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Die WCG auf Schlingerkurs

Es ist ein Eklat aller erster Güte. Als am vergangenen Freitag bekannt wurde, dass mit mousesports und Alternate die wohl besten deutschen Teams aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für Deutschland auf den World Cyber Games im eigenen Land antreten, gab es für die Community kaum noch ein Halten. Der Grundtenor der zahlreichen Kommentare reichte von Enttäuschung über Empörung bis hin zu schlichter Wut.

Als Sündenbock musste vor allem der nationale Lizenznehmer Deutschlands herhalten. Weil sich der letzte Tag der Qualifikation in Deutschland mit dem ESWC Grand Final überschneidet, ist es sowohl mousesports als auch Alternate nicht möglich, der Siegerehrung des WCG National Finals beizuwohnen. Das ist jedoch laut Regeln unausweichliche Voraussetzung für eine Teilnahme an den World Cyber Games.

Harter Kritik ausgesetzt: WCG-Deutschland-Kopf Thomas von Treichel

Harter Kritik ausgesetzt: WCG-Deutschland-Kopf Thomas von Treichel

Diese scheinbare Lappalie erregte viele Gemüter. Nur wegen eines fehlenden Siegerfotos solle man den zwei aussichtsreichsten Kandidaten auf eine Finalteilnahme doch bitte nicht alle Chancen im Voraus verbauen! Aber ganz so einfach ist es nicht. Zugegeben: Über Sinn oder Unsinn einer solchen Regel lässt sich sicherlich streiten. Viele Gründe sprechen dafür, die Teams zur Siegerehrung zu verpflichten. Wie auch Hauptverantwortlicher Thomas von Treichel anführt, sind solche Events nur durch Sponsoren möglich, welche sich auch auf der Siegerehrung noch einmal prominent vor der Presse platzieren wollen.

Welcher Meinung man sich aber auch immer anschließt, die Sinnhaftigkeit der Regelung steht überhaupt nicht zur Debatte, denn sie existiert seit mehreren Jahren. Die Frage ist viel mehr, ob man für zwei bekannte und favorisierte Teams diese Regel umgehen darf. Sicher, den deutschen Chancen bei den World Cyber Games im eigenen Land wäre das wahrscheinlich zuträglich. Für den Veranstalter der WCG ist ein solches Vorgehen jedoch ein fatales Signal in die völlig falsche Richtung.

Eine Ausnahme für einzelne Teams stünde im krassen Widerspruch mit dem sportlichen und gesellschaftlichen Ideal der Gleichberechtigung.

Das deutsche Nationalteam auf den WCG 2007: sportlich nicht legitimiert

Das deutsche Nationalteam auf den WCG 2007: sportlich nicht legitimiert

Es wäre schlicht und ergreifend ungerecht den anderen Teams gegenüber, wenn sich die großen Zwei nicht an dieselben Regeln zu halten hätten. Noch schwerer wiegt jedoch, dass man sich gerade nach dem letzten Finale in Seattle und dem Skandal um die Durchsetzung der Russenduck-Regel in diesem Bereich keine Nachgiebigkeiten mehr leisten kann, wenn nicht auch das letzte Vertrauen in die Kompetenzen des Veranstalters als fähiger Schiedsrichter verloren gehen soll. Die Entscheidung an sich ist somit unglücklich, aber eben auch alternativlos.

Das Kind ist schon viel früher in den Brunnen gefallen. Als 2007 das vielfach kritisierte Nationalteam für die WCG in die Tat umgesetzt wurde, war zunächst ein offenes Casting aus zwanzig potentiellen Mitgliedern geplant. Diese Idee wurde aufgrund erheblichen Drucks der Teams und der Community abgeändert, sodass letztlich fünf Spieler für das Team gesetzt wurden, die auf dem National Final nur noch ein Schaulaufen absolvieren mussten. Eine sportliche Qualifikation hat also letztlich nie stattgefunden.

Wie argumentiert man nun aber überzeugend, dass man letztes Jahr mousesports und Alternate eine bevorzugte Stellung eingeräumt hat, das dieses Jahr aber nicht mehr kann oder will? Es scheint fast so, als würden Regeln und sportliche Ideale vor allem dann für die WCG relevant, wenn Sponsoreninteressen im Spiel sind. In Verbindung mit der äußerst fragwürdigen Verfahrensweise im Fall daimonde und den Vorfällen des letzten Jahres im CS-Turnier ergibt sich so ein sehr willkürliches und opportunistisches Bild der WCG. Geht es um die Auslegung der eigenen Regeln, dreht man sich wie ein Fähnchen im Wind. Das ist der eigentliche Skandal. Und der ist auch mit besserer Absprache zwischen den großen Turnieren oder einer kurzfristigen Lösung für die Teams nicht aus der Welt geschafft.

  1. Jun #1
    "Eine sportliche Qualifikation hat also nie stattgefunden; dem Team fehlte damit jedwede Legitimation."

    und wo ist jetzt der unterschied zur deutschen fußballnationalmannschafft? gut, es gibt noch einen nationaltrainer, aber auch dieser wird doch nur von irgend jemand anderem einfach einberufen...
    yoh #2
    Ist abgeändert, setzt in der Tat den falschen Akzent und ist für das Argument nicht relevant. Danke :) Die wichtige Information dort ist eben, dass es anfangs anders geplant war.
    shboum #3
    Der Unterschied ist, dass du für CS durch die Maps, flashes etc und der Tatsache dass jeder nur seine eigene Sicht sieht (halt seinen Screen), viel mehr Teamplay brauchst.

    Fußballtaktiken sind nicht so Teamplaybedürftig wie CounterStrike - manche Teams brauchen ein halbes Jahr bis sie eingespielt sind. Ein Mix-Team auf eingespielte Topteams loszulassen zahlt sich nur im Glücksfall aus.
    moonylo #4
    Der Unterschied ist eher, dass da Mixteam gegen Mixteam spielt ;) Und nicht Deutschland gegen Manchester.
    onluck #5
    naja kleine bitte an den autor vlt sollte man noch nebenbei erwähnen um auch ganz bei den tatsachen zu bleiben und nicht noch mehr verdreht gegen die wcg zu hetzen...

    ...mousesports würde so oder so nicht teilnehmen, da sie mit einem mixteam spielen würden!!

    also gehts schlussendlich darum aTn oder nicht und dafür ist man schließlich dabei eine lösung zu suchen... aber auch der eswc verhällt sich leicht sturr und erschwert wohl verhandlungen. zu hoffen ist eigentlich nur noch, dass sich zukünftig absprachen zwischen liegen verbessern!
    wannaplayhuman #6
    Dem Artikel gibt es nichts hinzuzufügen.

    Außer vllt. noch den "Vorfall" GoStop vs Sky.
    aRmy777 #7
    WOW. Ein ganzen Artikel zu schreiben, ohne auf das Grundproblem von fehlenden Terminabsprachen einzugehen, ist der Hammer. Was man wirklich braucht ist ein Int. Verband der einen Jahresplan erstellt mit dem alle Leben können.
    ven #8
    Haben #5 und #7 den Artikel gelesen?

    Es geht eben NICHT darum, dass man solche Probleme durch Absprachen vermeiden könnte, sondern dass die WCG ihre eigenen Regeln auslegt wie es ihr passt.
    #9
    Was man jedoch erstmal beweisen muss. Ich habe den Eindruck das Fehlverhalten ein paar weniger Admins wird nun versucht auf die WCG Hauptverantwortlichen zu übertragen, ohne belegbare Argumente zu liefern.

    Der Traum vom weltweit anerkannten eSport braucht Verbände, Absprachen und Sponsoren. Aber auch Fehltritte, Skandale und Regeln. Oder wie soll man daraus lernen, wenn man es nicht einmal falsch gemacht hat und sieht "so geht es scheinbar nicht".

    Bis man geschulte Admins hat, die dem Niveau internationaler Schiedsrichter im Fussball zum Beispiel gleichkommen, brauch es simpel gesagt Zeit und Geld.

    Jedenfalls ist man immer noch in den so oft genannten Kinderschuhen, und wer Kinder hat oder mit denen zu tun hat, der weiß eins:

    Alles wollen sie ausprobieren und lernen aus den Fehlern.
    Right #10
    Naja, damals auf der SEC waren die WCG Orgas ja kooperativ und haben sich mit der ESL wegen EM abgesprochen.

    Finde die grunsätzliche Reaktion der WCG durchaus verständlich. Regeln abzuändern, weil Favoriten-Teams das wollen, wäre letzendlich Willkür und verstößt dann gegen die Gleichbehandlung aller Teams/Spieler.

    Da sie allerdings auch von einem erfolgreichen Abschneiden des deutschen Nationalteams profitieren, könnte ich mir vorstellen, dass sich da noch was dran ändert.

    Die ESWC Leitung sollte aber auch entgegenkommen sein, wenn möglich.
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