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KODE5: Zocken beim Shoppen

Zum ersten Mal schaut die gesamte eSport-Welt nach Moskau, ohne dabei nur den Kreml im Auge zu haben. Zwar haben die Russen schon seit Jahren gute eSportler, doch ansonsten konnten sich die ansässigen Fans größtenteils nur über das Internet informieren. Außer ASUS-Turnieren und einem IFNG war meist lediglich die heimische Elite zu bestaunen. Die KODE5-Organisatoren wagten jetzt den Sprung und öffneten dem eSport die Tür im flächenmäßig größten Land der Welt. Einerseits überraschend gut, aber völlig glatt läuft es dann auch nicht.

Einmal eSport zum Mitnehmen, bitte

eSport-Turniere wurden bisher in Europa nur in Bürokomplexen oder vor Publikum auf Messen und in Veranstaltungshallen ausgetragen. Bei der KODE5 ist das anders: Im Shopping-Center „Tishinka“ kann man sich an diesem Wochenende bei einer entspannten Shopping-Tour von eSport der Spitzenklasse unterhalten lassen. Ganz ohne Eintrittspreis oder Alterskontrolle – nur einer der Punkte, warum deutsche Behörden hier sicherlich den Rotstift ansetzen würden. Allerdings läuft das hier alles ein wenig anders. Während sich mittags bei den letzten Spielen von Virtus.pro Jugendliche ab dem zehnten Lebensjahr zusammen mit Erwachsenen, die locker ihre Großeltern sein könnten, zu wilden Sprechchören verleiten lassen, sind spätestens ab 20 Uhr kaum noch Zuschauer im Raum zu finden. Viele Zaungäste waren dann doch nicht explizit für das KODE5 Grand Final vor Ort und mussten der Partnerin zumindest beim Abtransport der Einkäufe unter die Arme greifen.

So besteht das Areal des Turniers im Endeffekt aus der KODE5 und ihren Sponsoren, von denen drei einen eigenen Stand haben. Die Spielerbereiche sind mit einem hüfthohen Zaun von den Zuschauern getrennt – theoretisch. In der Umsetzung dagegen hat der Großteil der Sicherheitsleute diese durchaus übliche Praxis leider noch nicht ganz verstanden, weshalb während der letzten Partie zwischen HasuObs und ToD zirka 20 Leute den Spielern über die Schulter schauten. Als das wiederum von der Leitung kritisiert wurde, gab es zumindest bei den Warcraft-3-Spielern ein Verbot, das dann auch eine Stunde durchgesetzt wurde. Letztlich waren die Admins aber scheinbar völlig überfordert, als Deadman eine zehnköpfige Meute in das gesonderte Areal bugsierte, damit diese seine Leistungen auch hautnah mitverfolgen konnte.

Deadman und andere Probleme

Wie eigentlich bei jedem Turnier, an dem er teilnimmt, war auch bei der KODE5 kein Vorbeikommen am Gewinner der letzten Ausgabe – Deadman. Auch dieses Mal war er in eine Schlägerei verwickelt – nur nicht auf dem Turnier, sondern wenige Tage zuvor, weshalb seine Teilnahme bis zuletzt zweifelhaft war. Aber einen kleinen Skandal löste er dann trotzdem noch aus, als er das Turnier aufgrund mangelnden Interesses spontan nach zwei Partien verließ. Dabei hatte der Nachtelfen-Spieler sich bis zu diesem Zeitpunkt größtenteils vorbildlich verhalten: Kein Meckern oder Rauchen an Orten, wo es gesetzlich verboten ist. Interessant am Rande noch die Optik seiner weiblichen Begleitung, die mit roten Plastikhörnchen auf dem Kopf stark an die tollen Tage in Rheinmetropolen erinnerte. Als einzig irgendwie „Verkleidete“ warf es jedoch einfach nur ein mittelgroßes Fragezeichen auf.

Nachdem die Chancen auf ein Preisgeld gänzlich verflogen waren, entschloss sich Deadman, mit seiner Anhängerschaft weiterzuziehen. Der Einzige, den dies vermutlich gestört hat, war der Ukrainer FiX, der auf einer Map gegen den Problemrussen verlor und so von einer Wettbewerbsverzerrung betroffen war.

Auch sonst kränkelt die Organisation etwas vor sich hin. Heutzutage haben sich viele Spieler schon an einen gewissen Luxus gewöhnt, zum Beispiel einen Shuttle-Service, um auf ein Event zu kommen. Dass die Veranstalter hier nur eine Karte des örtlichen U-Bahn-Systems austeilten und jemanden bereitstellten, der die Spieler im Gänsemarsch zum Ziel bringen sollte, dürfte wohl teilweise mit leichter Verwunderung aufgenommen worden sein. Glücklicherweise sind Pro-Gamer aber auch nur Menschen.

Andere Entscheidungen der Admins kann man jedoch nicht mehr in die Kategorie „Luxusprobleme“ einordnen. Zum einen hatten sich die Veranstalter weder auf ein genaues Punktesystem geeinigt, zum anderen darüber hinaus noch unterschiedliche Entscheidungsmöglichkeiten bei Gleichstand beschlossen. Während bei Counter-Strike also ein Entscheidungsmatch ausgetragen wurde, gaben bei Warcraft 3 die Map-Siege den Ausschlag. Dies kam vor allem dem deutschen Vertreter HasuObs entgegen, der im letzten und wichtigen Entscheidungsspiel gegen seinen Teamkollegen ToD gewann und somit in die Playoffs einzog. Auf der anderen Seite zogen die Admins damit den Zorn des polnischen Spielers TeRRoR auf sich, der zusätzlich beklagt, dass die beiden Teamkollegen erst so spät im Turnierverlauf gegeneinander antreten mussten und somit schon wussten, von welchem Ergebnis beide profitieren würden. Der Pole ist somit trotz drei Siegen draußen und wird morgen nicht mehr ins Geschehen eingreifen können.

Dennoch fällt es schwer, HasuObs und ToD einen Vorwurf ob des Verlaufes zu machen. Einzig die Entscheidung der Organisatoren, TeRRoR gegen ToD auf der Bühne zu zeigen und so den Spielplan neu zu ordnen, sorgte für den eigentlich untragbaren Zustand, dass zwei Clanmates das letzte Spiel der Gruppe bestreiten. Diesen Schuh wird sich die KODE5 wohl oder übel anziehen müssen.

Nicht alles ist schlecht

Man kann an der Veranstaltung wahrlich einiges kritisieren, dennoch muss auch die andere Seite der Medaille beleuchtet werden. Besonders positiv ist dabei die Wahl der Lokalität. So schön „nerdig“ ein kleines Theater vollbepackt mit eSport-Fans auch sein mag, die Hemmschwelle für einen einfachen, weltoffenen Menschen ist doch wesentlich geringer, wenn so ein Turnier in einem Einkaufszentrum ausgetragen wird. Mit Moskau hat man dabei auch einen Glücksgriff gelandet: Das Publikum steht dem eSport sehr wohlgesinnt gegenüber und zeigt, was für ein Potenzial das Land noch hat. Zudem ist Russland schon der für westliche Verhältnisse günstigen Preise wegen für den eSport sehr interessant. Dass hier nur ein Bruchteil der Leute Englisch spricht, ist dabei allerdings ein großer Nachteil. Die Veranstalter haben sich trotz allem jedenfalls viel Mühe gegeben, dem größtenteils eSport-fremden Publikum einiges zu bieten. Lautstark dröhnende Beatbox-Vorführungen wiederum sollte man in Zukunft wohl doch ein wenig weiter weg von den Counter-Strike-Spielern platzieren, um daraus resultierende Pausen zu vermeiden. Man kann eben einfach nicht alles haben.

Zwischen Resignation und Frustration

Die Spieler nehmen die umfangreichen Verzögerungen ansonsten verhältnismäßig locker hin. Man schaut der Konkurrenz über die Schulter, posiert für Fans oder gibt Interviews. Letztlich ist das Event von der Fläche her überschaubar, es finden sich schnell neue Gesprächspartner zum eSport-Smalltalk und gerade der im Untergeschoss untergebrachte Supermarkt sorgt dafür, dass stets gekühlte Getränke und Snacks im Umlauf sind. eSport-Events sind nunmal immer kleine Klassentreffen; Spieler, Manager und Journalisten nutzen die Zeit, um sich auch offline näher kennenzulernen und zu unterhalten. Jeder klagt über Müdigkeit, wie genervt er doch eigentlich von den Verzögerungen sei, doch im Grunde ist die Stimmung sehr entspannt. Man kann es eben nicht ändern und hat sich inzwischen auch daran gewöhnt, dass ein Zeitplan eher ein grober Vorschlag als eine verbindliche Richtschnur ist.

Alles in allem ist KODE5 kein Event, bei dem alles auf Hochglanz poliert ist. Man konzentriert sich auf das Wesentliche – zugegeben, auch da läuft nicht alles rund – und der Rest wird schon irgendwie passen. Der eSport ist hier nicht so professionell wie er sein könnte, aber solange die Teams vor Ort sind, die den Fans und Zuschauern die Matches liefern, die auch den Kenner mit der Zunge schnalzen lassen, wird es Turniere wie KODE5 immer geben. Wer nach Bierernst und striktester Durchführung sucht, der wäre eben doch bei der Militärparade vom Freitag besser aufgehoben gewesen.

  1. #1
    guter artikel.

    bei dem video mouz - hellraiser kann man sich ein gutes bild davon machen, wie laut es dort zugeht.

    Und das mit hasu - tod - terror war ganz klar schiebung ~.~. Das hätten die admins anders entscheiden müssen.
    T33K3SS3LCH3N_14123 #2
    "Letztlich waren die Admins dann aber scheinbar total überfordert, als Deadman eine zehnköpfige Meute in das gesonderte Areal bugsierte, damit diese seine Leistungen auch hautnah mitverfolgen konnte."

    Kann ich mir gut vorstellen, Deadman der Gangster :>

    Mit der Drawregelung:

    Bei CS konnte man ja schonmal nicht nach Maps gehen (klar, weil vom Mapverhältnis die Punkte ja direkt abhängig sind wäre da kein Unterschied) aber wegen der unstimmigkeit, ob man jetzt 30 Runden spielen muss oder nur bis zum Sieg konnte man das Rundenverhältnis ja nicht nehmen und im direkten Vergleich wurde ein Draw gespielt. Also finde ich die Entscheidungen Mapverhältnis für Wc3 und Entscheidungsmap für CS plausibel.
    MuisChakl #3
    n1one artikel @beeemit
    Saturas #4
    ich find die hätten die genauen regeln einfach mal vor dem event festlegen sollen und dann hätte keiner sich beschwert
    essah88 #5
    also laut war es echt :/
    Moetz #6
    organisation ist ja mal sehr schlecht...

    aber n1 geschrieben
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