Beweglichkeit, Stärke, Intelligenz – Das sind die drei primären Attribute, die einen Helden in Defense of the Ancients ausmachen. Je nach Ausprägung dieser Attribute passen zu den jeweiligen Charakteren unterschiedliche Rollen: Während sich Helden, die durch viel Agilität ausgezeichnet sind, vermehrt darauf konzentrieren, von außerhalb des Kampfgeschehens möglichst viel Schaden auf den Gegner auszuüben, kommt einem Helden mit besonders vielen Hitpoints, wie in fast jedem teambasierten Spiel, die Rolle des Blockers beziehungsweise des sogenannten „Tanks“ (engl., „Panzer“) zu. Komplettiert wird das Lineup dann zumeist von einem oder mehreren Intelligenz-Helden, die sich aufgrund des großen Mana-Vorrats optimal zur Unterstützung des Teams eignen. Allerdings lassen sich Helden in DotA nicht nur in diese drei Schubladen stecken; das Spektrum der möglichen Spielweisen eines jeden Helden ist groß.
Das Team zum Sieg führen
Er ist der Held der Helden im Team. Seine Ausstattung ist allen anderen überlegen. Durch seine Gegner schnetzelt er regelrecht hindurch; nimmt es auch gern mit mehreren alleine auf. Zu Fall zu bringen ist er nur noch durch viel Geschick und Teamplay. Die Rede ist vom sogenannten „Carry-Hero“ (engl. carrying hero, „tragender Held“). Wird er richtig gespielt und kann er während der ersten zwei Drittel der Partie gute Items erspielen, ist er im Lategame kaum mehr zu besiegen und wird seinem Team mit ziemlicher Sicherheit zum Sieg verhelfen. Doch so nahe er am Ende der Partie auch an die Unbesiegbarkeit herankommt, zu Beginn hat er dennoch seine schwache Phase. Nicht einfach zu handhaben, erfordern diese Heroes viel Erfahrung und Können, um vom gegnerischen Team nicht zu sehr ausgebremst zu werden – das Schlimmste, das passieren kann. Behindert vom Gegner, wird der führende Spieler des Lategames lediglich zu einem weiteren Helden im Team – von Vorteil wird er nicht mehr sein. Um das zu vermeiden, sind Carry-Heroes zumeist auf nur eine Lane (engl., Spur; in DotA: top, bottom und middle lane) oder in den Woods (engl., „Wälder“) bei neutralen Creeps anzutreffen; dadurch wird ein Erfahrungspunkteverlust vermieden, der unter anderem durch gemeinsames Ganken (engl., „auflauern und töten“) von Gegnern entsteht. Als solche Helden sind unter anderen Faceless Void, Soulkeeper, Silencer oder Troll Warlord zu nennen. Mit dem richtigen Equipment und in den richtigen Händen sind es Helden, die nur sehr schwer zu stoppen sind.
Auf der Suche nach Opfern
Auch wenn sie des Öfteren eine niedrigere Levelstufe als ihre Teamkameraden haben, sind sie von enormer Wichtigkeit. Sie streifen über die Map, immer auf der Suche nach potenziellen Opfern – sie sind „Gank-Heroes“. Aufgrund ihrer Fähigkeiten eignen sie sich perfekt, um gegnerische Helden aus dem Nichts zu überraschen und dann entweder alleine oder zusammen mit einem Verbündeten zu besiegen. Damit das funktioniert, müssen diese Ganker allerdings auch mit den richtigen Spells ausgestattet sein. Sie sind meist Stunner (engl. to stun, „betäuben“) wie zum Beispiel die aus dem normalen WC3 bekannte Zauberin, in DotA genannt „Lina“: Sie kann mit einem AoE-Stun (engl. area of effect, AoE: „Flächenwirkung“; ein Zauber, der nicht auf einen einzigen Helden begrenzt ist) ihre Gegner bewegungsunfähig machen und sie anschließend mit zwei Instant-Damage-Spells, „Dragon Slay“ und das starke Ultimate, aus dem Spiel nehmen. Des Weiteren eignet sich die Vengeful Spirit aufgrund ihres Stuns und ihres starken Ultimates, mit dem sie den Platz mit einem Helden tauschen kann, sehr gut für Ganks. Denn dadurch ist es teilweise ein Leichtes den gegnerischen Helden außer Gefecht zu nehmen, hat er doch oft keine Chance, sich aus der Gefahrenzone zu begeben. Diese Gank-Heroes sorgen folglich während des gesamten Spielverlaufs dafür, dass die Gegner nicht zu übermächtig werden. Das wiederum geht aber auch nur, wenn die Kommunikation im Team stimmt und sich die Fähigkeiten der Helden im Gank nicht gegenseitig behindern. Letztlich eignet sich fast jeder Held zum Ganken; mancher jedoch mehr, mancher weniger.
Mittendrin statt nur dabei
In fast jedem Spiel, das im Team auf strategischer Ebene ausgetragen wird und in dem es verschiedene Klassen gibt, ist der „Tank Hero“ nicht wegzudenken. Seine Aufgaben sind einfach: Mit vielen Hitpoints gesegnet und dem Fokus ausschließlich auf der Erhöhung seines Stärke-Wertes, soll er schlicht und ergreifend dafür sorgen angegriffen zu werden. Er fängt den meisten Schaden ab, leitet den Kampf ein und versucht, die höchste Angriffspriorität beim Gegner einzunehmen. Nur so wird es möglich, dass Helden, die sehr viel Schaden austeilen, aber sehr wenig Hitpoints haben, ungehindert ihre Konkurrenten attackieren können und nicht sofort ausgeschaltet werden. So eignen sich vor allem Helden für diese Rolle, die zwar auch austeilen, aber vor allem einstecken können. Prädestiniert für diesen Job sind unter anderen der Centaur Warchief und der Axe; sie können jeweils mit vielen Hitpoints aufwarten, haben mit einem AoE-Stun und Berserker’s Call jeweils einen Spell, durch den der Gegner gehindert wird zu fliehen, sowie mit der Dornenaura und Counter Helix zwei passive Fähigkeiten, die zusätzlichen Schaden verursachen, sobald sie angegriffen werden – perfekt, wenn man mitten auf dem Schlachtfeld steht.
Immer mit Begleitschutz
Zu guter Letzt bleibt die Art von Helden, die man in der Regel nicht alleine antrifft, da sie im Eins-gegen-Eins ihren Gegnern unterlegen sind. Sie weisen meist hohe Intelligenz-Werte auf und sind deshalb sehr auf ihre magischen Fähigkeiten angewiesen, um das Team im Kampf effektiv zu verstärken oder eine Lane zu nach vorn zu bringen. Trotz dieser vermeintlichen Schwäche sind diese Helden ein wichtiger Bestandteil ihres Teams. Sie nehmen in entscheidenden Kämpfen gegnerische Helden mit Hilfe ihrer herausragenden Spells effizient aus dem Spiel und ermöglichen somit eine zwischenzeitliche Überlegenheit des eigenen Teams. Ebenso sieht man an ihnen häufig Support-Items, die den Mitspielern auf viele Weisen hilfreich sein können; auf Schaden wird weniger Wert gelegt. Insbesondere Helden wie der Omniknight oder der Shadow Priest eignen sich sehr gut für diesen Aufgabenbereich. Sie fügen nicht nur Schaden zu, sondern verhindern mit ihren heilenden Fähigkeiten auch, dass ihre Kameraden zu viele Hitpoints verlieren. Außerdem sind der Rhasta und der Warlock zwei Helden, die aufgrund ihrer Ultimates sehr gut eine Lane pushen können, aber auch im Kampf als tatkräftige Unterstützung agieren. Ohne sie ist es meist schwer als Sieger hervorzugehen, da der nötige Ausgleich fehlt und so zu bestimmten Zeitpunkten eine Schwächephase entsteht.
Spezialisierung – eine Seltenheit
Die Mischung macht’s – so viel ist sicher. Gleichzeitig gilt es zu beachten, dass es keine festen Zuordnungen gibt. Nur sehr wenige Helden können mit absoluter Sicherheit einer bestimmten Rolle zugeteilt werden. Oft entscheiden erst die Items, die der jeweilige Spieler für seinen Helden kauft, welche Aufgaben er übernimmt; dieselbe Bedeutung kommt der Spielweise zu. So kann die Mirana, einer der wohl beliebtesten Helden bei DotA, durchaus von Anfang an als Carry-Hero gespielt werden; als Ganker ist sie jedoch nicht weniger effektiv. Im Spiel selbst entwickelt sich demnach die Aufgabe erst im Lauf der Zeit. Es ist schwer von vornherein zu ermitteln, mit welcher Art von Held man es später zu tun haben wird – je früher man es weiß, desto besser. Eine korrekte Einschätzung der Lage ermöglicht eine frühe Reaktion und damit die Vorbereitung eines wirksamen Konters. Doch das Gefühl für diese Antizipation bekommt man erst mit zunehmender Erfahrung.