Nachdem das Warcraft-3-Turnier um 16 Uhr für heute sein Ende fand, gingen im Anschluss die Counter-Strike-Teams an den Start. Mit von der Partie auch die beiden deutschen Top-Teams, mousesports und Alternate. Für sie geht es darum, nach dem verhältnismäßig ernüchternden Abschneiden bei den NGL-ONE-Finals mit Platz drei und vier zu zeigen, dass deutsches Counter-Strike international mithalten kann. Zumindest einen Sieg über Roccat hatte man den Teams eigentlich zugetraut.
Doch in der Theorie sahen die Chancen für eine schnelle Rehabilitation nicht besonders gut aus. Denn gleich zu Beginn musste Alternate gegen die unberechenbaren Koreaner von eSTRO antreten und auf mousesports wartete der Gewinner des letzten Turnierwochendes, fnatic. Die Mapwahl bei den Mäusen gegen cArns Mannen fiel auf de_nuke, die in letzter Instanz von fnatic gewählt wurden. Zuvor wurden bereits die Karten de_inferno, de_dust2 und de_train rausgewählt, so dass man sich alternativ noch für de_cbble hätte entscheiden können. Die Wahl der Schweden fiel jedoch auf die allseits bekannte Fabrikhalle.
Durch eine gute Leistung Kapios in der Messerrunde konnte sein Team als Verteidiger starten und damit einen solide und schlussendlich ausreichenden Grundstein legen. Immer wieder behielten die Mäuse in engen Situationen die Oberhand gegen die skandinavischen Topspieler, von denen sich vor allem f0rest für den Tag offenbar freigenommen hatte. Der hochdekorierte Schwede stellte nicht die übliche Stütze des Teams dar und so holte fnatic bis zum Ende der ersten Halbzeit magere zwei Runden. Nun lag es an mouz, den Sieg fix zu machen, am besten gleich zu Beginn.Mit dem Sieg der zweiten Pistolenrunde war dieses Ziel auch bereits zum Greifen nah. Dann griff fnatic in der zweiten Runde allerdings zu großkalibrigen Handfeuerwaffen und überrumpelte damit die deutschen Angreifer. So verlor man die zweite Runde und musste vorerst weiter zittern. Runde um Runde glitt das Spiel mousesports nun aus den Händen und das so oft zu beobachtende mouz-Problem schien auch dieses Mal wieder akut zu werden. Anstatt das eigene Spiel ruhig zu analysieren, wurde es im Gamingroom immer lauter. Doch die Köpfe des Teams – Kapio und gob b schafften es, ihr Team zu beruhigen und sie auf den rechten Pfad zurück zu lenken. So besann man sich auf die eigene Stärke und schaffte es, zwei weitere Runden für den Erfolg zu holen. Danach war alles nur noch Formsache, denn weder mousesports noch fnatic brachten nun noch ihre maximale Leistung, sondern schaukelten die Partie einfach irgendwie nach Hause. Am Schluss siegte mousesports 18:12 und brachte sich damit in eine hervorragende Position für den weiteren Turnierverlauf.
Die unbekannte Macht aus Fernost
Vor einem großen Fragezeichen stand das Team von Alternate vor ihrem Spiel gegen eSTRO. Die Asiaten, vor allem für ihr vorzügliches Aiming bekannt, haben in der Vergangenheit schon das eine oder andere Team zur Verzweiflung getrieben – nicht zuletzt MYM auf der WCG. Und so war Alternate zwar gewarnt, aber das Mysterium eSTRO konnte man trotz guter Vorbereitung nicht vollständig entziffern. Zu unlogisch das Spiel der Asiaten, die zwischen ständig zwischen genial und kreuzdoof zu schwanken schienen. Jedoch hat man dieses Problem eigentlich mit allen Gegnern in der Gruppenphase. Denn während Excello in den Extreme Masters bisher zwar sehr zu überzeugen wusste, konnte man die Finnen im LAN mit Ausnahme von KODE5 Niederlande kaum begutachtenl. Und sowohl bei SK Gaming als auch bei Virtus.pro wurde kurz vor den Finals ein Spieler ausgewechselt. Doch der Reihe nach: Man erwartete eSTRO…
Von dem vorzüglichen Aim der Asiaten konnte man sich in der ersten Runde gleich einmal eine Probe abholen. Nach verlorener Messerrunde musste man als Angreifer auf de_nuke beginnen verlor gleich auch noch die Pistolenrunde, wenn auch sehr unglücklich. Zwar konnte man die Halle relativ problemlos einnehmen, doch beim Versuch, sie nach dem Legen der Bombe zu halten, scheiterte man an mangelnder Absprache. Allgemein war die Kommunikation, die durch falsche Ventrilo-Settings etwas behindert wurde, das größte Problem für Alternate. Doch das sie dieses Manko nicht besonders behinderte, zeigten sie gleich in der folgenden Runde. In dieser Sparrunde war erneut die Halle das Ziel und wieder konnte man die Bombe legen. Beim Versuch eSTROs, die Halle zurück zu gewinnen, verloren diese viele Waffe. Ein ausschlaggebender Punkt für den restlichen Verlauf des Spiels. Zwar gelang es Alternate auch in er folgenden Waffenrunde nicht, eSTRO endgültig zu bezwingen, aber wieder verloren die Asiaten viele Waffen.
Allgemein war der Beginn der Partie dadurch geprägt, dass mooN und Co. versuchten, das Verhalten ihrer Gegner zu verstehen. Und diese machten es ihnen mehr als leicht, dieses Vorhaben umzusetzen. Denn immer wieder spielten die Asiaten den selben Stiefel mit wenig Variation herunter. Das größte Hindernis für Alternate war dabei, dass ihr Hallenrush nicht funktionierte, obwohl man über die Aufstellung der Gegner wusste. Das „Bangen“ von Außen in die Halle, machte einen Zugriff über die Tür einfach unmöglich. Als man dies verstanden hatte und zudem wusste, dass die Asiaten vor allem über die Rampe und Außen schnell nach vorn drangen, schien es ein Kinderspiel zu sein, sie immer wieder in Unterzahl zu bringen. Die ausschlaggebende Runde war jedoch eine, die eigentlich schon verloren war. Nach einem Feuergefecht bliebt paN mit 21 Hitpoints als letzter Angreifer übrig und entschloss sich, statt Freitod mit drei gut platzierten Kopfschüssen und einem weiteren Frag das 1on4 zu holen. Von da an schienen die Koreaner gebrochen und Alternate gewann die erste Halbzeit mit 9:6.Zu Beginn der zweiten Halbzeit verschätzte sich Alternate zwar sehr, als sie einen nicht eintreffenden Hallenrush erwarteten, jedoch machte eSTRO ihnen ein Geschenk, in dem sie sich viel Zeit ließen und Alternate somit die Möglichkeit gaben, wieder umzustellen. So holte aTTaX die Pistolenrunde und auch die folgenden Runden wurden dem Punktekonto der Deutschen gutgeschrieben. Nachdem man dann die erste Waffenrunden auch noch gewinnen konnte, war der sprichtwörtliche Drops gelutscht. Von nun an überforderte man eSTRO, die in ihrer Heimat kaum ernstzunehmende Konkurrenz haben einfach. Bevor diese sich richtig aufbauen konnten, standen die Alternate-Spieler bereits im Vorraum. Und so gelang es ihnen, die 16 Runden zu sichern, ohne zuvor eine Runde als Verteidiger abgeben zu müssen. Der Rest war nur noch Makulatur. Zwar verlor man in der Folge noch zwei Runden etwas unnötig, doch sollte man am Ende nicht mit einem weiteren Team punktgleich sein, sollte dies nicht weiter schmerzen.
Nun müssen die Deutschen nur noch beweisen, dass man nicht nur gegen treffsichere, sondern auch gegen taktisch versierte Teams siegreich sein kann. Dann ist es durchaus für beide deutschen Teams möglich, direkt als Gruppenerster in die Playoffs einzuziehen. Denn vor wenigen Minuten hat mousesports bereits sein zweites Spiel gewonnen. Gegen Team Roccat, denen man vor zwölf Tagen bei den NGL-ONE-Finals noch unterlegen war, gewann mouz mit 20:10. Damit hat zumindest ein deutscher Vertreter nun alle Trümpfe in der Hand.

