Die höchste deutsche Liga in Sachen Warcraft III geht in die Jubiläumssaison. In der zehnten Spielzeit wird man allerdings schnell klare Favoriten und deutliche Abstiegskandidaten ausmachen können. Während die Playoff-Teilnehmer auf dem Papier mit Alternate, Raptor-Gaming, n!faculty, NoWAYouT, bioXar und Dharma Initiative bereits im Vorfeld als nahezu sicher gelten, kämpfen die verbleibenden sechs Teams höchstens um den Klassenerhalt.
Zweiklassengesellschaft in der Premier League
Nachdem mit hoorai und PGS Gaming innerhalb von zwei Saisons potentielle Playoff-Kandidaten aus der Premier League ausgestiegen sind und die Fusion von ieS und NoWAYouT einen weiteren Platz in der PL hat frei werden lassen, nehmen nun neben KomaCrew gleich fünf Neuzugänge aus der Clanwar EAS teil. Durch eine Regelung der Clanwar-EAS werden vor allem wieder mehr deutsche Spieler zu sehen sein – 60% des jeweiligen Teams müssen dort deutscher Nationalität sein. Vorbei scheinen die Zeiten in denen man mit nur zwei deutschen Spielern, die man dann in Solo- und 2on2-Spielen einsetzen musste, eine ganze Saison auf hohem Niveau beenden kann. Zuletzt nagten auch die angesprochenen Teams von hoorai und PGS Gaming an dieser Schwäche; während man mit elfittaja, DeMusliM oder Satiini starke ausländische Spieler aufbieten konnte, fehlte schlichtweg das Niveau oder die Zuverlässigkeit innerhalb der deutschen Auswahl.
Immerhin kann die Premier League mit Team Alternate, Raptor-Gaming und NoWAYouT gleich drei WC3L-Teilnehmer bieten. Die Begegnungen dieser Teams werden sicherlich gewohnt knapp und das Interesse auf Seiten der Zuschauer größer als sonst ausfallen, da das Publikum sonst nur aus aktiv Beteiligten der Premier League besteht. Mit Teams wie NgP Gaming oder my revenge kann sich der gemeine Zuschauer hingegen weniger identifizieren – neben der spielerischen Zweiklassengesellschaft wird auch das Interesse von außen stark variieren. Die Rollen sind klar verteilt innerhalb der Online-Saison und auch der Kampf im Tabellenkeller gibt wenig Spannung her.
Es fehlen die internationalen Stars
Wirft man einen Blick in die Bilanz aller Spieler der letzten Premier-League-Saison, wird man unter den erfolgreichen ausländischen Spielern einige Gesichter vermissen. Während Sting, LucifroN und Thorzain noch für ihre Teams auflaufen werden, fehlen unter anderem DeMusliM, LiiLD.C und FuRy aufgrund der Abstinenz PGS‘ und dadurch Spieler, mit denen man sich identifizieren konnte. Doch auch die Probleme der Vergangenheit – sei es die Host-Regelung oder die Beschränkung von nur zwei Einsätzen ausländischer Spieler innerhalb eines Clanwars – führen dazu, dass sich die ESL Premier League weg von der multikulturellen Mischung mit deutscher Basis entwickelt. Viel mehr wird die selbst erklärte Einstellung, man sei eine deutsche Liga mit den besten Konditionen für deutsche Spieler, umgesetzt.Neben den ganz großen Namen fehlt weiterhin auch eine ernsthafte Umsetzung der Host-Regelung. Mittlerweile deklariert das Regelwerk theoretisch eine Fairnessgarantie für die teilnehmenden Spieler – sogar G-Arena soll nun offiziell zum Einsatz kommen -, in der Praxis bleibt die Problematik dieselbe: Wenn ein Spieler sich weigert diesen Kompromis anzuerkennen, kann er immer noch auf einen deutschen Battle.Net-Host bestehen.
Wohin entwickelt sich die Premier League?
Längst hat man aufgegeben, auf einen Status einer Team-EPS angehoben zu werden. Trotzdem versucht die Premier League, das Beste aus ihrer Situation zu machen und sich durch komplette Waaagh!TV-Übertragungen die Gunst der Publikums zu sichern. Doch genau hier erreicht man derzeit das Ziel nicht: Die Akteure der Premier League selbst bilden die größte Interessengruppe. Neben der Berichterstattung durch Fit4Gaming findet die wichtigste deutsche Warcraft-Teamliga kaum Beachtung.
Hinterfragt man erneut den Wert der Premier League, kommt man zu keinem eindeutigem Ergebnis. Während die Anhängerschaft im nationalen Bereich langsam aber stetig wächst und das Medieninteresse steigt, vermisst man weiterhin die internationale Aufmerksamkeit, die einer Liga mit einem Preisgeld von 2.000 Euro zu Teil werden sollte. Der direkte Vergleich zur Warcraft Premier League (WPL) ist verloren.Wohin sich die Premier League in Zukunft entwickeln wird, hängt damit weiterhin von der Intention der Ligaleitung ab. Durch die Regeländerungen zur neuen Saison verhindert man immerhin den direkten Aufstieg eines zu schwachen Teams aus der Clanwar-EAS und gibt auch den gewechselten Spielern eine Chance noch innerhalb der neuen Saison aufzulaufen. Hilfreich wäre nach wie vor eine umfangreichere Berichterstattung durch ESL-Radio und ESL-TV, die immer noch nur sporadisch durchgeführt wird. Die Verantwortlichen haben es selbst in der Hand: Will man seine Zielgruppe vergrößern, dann muss man auch etwas bieten!

