie häufig dies möglich ist. Versagt man an einem Wochenende auf einem Turnier, besteht in China oft bereits in der nächsten Woche die Chance auf eine ähnliche Summe.

Manche Spieler, wie zum Beispiel der Franzose ToD und der Schwede SaSe, nehmen dies auch gerne zum Anlass, für mehrere Monate nach China auszuwandern. Mit ihrem Gehalt und dem Preisgeld, dass sie alle paar Monate erreichen können, sind sie in der Lage, in China einen relativ hohen Lebensstandard zu haben. Im Vergleich zur breiten Schicht sogar schon fast ein Luxus-Leben, wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Einwohner in der Stadt ca. 4000 US-Dollar im Jahr verdient. Vor allem bekommen sie aber so die Möglichkeit geboten, an einem Großteil der Turniere teilzunehmen, die dort veranstaltet werden.

Beeindruckend ist bei den Turnieren die Kreativität, mit der die Veranstaltungen aufwarten. So wurden in China in diesem Jahr gleich mehrere neue Spielsysteme genutzt, die im europäischen Raum bisher undenkbar waren. Die Teilnehmer wurden so zum Beispiel erst in Teams aufgeteilt, nur um nach der Teamphase den Besten unter sich zu ermitteln. So wird frische Luft in die ansonsten angestaubten Turniermodi gebracht, auch wenn es mit Sicherheit keine dauerhafte Alternative darstellt.

Durch einen Internetstream können oft auch ausländische Fans die Spiele verfolgen. Zwar haben vor allem Europäer unter der Zeitverschiebung zu leiden, doch bei vielen Turnieren scheinen die Veranstalter bereits Rücksicht auf ausländische Fans genommen zu haben und so starteten die Partien meist erst gegen 6:00 Uhr europäischer Zeit. Das kommt zumindest den Frühaufstehern zu Gute.

Doch die Turnierwelle aus Fernost hat nicht nur positive Effekte. Wie schon Szeneikone pre in einem Blogeintrag zu verstehen gab, machte sich bei vielen durch die ganzen Turniere ein gewisse Monotonie breit. Da die Veranstalter meistens die selben Spieler einluden wie die Konkurrenz, kam es häufig vor, dass man mehrmals in wenigen Tagen die gleichen Spieler – teilweise auch noch auf der selben Map – sah. Für die Zuschauer ergibt sich so ein gewisser Abnutzungs-Effekt. So fragten sich viele, wozu sie heute nochmal das selbe Spiel sehen sollten wie gestern.

So spannend ein Weltmeisterschafts-Finale auch ist, wenn es davon eins pro Monat gibt, verliert es einfach ein wenig seinen Reiz. Des Weiteren kam teilweise der Eindruck auf, dass es ein wenig zufällig war, wer die Turniere gewinnt. Ein Jahr zuvor konnte man noch davon ausgehen, dass der Gewinner sich am besten vorbereitet haben musste und ein wenig Glück hatte. Nun ist es so, dass die Spieler den Stil ihres Gegner schon gut kennen und immer öfter die Tagesform entscheidet. So gewinnt an einem Tag ToD gegen den Erzfeind Moon, wird aber eine Woche später wieder von ihm geschlagen. So enstehen einfach keine Legenden.

Man kann schon jetzt erkennen, dass auch im nächsten Jahr wieder einige Veränderungen anstehen werden. Die Zuschauer wollen weiterhin in den Genuss spannender Spiele kommen und noch ist kein Ende des Warcraft-Booms in China in Sicht. Im nächsten Jahr wird es dennoch mehr darum gehen, dass sich manche Turniere etablieren und die Zahl der Veranstaltungen zurück gehen wird. So wie es auch schon in der restlichen Welt geschehen ist, wird sich das Spielgeschehen auf einige Turniere beschränken. Diese werden dann hoffentlich wieder mit einer Top-Besetzung aufwarten – und wer weiß, vielleicht wird im nächsten Jahr mit den WC3L-Finals das erste Turnier aus der westlichen Welt in den Osten wandern.

  1. insideman_ #1
    hat pre nicht das gleiche auf kistengang geschrieben ?

    e: ach hatte den artikel net komplett durchgelesen, wird ja noch erwähnt ;-)
    TeamPietro - Brachii #2
    Der Patch wird einiges an Aufschwung bringen (hoffe ich jedenfalls).
    eXcuvator #3
    "Die Teilnehmer wurden so zum Beispiel erst in Teams aufgeteilt, nur um nach der Teamphase den Besten unter sich zu ermitteln. So wird frische Luft in die ansonsten angestaubten Turniermodi gebracht, auch wenn es mit Sicherheit keine dauerhafte Alternative darstellt."

    Das System, so wie es beschrieben wird, ist uralt. Ich kenne das chinesische nicht, aber es sollte schon etwas besser beschrieben werden, damit man die Unterschiede zum normalen 4er-Gruppen-Top1/2-ab-in-die-achtelfinale-wahlweise-mit-oder-ohne-loserbracket-System sieht.
    parcivaL #4
    moment... teams und 4er-gruppen sind nicht dasselbe oder?
    kuemmel #5
    hm aber an der preisliste kann man doch schon die creme de la creme erkennen. ob wc3 spieler generell dazu im stande sind zu legenden zu werden, sei mal dahingestellt :/
    quiZZ_TV #6
    Die Welt hat sich verändert. Jetzt fahren sie auch schon in China mit über 300 km/h im Kreis herum.
    smileface #7
    #3 Das hier genannte System ist aber anders.

    Zuerst werden Gruppen entweder gedraftet oder von einem Spieler als Kapitän gewählt, die dann im Teammodus gegeneinander antraten.

    Die Siegerteams kamen dann weiter und spielten unter sich den Titel danach im normalen Turniermodus aus.

    Also kommen die besten Gruppen gesamt weiter und die nicht die besten einer Gruppe.
    Knut-Ole #8
    "chinesisch", nicht "chinesich"

    nuff said
    plaGGy #9
    Also richtig krass war wohl dieses System das ne Woche lang ging.

    Mit 2-3 Mal Teamphase, dann Playoffs, dann 2 Revives, erneut Gruppenphase, dann wieder Playoff, dann 3er Gruppenplayoffs, dann Finales Playoff.... wie hies das noch... Bejing irgendwas.... Keine ahnung mehr, da fand ich keinen Überblick miehr ^^

    Edit: Pgl 2007 wars.... sowas krankes hab ich noch nie gesehen...

    Wo Tod am Ende auch gesagt hat, er spielt nicht mehr mit im 4er Playeroff
    HasuHasi #10
    in china hat das preisgeld in form von einigen tausend dollar sehr viel mehr wert als in deutschland... da dort die lebenserhaltungskosten viel tiefer sind
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