Die CPL ist tot. Mit diesen Worten beginnt eine Nachricht, die gestern für Furore sorgte. CAL-Mitarbeiter Martijn Bloemheuvel erklärt darin, CPL League Commissioner Chris Moncivalles sowie CPL IRC Manager Thomas Hollingsworth seien vor kurzem entlassen worden. Die Trennung von Global Tournament Director Michael Allen stehe ebenfalls nach Ende der World Tour in diesem Monat an. Da auch der Verkauf der CPL an die US-Videospielkette „Play N Trade“ gescheitert sei, werde die CPL als Turnierveranstalter künftig aller Wahrscheinlichkeit nach Geschichte sein.
Die Reaktion der CPL folgte prompt. Die Nachricht wurde von der CAL-Seite genommen und durch eine Pressemitteilung ersetzt. Hollingsworth und Allen seien weiterhin für die CPL tätig, Moncivalles sei zwar nicht mehr Commissioner der CPL, leite aber noch den CPL Store und trete weiterhin als Commissioner der CAL auf. Man werde jedoch bald eine Ankündigung über die „neue Richtung der CPL“ veröffentlichen. So weit, so erwartungsgemäß. Die Aussagen werden nur sehr vage beantwortet und keinesfalls endgültig dementiert. In Bezug auf die Zukunft der CPL vertröstet man auf später.
Gleichzeitig greift die CPL in der Pressemitteilung aber zu einem Mittel, das bereits bei dem Preisgeldskandal Verwendung fand: Die Verschwörungstheorie. Wurden damals die G7-Teams und im besonderen Sam Matthews als Nestbeschmutzer beschimpft, welche die Liga, die sie groß gemacht habe, erpressen und schädigen wollten, wird diesmal das Szenario einer Schmähkampagne gezeichnet. Seit einigen Wochen müssten CAL-Mitarbeiter bereits Nachrichten auf der Seite korrigieren, die heimlich zu Ungunsten der Liga geändert worden seien. Zusätzlich habe man auf der CPL-Seite eine Großzahl an negativen Kommentaren einer bestimmten IP-Reichweite aus den Niederlanden festgestellt. Hinter all diesen Taten vermute man nun Martijn Bloemheuvel oder eine Person, die sich über seinen Account eingeloggt habe – das lässt man vermutlich absichtsvoll im Vagen.
Doch wozu eigentlich diese ominöse Geschichte? Völlig losgelöst von der Frage, ob die Ausführungen Bloemheuvels nun der Wahrheit entsprechen oder nicht, sieht eine souveräne Antwort auf eine solche Meldung wohl anders aus. Den beliebten Schuh „Kommunikationsdefizit“ hätte man sich beispielsweise anziehen und die Situation so mit wahrscheinlich größerer Glaubwürdigkeit abwiegeln können. Stattdessen inszeniert man sich erneut als Opfer böser Kräfte, die der Liga schaden wollen. Dabei wird keinerlei Rücksicht auf Befindlichkeiten einzelner Mitarbeiter und der großen Teams genommen, von deren Teilnahme letztlich Wohl und Wehe eines jeden Turnierveranstalters abhängen. Sehr unklug für eine Firma, die ihre Zukunft weiterhin im Turniersektor sieht.
Vielmehr scheint es aber inzwischen so, als habe sich die CPL selbst bereits von der Vorstellung verabschiedet, weiterhin als Veranstalter aufzutreten. Mit so ziemlich allen großen Clans gegen sich, einem Winter-Event, das keine Maus hinter dem Ofen hervorgelockt hat und einer World Tour, mit deren Erfolg Hauptgeldgeber Sierra zurecht unzufrieden ist, verwundert das kaum. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass von irgendwo her doch noch der rettende Sponsor mit großen Säcken voll Geld angeritten kommt. Warum dann nicht schon mal anfangen, an seinem Grabstein zu feilen? Es stirbt sich wahrscheinlich um einiges besser als legendäre CPL, die hinterrücks gemeuchelt wurde, als als eine Firma, die sich verkalkuliert und selbsttätig heruntergewirtschaftet hat. Und so würden sich die Verschwörungsszenarien, die bezüglich des Preisgeldskandals und der Mitteilung auf der CAL-Seite gezeichnet wurden, als Entwurf einer Dolchstoßlegende des eSports auch wunderbar zusammenfügen.
Die CPL ist tot. Man ist geneigt zu antworten: Hoffentlich hast du recht. Dann hätte dieser Spuk wenigstens bald ein Ende.