Es war ein würdiges Halbfinale: mTw.dk, nach einer fehlerlosen Leistung souverän in der Runde der letzten Vier, und SK, der ewige Favorit, der diesmal seiner Rolle mit einem ungefährdeten Sieg über das Überraschungsteam EG.usa weitestgehend gerecht wurde. Nach diesen Begegnungen hieß es dann für beide Teams: Abbauen und ab auf die Bühne. Nach den russischen Teilnehmern, die bereits auf der Bühne ihrem heimischen Publikum vorgeführt wurden, sollten nun die Europäer ein weiteres Mal auf den Präsentierteller.
Die Bühne ist dabei auf diesem Event so, wie sie sein sollte. Zehn große LCD-Fernseher übertragen die InEye-Perspektiven der Spieler, während ein Beamer im Spectator-Modus das Geschehen verfolgt. Zwar ist die Regie mal zu lahm, mal dann wieder zu hektisch, doch durch die auch von hinten gut sichtbaren Fernseher hält sich das Ärgernis in Grenzen. Neben der visuellen Übertragung werden die Spiele auf Russisch kommentiert. Das führte zwar bei Nicht-Russen zu Irritationen, da ja auch russische Teams gegen Europäer und Amerikaner auf der Bühne antraten und der Kommentar so Positionen hätte mitteilen können, doch die Beschwerden blieben aus und es wäre auch schon sehr dreist gewesen, wäre der Wettbewerb in dem Maße verzerrt worden.Die Zuschauerzahl vor der Bühne ist dabei durchgehend hoch, gemessen an dem Raum, der zur Verfügung steht. So verfolgen etwa 200 Fans das Geschehen, sobald es Counter-Strike zu sehen gibt. Warcraft 3 ist dagegen eher eine Randerscheinung und wird von den Fans mehr als Füllprogramm wahrgenommen. So fieberten auch dem Halbfinale zwischen SK und mTw.dk die Fans entgegen, für die der Faktor Nationalität eine überraschend geringe Rolle spielt. Zwar waren bei den Spielen von Virtus.pro die Sympathien von Anfang an klar verteilt, doch ein wirkliches ‚Ausrasten‘, wie es in der Vergangenheit auf Events in China zu beobachten war, blieb aus. Die einzelnen „Virtus.pro, Virtus.pro“-Chöre im Entscheidungsspiel gegen fnatic verstummten recht schnell als deutlich wurde, dass LeX&Co den Schweden im zweiten Spiel kaum gewachsen waren.
Einsatz Alexander Müller-Rodic
So kamen also auch die Dänen und Schweden in den Genuss, vor Publikum spielen zu dürfen. mTw erwischte den besseren Start und konnte die erste Map de_inferno mit 16:05 hoch gewinnen. Die Folge: Katerstimmung im Hause SK und somit keine gute Ausgangsposition, um es auf der zweiten Map noch herumzureißen. Schließlich griff SK-Chef Alexander ‚TheSlasH‘ Müller ein, um auf seine Art das Team wieder aufzubauen. „You will win this map, you will win this game, you will win this tournament!“. Markige Worte von dem Mann, der mit einem Ausschnitt aus „An jedem verdammten Sonntag“ sein Female-Team für das große Finale auf dem ESWC motivierte.„Wenn man das Gefühl hat, dass die Spieler den Glanz in ihren Augen verloren haben, dann muss man alles tun, um ihnen das wiederzugeben.“ sagte Müller nach dem Spiel. „Gerade ein Spieler wie walle, der das Team führen soll, muss an den Sieg glauben.“ Und tatsächlich gelang es SK, auf der zweiten Map das Ruder noch mal rumzureißen: 4:11 lag man als Terror zurück, doch als CT spielte sich SK in einen Rausch. Zum Ende hin wurde trotz der bedrohlichen 14 Runden, die mTw bereits auf dem Konto hatte, jeder Angriff der Dänen souverän abgewehrt und die Bombenplätze wurden zu uneinnehmbaren Festungen. Wäre die Hälfte nicht nach 15 Runde zu Ende gewesen, SK hätte noch den ganzen Abend eine Runde nach der anderen am Stück geholt.
So wurde dann de_train geladen, um die Entscheidung zu suchen. Das Publikum, inzwischen voll von der Spannung der Partie erfasst, bejubelte bereits die Pistolenrunde mit gehöriger Lautstärke. Der Kommentar, der auch ohne Kenntnisse der russischen Sprache problemlos als Auslöser für Applaus ausgemacht werden konnte, tat seinen Teil und heizte die Menge weiter an. Dies versuchten auch die Teams für sich zu nutzen. Besonders SK-Orga merusame, der hinter seinem Team stand, warf immer wieder die Arme in die Luft und forderte nach gewonnenen Runden die Fans auf, SK zu unterstützen. Ähnlich gingen whimp und zonic vor, die ebenfalls um Support buhlten. Grade whimp hielt es kaum auf seinem Stuhl, sobald sein Bildschirm schwarz wurde; ständig versuchte er, mit den Fans zu kommunizieren. „Wenn sich die Zuschauer genauso wie wir über gewonnene Runden und knappe Aktionen freuen, dann bringt einen das weiter nach vorne.“ sagte er nach dem Spiel. „Der Schwung, den man aus einer gewonnenen Runde mitnimmt, verstärkt sich enorm.“
Party mit den Fans
So feierte mTw mit seinen neu gewonnenen Fans Runde um Runde, während bei SK eher die Manager und Orgas den Jubel der Fans aufnahmen. Dies führte zwar nicht dazu, dass die Zuschauer den Support einstellten (es wurde weiter jede schöne Aktion und gewonnene Runde gefeiert), doch es zeigte, dass die Schweden die Unterstützung weniger nutzten, als es die Dänen taten. „Das spielt für mich keine Rolle“, meinte walle nach dem Spiel „ich blende meine Umgebung während eines Matches eigentlich komplett aus und konzentriere mich nur auf mein Spiel.“Natürlich ist es Spekulation, zu behaupten, dass dieser Unterschied in der Einstellung zu Fans und Unterstützer mTw.dk den Sieg bescherte, doch von der Hand zu weisen ist es nicht. Und während der Autor diese Zeilen schreibt, wird mTw.dk gerade von seiner russischen Anhängerschaft zum Sieg auf de_inferno gegen fnatic getragen. mTw-Chef Lars Eiben sollte eventuell bald darüber nachdenken, in Moskau einen Fanshop zu eröffnen.


