Wer kennt es nicht? CS angeschmissen, ins IRC, Gegner nach nur 30 Sekunden und rauf auf den Server. Nachdem man in der ersten Runde schon merkt, dass sich der Flasheffekt beim Gegner nur in Zügen entfaltet, ist spätestens nach den zwei Sparrunden das Geschrei im Voicetool der Wahl groß. Das Prefire sitzt zu hundert Prozent und Wände scheinen nicht zu existieren. Statusscreen gemacht, bei der ESL nachgeschaut, ein erster Schrei im Ventrilo: „Das ist XektoR lolololo“. Das kann doch gar nicht sein? Am Samstag Abend um drei Uhr nachts, will man doch nur entspannt spielen, da kann man doch gar nicht glauben, dass ein Middle-skilled-Gegner plötzlich der fleischgewordene Skandal der Winterpause ist.
Was hat man noch gezweifelt, als die ESL mit geschwollener Brust angekündigt hat, dass dem coldgame-Akteur keine Gnade gewährt wird. Wie sicher kann man denn wirklich sein, dass fünf Headshots und einige wirre Bewegungen direkt einen Cheat darstellen? Wenn aber jemand die notwendige Vorsichtigkeit der EAS-Spiele ablegt und „dreist anmacht“ und sich um seinen Ruf nicht schert, dann kann der Gedanke auch nicht so fern sein, in den wichtigen Spielen um den Aufstieg in die Königsklasse unerlaubte Hilfsmittel zu nutzen. Auf der anderen Seite könnte der seit Dezember in der ESL gesperrte XektoR auch einfach dem bekannten Sprichwort „Ist der Ruf mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“ folgen. Wenn sowieso ein Großteil der eSport-Szene glaubt, dass er cheatet, wieso nicht einfach anmachen und die ungeliebten Hasser noch ein wenig mehr ärgern.
Auf dem Server reagiert er dann auch ganz locker: „Ich will doch hier nur mit ein paar Leuten zoggen“ kommt auf die Anschuldigungen und ein dicker Smiley folgt. Genau die Reaktion, die man von einem, dem es sowieso alles egal ist, erwartet. Dass er damit sein Grab in der Szene nur noch tiefer aussticht, ist ihm scheinbar egal. Dabei wäre er fast zum Stein im Getriebe der größten deutschen Liga geworden, indem er die Strafprinzipien der ESL angefochten hat. Bisher hatte er damit keinen Erfolg, mit solchen Auftritten in der Öffentlichkeit macht er es aber auch nicht besser und unterstützt nur den Unglauben in die Worte eines jeden Verdächtigen.
Dabei ging es dem Clan doch gerade um die Reputation. Mit einem Aufstieg in die EPS haben coldgame und wohl auch XektoR nicht mehr gerechnet. Zu gefährlich, dass man nachher Schadensersatz zahlen müsste, wenn man im Hauptverfahren Unrecht bekommen würde. Auch würde man nie wirklich akzeptiert werden, sondern geächtet und unter besonderer Beobachtung gestellt. Außerdem kann Turtle Entertainment das Nutzungsverhältnis auch ordentlich kündigen. Die Zukunft für den Spieler war also nie wirklich auf der Kippe. Seit der Cheatentscheidung ist die spielerische Zukunft von Xektor zu Ende.
Nach knapp zehn Runden und der Sicherheit, dass man gegen Cheater keine Chance hat, kann man im FW einfach „Quit“ eingeben und neue Gegner suchen. Die Gegner in der EAS hatten da nicht so viel Glück. Sie mussten sich dem „Aimmonster“ XektoR stellen und hatten meist das Nachsehen. Der Weg über den grünen Tisch hatte auch erst nach einigen Versuchen Erfolg und so kann ich gut verstehen, dass die ESL keine Gnade oder Unsicherheit zeigen will. Am Ende schützen sie dann nämlich nicht mehr die Spieler, sondern lassen die Cheater die Spieler mit Premium-Account verhauen. Ich hätte da keine Lust mehr zu zahlen.