Das sind mal Wechselnachrichten der besonderen Art: Nicht einzelne Spieler wechseln ihr Team, sondern ganze Clans fusionieren, ganze Topteams machen es sich unter einem neuen Dach gemütlich und ganze Organisationen beschließen eine nie gekannte Form der Zusammenarbeit.
Zuerst fusionieren starComa und n!faculty, zwei altbekannte Namen in der deutschen Szene. Das soll die „Lücke zu den Top 3 schließen“, hat man als ehrgeiziges Ziel formuliert. Schlecht klingt das alles nicht, denn eine eindeutige Arbeitsteilung zwischen Kilian Ricken als „Sportdirektor“ und Carsten Kunde, sowie Guido Schröder für den geschäftlichen Aspekt wirkt erfolgversprechend, da die Bereiche klar abgesteckt sind und sich jeder auf seine eigenen Brötchen konzentrieren kann. Der nächste Paukenschlag: Das CS-Erfolgsteam von PGS wechselt geschlossen zum dänischen Clan MeetYourMakers, der damit wieder über ein starkes Team in der weiterhin wichtigsten Diziplin verfügt. Der Wechsel zwischen Mitteleuropa und Skandinavien funktioniert aber auch andersherum, wie die Kooperation zwischen mTw und NoA beweist. Von nun an vertritt NoA den deutschen Traditionsclan auf internationaler Bühne, mTw wird umstrukturiert und NoA bleibt als Marke erhalten.
Soweit das bekannte, wie es auch in unseren News nachzulesen war. Aber warum all das auf einmal? Wenn man eines aus der derzeitigen Fusionswelle ablesen kann, dann eines: In der Arena des eSports ist nicht genügend Platz für so viele Teilnehmer, vor allem am oberen Ende. Nach der Riege der ganz wenigen international etablierten Topteams klafft zunächst gähnende Leere, bevor das Mittelfeld kommt. Diese Lücke kann nur geschlossen werden, wenn das besagte Mittelfeld zusammenarbeitet, statt sich gegenseitig noch das Leben schwer zu machen. Also heißt es: Fusionieren, kooperieren, umstrukturieren. „Synergieeffekte nutzen“ nennt man das in der Wirtschaft.
Für den eSport gelten dieselben Regeln wie für die Stahlindustrie und das Finanzwesen. In einem zersplitterten Markt kann es nur ganz wenige Spitzenreiter und ein abgeschlagenes Verfolgerfeld geben. Arcelor und Mittal, Allianz und Dresdner Bank – jetzt auch im eSport. Die Konsolidierungswelle hat wohl gerade erst angefangen, aber sie ist sinnvoll: Überkapazitäten werden abgebaut und der hohe Druck der Verfolger untereinander nimmt ab. Statt einer Masse von kleinen Teams wird den internationalen Riesen am Ende eine überschaubare Zahl von Mittelmächten gegenüberstehen, denen es deutlich öfter als bisher gelingen dürfte, die Großen unsanft aus ihrer Sicherheit zu erwecken. Für den eSport insgesamt ist das eine gute Entwicklung, denn es wird wieder spannend. Turnierbäume werden wieder einen höheren Zweck erfüllen als die Zeit zu vertreiben, bis sich wieder mouz und aTTaX oder PGS und fnatic gegenüberstehen.
Bei den oben genannten Beispielen wird es wohl nicht bleiben. Es muss sich auch nicht immer um Großfusionen anerkannter Altclans wie NoA und mTw handeln, denn viele Länder sind einfach zu klein für mehr als ein international wirklich wettbewerbsfähiges eSport-Team. Natürlich kann am Ende nur einer oben stehen. Aber die Zahl der Teams, die auch das Potential dazu aufbauen können, wird durch die Konsolidierung der Clanszene wachsen.