Einst zählte Andrey ‚Deadman‘ Sobolev zu den Topspielern Europas. Er überzeugte mit soliden, teils herausragenden Leistungen – Turniersiege blieben aber eher eine Seltenheit für ihn. Langzeitarbeitgeber des Russen war SK Gaming, zumindest bis vor ungefähr einem Jahr. Auf den WC3L-Finals suspendierte man Deadman, kurze Zeit später entließ man ihn aus dem laufenden Vertrag. Daraufhin wurde es ruhig um den Nachtelfen-Spieler, er zog sich aus dem aktiven Geschehen immer mehr zurück. Nun versucht der aktuelle KODE5-Titelverteidiger am kommenden Wochenende in Moskau sein Comeback.
Um das zu schaffen, muss Deadman allerdings an sein altes Niveau herankommen. Das hat er momentan aber gerade einmal annähernd geschafft. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass er einen Topfavoriten schlagen kann. Dabei war genau das zu seinen Glanzzeiten ganz anders. Damals war er noch eine feste Stütze seines Teams, sicherte wichtige Punkte. So bezwang er das damalige Team von mousesports um SaSe und TitaN in der ersten NGL-ONE-Saison im Alleingang und auch in der darauffolgenden Saison wusste er in selbiger Begegnung zu überzeugen, unter anderem mit einem Sieg über seinen KODE5-Gruppengegner Happy. Zeigte sich Deadman hier dominierend, schnitt er auf anderen Events allerdings eher mäßig ab. Lediglich drei Solo-Turniere schloss er in den vergangenen drei Jahren mit einer Top-2-Platzierung ab: Den ESWC 2005 auf Platz zwei hinter Grubby, die KODE5 2006 als Turniersieger und den ASUS Summer Cup ebenfalls als Zweiter, hinter Landsmann XyLigan. Keine gute Bilanz für den damaligen Topspieler.Ein etwas abruptes Ende fand Deadmans aktive Karriere dann mit dem Vorfall auf den elften WC3L-Finals. Dort rumpelte der Russe mit dem damaligen Team-Manager ownitsch zusammen, nachdem ihn dieser mehrmals ermahnt hatte nicht zu rauchen. Daraufhin kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Grund genug für SK Gaming ihn auf die Ersatzbank zu verbannen, nicht nur für die Finals sondern für die restliche Laufzeit seines Vertrages. Dieser wurde dann aber doch kurz darauf aufgelöst, Deadman wurde freigegeben.
Anders als erwartet entschied er sich damals für Defining Stars und wechselte dann bald zum heutigen wicked eSports. Obwohl er in einem guten Team war und auch auch jetzt noch ist, hörte man nur noch wenig von ihm. Letzten Herbst kündigte der Russe sogar an ganz mit dem eSport aufzuhören, Grund hierfür seien familiäre Probleme gewesen, so Deadman in einem Interview. Vor ungefähr vier Wochen widerrief er jedoch seine Entscheidung wieder, mit dem Ziel erneut ganz oben mitzuspielen.Doch auch er gesteht sich ein, dass es bis dahin noch ein längerer Weg sei. Drei Einsätze hatte Deadman während der vergangenen Wochen in den Teamligen WC3L und WPL, als Sieger ging er allerdings aus keinem der Spiele hervor. Nicht einmal eine Map konnte der Nachelfen-Spieler in den beiden Mirror-Matches gegen LiiLD.C und KOT sowie gegen den Schweden DowaQ für sich verbuchen. Eine Tatsache die momentan noch gegen ein gutes Abschneiden des Russen am kommenden Wochenende spricht. Dennoch ist Deadman von sich selbst überzeugt, er könne Warcraft 3 noch gut. So äußerte er sich zumindest im Telefoninterview mit goodgame.ru. Inwieweit er sich jedoch seit den letzten Partien verbessert hat, wird sich frühestens am Samstag zeigen, wenn die Gruppenphase der KODE5 Global Finals beginnt.
Denn dort spielt er bereits ums Weiterkommen im Turnier. In der einzigen Vierergruppe kämpft er mit den Spielern Soccer, Happy und FiX um die Plätze eins und zwei – ein schwieriges Unterfangen, gerade für Deadman. Der Koreaner zählt als klarer Favorit, er wird schon jetzt als souveräner Spitzenreiter der Gruppe gehandelt. Ein Sieg von Deadman gegen ihn darf also bezweifelt werden. Und auch die Untoten-Spieler Happy und FiX zeigen sich in letzter Zeit von einer ihrer besten Seiten. Zwar schwächelte der mousesports-Spieler in vergangenen Begegnungen etwas, aber FiX ist scheinbar wieder auf einem Höhepunkt seiner Karriere, er dominierte HoT im Finale der KODE5-Qualifikation. Für Deadman also zwei weitere harte Brocken, aber eigentlich kann er sich nur hier Chancen auf einen Sieg ausrechnen. Zudem wird bei ihm nicht nur die Tagesform eine sehr wichtige Rolle spielen, sondern auch die allgemeine Verfassung. Ansonsten beendet er die Gruppenphase auf dem vierten und damit letzten Rang.Dass Andrey Sobolev ein wirkliches, aber vor allem erfolgreiches, Comeback nach dem Wochenende in der russischen Hauptstadt feiern kann, ist weiterhin die Frage der Fragen. Seinen Titel scheint der Russe schon mit ziemlicher Sicherheit abgeben zu müssen, dass er diesen verteidigen kann, darf man wohl mit gutem Recht bezweifeln. Dennoch sollte man Deadman zumindest nicht ganz abschreiben: Auch wenn er nicht in die Playoffs einziehen dürfte, kann der Nachtelfen-Spieler eventuell überraschen. Denn wenn er nur knapp einem seiner Gruppengegner unterliegt, ist er auf dem besten Weg an alte Leistungen anzuknüpfen. Ob ihm das aber gelingt, wird sich am Samstag zeigen. Einfach wird es aber auf keinen Fall.


