Tim ‚HLA‘ Gebel ist in diesen Tagen ein begehrter Gesprächspartner. In der ESL Pro Series mischt der 17-jährige Schüler mit vier Siegen und lediglich einer Niederlage derzeit in den Top 3 mit und wird bereits jetzt als Finalkandidat gehandelt. Er selbst lässt sich von seinen Siegen gegen hanf, Protois und HasuObs und den anschließenden Schlagzeilen jedoch nicht groß aus dem Konzept bringen: „Ich sollte auf dem Boden der Tatsachen bleiben und im Hinterkopf behalten, dass ich gegen jeden verbleibenden Gegner in der EPS verlieren kann. Darum werde ich einfach nur so gut spielen, wie ich kann und mal schauen, was dabei rumkommt.“
Gut spielen, das kann HLA vor allem gegen seine Rassenkollegen. Im Undead-Mirror gilt er als einer der besten Spieler Deutschlands, was seine Erfolge gegen Protois und HasuObs unterstreichen. Im Spiel gegen den Deutschen Meister wusste er dabei genau, was ihn erwartet: „In allen Mirrorgames, die HasuObs in letzter Zeit gemacht hat, spielte er die DK-Fiends-Kombo.“ Deshalb war für den raptor-Spieler schon von Beginn an klar, dass er ebenfalls auf diese Taktik setzen würde. „Ich persönlich komme mit Ghulen gegen Fiends überhaupt nicht klar“, gesteht er. „Dafür bin ich aber im Fiend-Mirror sehr gut.“ Seinem Gegner dabei überlegen zu sein, hört sich erstmal recht simpel an: „Im Fiend-Mirror kommt es darauf an vorherzusehen, welche Fiend als nächstes gefocust wird und diese sofort zurückzuziehen.“ Gleichzeitig müsse man natürlich die Helden am Leben halten.
Drei Ghule machen den Unterschied auf Turtle Rock
Die Umsetzung ist Tim auf Turtle Rock dann auch sehr gut gelungen. Auf benachbarten Startpositionen konnte er nach anfänglichem Creeping schnell Druck aufbauen. „Ich wusste, dass er den Shop creepen wird und dass ich ihn so gut unter Druck setzen würde. Glücklicherweise ging der Plan auf“, erklärt er. So konnte Tim schon zu Beginn drei Holzghule ausschalten und das Spiel somit früh vorentscheiden. „Da wusste ich schon, dass ich gewinnen werde, da es einfach übel ist im Fiend-Mirror kein oder wenig Holz zu haben“, erläutert er.
Anstatt ein Risiko einzugehen und das Spiel doch noch abzugeben, entschied sich HLA anschließend fürs Creepen. Vor allem die vier Naturals in der Mitte seien dabei auf Turtle Rock entscheidend: „Dort kann man gute Items abstauben, die einen großen Einfluss im späteren Spielverlauf haben können. Die sollte man immer versuchen zu creepen.“ Mit zwei großen Healthpotions und einer großen Manapotion konnte er sich dort auch nicht über die Ausbeute beschweren und war für den letzten Kampf in HasuObs‘ Basis gut gerüstet. „Das gute Early-Game und die Items haben mir auf Turtle Rock den Sieg gebracht“, resümiert er.
Der Crypt Lord richtet es auf Secret Valley
Sehr viel knapper verlief die Partie auf Secret Valley. Beide setzten wieder auf Fiends mit dem Death Knight und lieferten sich zu Beginn viele kleinere Scharmützel. Dabei ließ HLA die Creeps in der Nähe seiner Basis bewusst weitgehend unangetastet. „Die sind später wichtig, um den Lich mit Solo-Creeping auf Level 3 zu bringen“, führt er aus. Allerdings konnte sich im Early-Game keiner von beiden einen entscheidenden Vorteil erspielen. Vielmehr wurde diese Map durch die Taktik entschieden. Vor allem die Wahl des Crypt Lords als drittem Helden im Gegensatz zu HasuObs‘ Dark Ranger sei entscheidend gewesen. „Die Dark Ranger ist gut, wenn man ein klasse Early-Game hatte und dann das Spiel schnell beenden will. Zudem kann ein gut gesetzter Silence auch ziemlichen Schaden anrichten“, erklärt Tim. „Der Crypt Lord hingegen ist im Early noch ziemlich schwach, ist aber ab Level 3 mit seinem Impale eine Wucht, da er die gesamte Armee des Gegners kurzzeitig außer Gefecht setzt. Ich persönlich nehme lieber den CL, da er sich gut mit meiner Mass-Range-Armee ergänzt.“
Auch HasuObs‘ Entscheidung auf Secret Valley Banshees zu spielen, hat wohl den Ausgang der Partie beeinflusst. „Banshees sind natürlich durch das Spell-Shield gut gegen die Undead-Spells, allerdings ist ihr Damage-Output so gering, dass sie sich selten lohnen“, meint der raptor-Spieler. „Hätte HasuObs allerdings mit Master-Banshees meine Fiends eingenommen, hätte ich ein Problem gehabt. Wenn der Gegner dann nämlich wenige Destroyer hat und Crypt Lord anstatt Dark Ranger spielt, sind sie sehr sinnvoll.“
HLA setzte stattdessen auf Frost Wyrms und wundert sich selbst ein bisschen, dass er damit gewinnen konnte: „Wenn man sieht, dass der Gegner fast ausschließlich Fiends spielt, dann sollte man auf Frost Wyrms lieber verzichten, da sie unter dem Focusfire zu schnell sterben.“ Im entscheidenden Kampf habe er deshalb anfangs auch gedacht, dass er sicher verlieren werde. „Vielleicht lag es an der Position, dass ich gewinnen konnte“, vermutet Tim. An seiner sowie wenig später an HasuObs‘ Natural konnte er nämlich einen Großteil des Kampfes bergab bestreiten. Doch auch sein gutes Micro dürfte eine Rolle gespielt haben.
Für die Finals hätte er Zeit
Im Hinblick auf die nächsten Spiele gibt sich der 17-Jährige zwar zuversichtlich, aber auch betont bescheiden. „Gegen Nachtelf und Human fühle ich mich ähnlich sicher wie gegen Undead, darum bin ich da ganz zuversichtlich. Auch gegen Orcs komme ich langsam wieder klar und hoffe dies auch in meinen EPS-Matches zeigen zu können“, weiß er von seinem Training zu berichten. In den allgemeinen Jubel will er dann aber trotzdem nicht einstimmen: „Finals sind ziemlich unrealistisch meiner Meinung nach.“ Wenn Tim so weiter macht, muss er sich aber wohl trotzdem darauf einstellen, vom 6. bis 8. Juni Fiends zu verbuddeln, anstatt für sein Abitur zu lernen. Dazwischen passen würde es jedenfalls noch, glaubt er.