„Does it hurt?“ – „Yeeaah…“ Die Enttäuschung und der Schmerz sind Team-Manager Nordahl nach Ende der zwölften WC3L-Finals im Interview mit ESL TV anzusehen. Wieder nur der zweite Platz. Allein in diesem Jahr fuhr man in der WC3L zwei Mal Silber und ein Mal Bronze ein. Die NGL ONE konnte man nach einer weiteren Silbermedaille in Saison zwei in der dritten Spielzeit wenigstens ein Mal gewinnen. Das sollte dann aber auch der einzige Mannschaftstitel 2007 sein. Und das, obwohl MeetYourMakers in jedem Team-Wettbewerb als heißer Favorit auf den Titel gilt. Mit teilweise herausragenden Endergebnissen schließt das von Koreanern geprägte Team die jeweilige Spielzeit ab – eigentlich immer als Direktqualifikant für das Offline-Event. Dort jedoch bleibt der gewünschte Erfolg nicht selten aus. Partien werden zu Gunsten des Gegners abgegeben, die während der Saison Spielgewinne waren. So gelang MYM bisher, trotz der ständig präsenten Dominanz in der Tabelle, nur je ein WC3L- und NGL-ONE-Titelgewinn. Eine recht magere Ausbeute für das Topteam.
Als wohl bestbezahltes Team der Warcraft-3-Szene bleibt also die Frage offen, wieso die Spieler ihr Potenzial anscheinand nur online auszuspielen vermögen und im Duell Auge in Auge mit dem Gegner insgesamt zum Scheitern verurteilt sind.
So fragt man sich oft, ob das Geld nicht vielleicht in den falschen Spieler investiert wird, der zwar während der Spielzeit den Erwartungen gerecht wird, auf dem eigentlichen Event aber unter eben diesen bleibt. Doch genau hier müsste er seine Trümpfe ausspielen – dafür wird er bezahlt.Der Aspekt der Nervosität vor direktem Publikum zu spielen dürfte hier keinerlei Rolle spielen. Während die Spieler in Deutschland seperat in Gamer-Rooms untergebracht sind und dort der Geräuschpegel vermeintlich gering ist, haben die Topstars bei asiatischen Turnieren immer die Menge unmittlerbar in ihrer Nähe – dort jedoch wissen die Koreaner stets zu überzeugen. Susiria sticht hier hingegen vor allem negativ heraus: Während der Untoten-Spieler online seinem Team oft zum Sieg verhilft, schwächelt er offline nicht allzu selten. War Susiria in der elften Saison noch zum MVP gewählt worden, wurde er auch vergangene Saison dafür nominiert und führte die Spielerstatistik an. Auf den Finals jedoch konnte er diesem Titel nur bedingt gerecht werden: In den wohl wichtigsten Spielen gegen SK Gaming musste er beide Male eine Niederlage gegen vermeintliche Underdogs einstecken. Im Upper-Bracket-Finale unterlag er XlorD und im Großen Finale HoT.
Im Gegensatz zu den recht moderaten Offline-Leistungen stechen hingegen die Saisonergebnisse ins Auge. Musste sich MeetYourMakers in der elften WC3L-Spielzeit noch mit Rang zwei knapp hinter World Elite abgeben, setzten sich die Koreaner in der darauffolgenden zwölften Saison mit großem Abstand an der Tabellenspitze fest. Ebenfalls in der zweiten und dritten NGL-ONE-Saison sicherte sich MYM souverän je einen Platz unter den ersten Zwei. Vier Mal qualifizierte sich das Team als Topfavorit auf den Titel für die Finals – nur ein Mal gelang der Gesamtsieg.
Eine magere Bilanz, bedenkt man die Erwartungen, die zu jedem Offline-Event erneut in das Team gesteckt werden – oder sind es mittlerweile doch eher Hoffnungen? Der Grund für das häufig schlechte Abschneiden MYMs ist allerdings schleierhaft. Schneiden Teams in einer Saison schlecht ab, so lag dies meist an Veränderungen im Lineup, MeetYourMakers hingegen verändert den Kader nur sehr selten. Irgendeinen Grund muss es aber geben, dass die Koreaner in den vermeintlich wichtigsten Momenten den Kürzerern ziehen – ob dieser jedoch jemals ans Licht kommt, ist fraglich.
Mit der erst kürzlich erfolgten Neuverpflichtung von Shy ist das WC3-Lineup des dänischen Clans nahe an der Perfektion. Bereits in seinem ersten Einsatz gegen Four Kings konnte der ehemalige NoA-Spieler sein Können unter Beweis stelllen. Vielleicht gelingt es MeetYourMakers ja auf den nächsten Finals den Fluch des ewigen Zweiten endlich abzulegen und die hohen Erwartungen an ein solches Starensemble zu erfüllen. In den regulären Spielzeiten klappt’s doch auch.
