Es ist nicht leicht Progamer zu sein! Nicht nur, dass man regelmäßig trainieren sollte um mithalten zu können, nein, man muss auch viele Einbußen hinnehmen, wenn es um die Gestaltung der eigenen Freizeit geht. In der neuesten Saison der ESL Pro-Series (EPS) gibt es ab sofort „Minor Penalty Points“ für das ziehen von Wildcards, die benötigt werden um Spiele zu verschieben. Der Clou dabei: Die Termine werden nicht von den Spielern ausgemacht und die Spieltage auch nicht mit ihnen abgesprochen. Sollte man nun die Teilnahme an weiteren Turnieren planen, einen spontanen Urlaub machen wollen oder einfach keine Zeit haben, weil Prüfungen vor der Tür stehen, dann gibt es drei Prozent weniger vom Preisgeld – das ist das neue erhöhte Strafmaß für einen Penalty Point. Der Wunsch nicht an Intel Friday Night Games (iFNGs) teilzunehmen wird übrigens auch nicht immer berücksichtigt, eingeteilt wird, wen die Admins einteilen wollen. Das Absagen eines solchen Spieles wird darüber hinaus noch viel härter geahndet als die Absage eines gewöhnlichen Spiels.
Aber betrachtet man die Problematik aus den Augen der Liga, kann man zumindest Verständnis für das härtere Vorgehen gegen Spielverlegungen haben. Der eSport wird professioneller, die Geldbeträge wachsen, die Turnierbedingungen werden besser, die Übertragung von Spielen wird laufend verbessert – doch damit all diese Dinge funktionieren, sollte rechtzeitig bekannt sein, wann denn nun ein Spiel stattfindet. Es wird ESL TV gebraucht (Sendeplatz), die nötigen Caster müssen da sein, Admins müssen zur Stelle sein, Übertragungen durch Waaagh!TV und GG-TV sollten möglich sein – wie man sieht, es sind nicht nur die Spieler die sich ihre Zeit einteilen müssen. Außerdem kommt diese neue Regelung ja nicht von ungefähr, die laufende Saison der Extreme Masters hat gezeigt wie unzuverlässig Spieler sein können, dass hier Handlungsbedarf besteht war vorauszusehen.
Nun stellt sich natürlich die Frage inwiefern diese Regelung von Nutzen ist – gab es doch gerade bei der EPS selbst wenig Probleme mit der Unzuverlässigkeit von den Teilnehmern. Es kam eigentlich kaum zu größeren Verzögerungen bei den einzelnen Spieltagen, die iFNGs wurden auch immer abgehalten, kurz gesagt: Es gab keine Komplikationen! Warum dann nicht ein Mittelmaß finden? In einem gewissen Zeitraum vor dem Spiel (1-2 Wochen) sollte das Verlegen ohne Penality Points möglich sein, kurzfristige Absagen müssen natürlich bestraft werden. Das ist selbstverständlich, schließlich sollten die Spieler auch eine gewisse Verantwortung übernehmen, wenn sie an dem Äquivalent der Bundesliga teilnehmen.
Die Auswirkungen auf die Spieler selbst sind noch abzuwarten, problematisch wird es wenn an Wochenenden andere Turniere, wie zum Beispiel ESWC oder WCG stattfinden und durch die Teilnahme an solch einem Turnier ein Spieltermin versäumt wird. Dadurch, dass die EPS-Spiele wöchentlich angesetzt sind, wird es wirklich schwierig ohne Erwartung einer Strafe an anderen Turnieren teilzunehmen, kommt dann noch die Prüfungszeit bei den Schülern und Studenten dazu, dann könnte es auch zu qualitativ schwächeren Partien kommen, da dann Spieler ohne Training antreten, weil einfach keine Zeit dazu war und eine Verlegung des Spieles nicht in Frage kommt. Wir wissen zwar alle, dass es einige Spieler gibt die immer ohne Training antreten, aber dies betrifft nun auch die aktiveren Teilnehmer in der EPS.
Auch wenn der eSport stetig professioneller wird, so ist diese Entwicklung nur bedingt nachvollziehbar. Schließlich sollten die Spieler nicht ihr gesamtes Leben zurückstellen müssen, nur um in einer Liga anzutreten. In einer Liga die es nicht ermöglicht, durch die Teilnahme an dieser, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.