Als Command and Conquer 3: Tiberium Wars Ende März 2007 in den Regalen der Einzelhändler stand, war der Hype groß. Die bereits im Vorfeld gut organisierte PR-Kampagne seitens EA, welche hierzulande in Köln auf der C&C Con ihren Höhepunkt fand, konnte das Interesse der Massen auf den neuesten Teil der Kultserie lenken. Das Spiel wurde präsentiert; EA rührte kräftig die Werbetrommel und machte so auf sich aufmerksam. Die vom EA-LAN- und EA-Community-Team organisierte Release-Party bot dem Endverbraucher erstmals die Möglichkeit, das Spiel noch vor Verkaufsstart im Netzwerk zu testen – entsprechend groß war die Resonanz und Nachfrage. Die Verkaufszahlen schossen in die Höhe. Die herrliche Grafik und die neu integrierte Rasse, die Aliens der „Scrin“, sorgten für frischen Wind im eSport-tauglichen RTS-Genre. Auch die Tatsache, dass der ursprüngliche Konflikt zwischen GDI und NOD um das Tiberium – womit die Serie einst startete – wieder Thema sein würde, begeisterte nicht nur alteingesessene Fans.
Als eSport-Titel akzeptiert
Im Prinzip spielt sich Tiberium Wars ähnlich den Vorgängern: Man baut – ansatzweise vergleichbar mit Warcaft 3 – seine Basis auf und sammelt in derer Umgebung Rohstoffe zur Finanzierung seiner Gebäude, Truppen und Forschungen. Grundlegend hat sich allerdings geändert, dass die Errichtung von Mauern, wie schon im Vorgänger, nicht möglich ist; das verleiht dem Spiel eine erhöhte Schnelligkeit und Komplexität. Ähnlich anderer Echtzeit-Strategiespiele kann eine schnelle Expansion zu alternativen Tiberiumfeldern spielentscheidend sein.
Es dauerte also nicht lange – teilweise stand es bereits bei der Veröffentlichung des Spiels fest -, dass sich C&C 3 in diversen Ligen etablieren würde. Eigene Ladders, eine EAS und letztlich sogar eine Supported EPS wurden von der ESL ins Leben gerufen. Ebenso nahmen die WCG und die Clanbase den Titel in ihr Programm auf, was der damals noch großen Community weiteren Ansporn verschaffte. Das Spiel bot viele neue Reize: So ist es möglich als Zuschauer die jeweiligen Taktiken der Spieler dank eines integrierten „Paint-Programms“ zu verdeutlichen; aufgrund des Battle Viewers konnten Begegnungen verfolgt werden, ohne dass das Spiel dazu benötigt wurde. Diese Aspekte führten dazu, dass C&C 3 als eSport-tauglich eingestuft wurde; ehemalige WC3-Akteure äußerten sich positiv und sahen Potenzial in EAs neuestem Werk.
Kurzer Hochpunkt gefolgt von schnellem Fall
Trotz der soweit blumigen Worte muss man sich heute aber eingestehen, dass die C&C-Szene deutlich geschrumpft ist; die Nachfrage zumindest auf nationaler Ebene spürbar nachgelassen hat. Hierfür werden von der Community insbesondere drei Gründe aufgeführt: Eine mangelhafte Patch-Politik seitens EA, der darauf beruhende fehlende taktische Tiefgang sowie die enorme Unausgeglichenheit zwischen den drei Parteien GDI, NOD und den Scrin. Wohl erkannte man die Problematik in Los Angeles, dennoch wurden die geforderten Verbesserungen schlicht zu langsam entwickelt, die Patches zu unreif auf die Server geladen. Erst mit Version 1.09 waren die Spieler, welche Tiberium Wars treu geblieben waren, mit dem Spiel zufrieden – bis hierher hatte es aber bereits Monate gedauert.
Zwar konnte man EA die Anstrengung, das Spiel verbessern zu wollen, sichtlich anmerken; ist es doch in ihrem Interesse, den Titel gut zu vermarkten und am Leben zu erhalten. Allerdings war keine Flexibilität vorhanden, wie man sie beispielsweise von Blizzard gewohnt ist. Viele der größten Kritikpunkte und Bugs hätten nach Meinung der Community schnell mit einem Hotfix behoben werden müssen – wobei man sich das als Spieler zugegebenermaßen unter Umständen etwas zu leicht vorstellen mag. Trotzdem lässt sich zusammenfassend sagen, dass einfach zu viel Zeit verstrichen war, um einen Großteil der Fan-Gemeinde zu halten. Das lässt sich nicht zuletzt mit den drastisch sinkenden Teilnehmerzahlen in der ESL belegen.
Kane’s Wrath: Aufschwung bleibt aus
An diesem Ruf konnte dann auch die Erweiterung „Kane’s Wrath“ kaum mehr rütteln; das Spiel selbst wurde zu wenig gefördert. Obwohl es mit vielen neuen Einheiten und einer eigenen Kampagne aufzutrumpfen versuchte, blieb das Produkt doch eher unberührt in den Ladentheken stehen. Die Macher, die Anfang 2007 noch mit viel Elan bei der Sache waren, präsentierten zwar vorweg Informationen in einer eigenen monatlichen Fernsehserie, der C&C Prime Time, doch eingeschlagen hat die Erweiterung dann doch nicht, geschweige denn die Euphorie des Vorgängers erneut hervorgerufen. Der erwartete Aufschwung, der die Szene zu großen Teilen wiederbeleben sollte, blieb aus.
Hoffnung ist in Sicht
Jetzt hat EA bereits zwei weitere C&C-Titel angekündigt: Den Shooter „Tiberium“ und abermals einen RTS-Titel „Alarmstufe Rot 3“, auf dem das Hauptaugenmerk liegt. Erneut wird das fiktive Szenario aufpoliert; das dritte Reich hätte es in der Art nicht gegeben, was zwangsläufig zum Krieg zwischen den USA und der damaligen UdSSR geführt hat. Erstmals in der Alarmstufe Rot-Reihe mischt dieses Mal auch das Reich der aufgehenden Sonne, China, mit.
Ob sich der dritte Serienteil allerdings länger im eSport behaupten können wird als C&C 3, bleibt abzuwarten. Entwickler scheinen es jedenfalls darauf abgesehen zu haben. Und tatsächlich, das Spiel trumpft wieder mit Innovationen auf: So wird es möglich sein komplette Basen im Wasser zu errichten; die See und somit viele Amphibienfahrzeuge und -truppen stehen vermehrt im Mittelpunkt. Damit ergeben sich völlig neue taktische Möglichkeiten, was vielen ehemaligen Spielern einen enormen Motivationsschub geben sollte. Erfahrene C&C’ler werden sich nun zu Recht Gedanken bezüglich der Balance machen: An genau diesem Punkt feilt EA intensiv. Das vereinfachte – in den Augen mancher vielleicht zu simple – Erntesystem soll dem Spieler zudem mehr Konzentration auf sein Micro-Management verschaffen. Weiterhin bietet das Terrain erstmals wirklich Schutz, dies soll ebenfalls den taktischen Tiefgang fördern. So können auf Hügeln stationierte Einheiten nicht mehr von darunter liegenden Ebenen aus angegriffen werden. Und sogar der Einheitenpool wartet mit vielen Neuheiten auf.
EA hat es in der Hand
Letztlich liegt es wieder einmal an Electronic Arts auf die Kleinigkeiten zu achten, damit nervige Bugs und Probleme an der Balance nicht wieder auftreten. Dennoch ist fraglich, ob Alarmstufe Rot 3 derart einschlagen kann wie Tiberium Wars anfangs und sich dieses Mal auch längerfristig in den Herzen und Ligen etablieren wird. Alarmstufe Rot 1, welches bereits 1996 auf den Markt kam, gilt aufgrund seines simplen, aber motivierenden Spielsystems weithin als bester Teil der kompletten C&C-Reihe. Allein dieser Faktor wird viele Interessenten auf den Plan rufen. Sicherlich werden sich die verschiedenen Ligenveranstalter auch dieses Mal umsehen. Wie viel Potenzial jedoch wirklich vorhanden ist, wird sich wohl zum ersten Mal in der Betaphase erkennen lassen, die diesen Monat startet. Die oben angesprochenen Innovationen und Kreationen bieten aber zweifelsohne viel Spielraum. Bleibt nur noch zu hoffen, dass Kinderkrankheiten nach Möglichkeit im Vorfeld oder anderenfalls schneller ausgemerzt werden, auf dass dieses Mal das eSport-Interesse nicht nach kurzer Zeit wieder abflacht.
(Bilder von tiberiumwars.de)