readmore.de: Die EPS Finals sind mittlerweile zwei Monate her – wie sah seither euer Zeitplan aus? Wann habt ihr wieder angefangen zu trainieren?
Christoph ‚chrizzo‚ Krämer: Wir haben nach den Finals ein bis zwei Wochen Pause eingelegt und ein bisschen EM geschaut. Seitdem spielen wir, hatten aber auch vor kurzem eine Woche Pause wegen des Urlaubs von shiddy und Frigh.
readmore.de: Gerüchte über eventuelle Wechselspiele habt ihr früh aus der Welt geräumt. Wie schwer wiegt dieser Vorteil deiner Meinung nach noch, wenn man gleichzeitig immer wieder hört, dass neu zusammengewürfelte Teams vor Motivation nur so strotzen?
chrizzo: Klar ist es ein Vorteil, wenn man sich neu zusammensetzt und dann den Willen hat, voll anzugreifen. Man darf aber nicht vergessen, dass anfangs noch viele Kinderkrankheiten in einem neuen Team zu besiegen sind, was in einem bestehenden Team meist schon durch Routine abgearbeitet wurde. Bei mir ist das jetzt die erste Saison, in der das der Fall ist, und ich bin damit sehr zufrieden. Man kann direkt an Feinheiten arbeiten und kennt seine Spieler.
readmore.de: Müsst nicht auch ihr in gewisser Weise von vorn beginnen, um nicht zu berechenbar zu sein? Aus dem LAN-Haus in Linden berichtet paN beispielsweise, wie bei Alternate derzeit alle Taktiken und Deckungen neu strukturiert werden.
chrizzo: Von vorn beginnen muss man nicht, weil eine Basis schon gegeben ist und sich gefestigt hat. Auf jeden Fall sollte man sich jedoch neue Taktiken überlegen und an seinem Spiel etwas ändern. Das ist wichtig, da viele Teams sonst einfach Demos der letzten Saison schauen könnten.
readmore.de: Nach dem erfolgreichen vergangenen Halbjahr muss eure Vorbereitung nun nicht mehr nur auf die Pro Series abgestimmt sein, sondern auch auf die internationalen Größen, wie sie auf dem ESWC Grand Final vorzufinden sein werden. Inwiefern wird sich unter diesem Gesichtspunkt euer Training verändern bzw. intensivieren?
chrizzo: Es wird wichtiger werden, früh zu erkennen, wie der Gegner angreift. Ob er zum Beispiel direkt angreift oder mit zwei Angriffswellen und damit einen Spieler noch abzielen lässt oder auf Mapcontrol spielt etc. Hinzu kommt, dass man in einem Turnier eigentlich nur weit kommt, wenn man beständig wenig Fehler macht, was bei uns auf der GameGune beispielsweise nicht der Fall war. Deshalb diskutieren wir momentan gerne ein wenig mehr.
readmore.de: An dem auf der Games Convention stattfindenen WCG National Final wird mousesports, das einzige Team, das euch auf den EPS Finals schlagen konnte, nicht teilnehmen. Seht ihr euch selbst als Topfavorit auf den Turniersieg?
chrizzo: Nein, eigentlich nicht. Wir haben zwar Chancen zu gewinnen, aber aTTaX trainiert sehr hart momentan und auch das ’neue‘ TBH existiert lange genug, um sich kennengelernt zu haben. Insofern wird es sehr schwer werden und wir müssen schauen, dass wir wieder gut in Form kommen.
readmore.de: Das beudetet, dass ihr eurer Form derzeit noch weit hinterherhinkt?
chrizzo: Ein kleines bisschen, das wird aber wieder, wenn wir nun weiter durchkellern.
readmore.de: Unter den Teilnehmern befindet sich auch das Team von hoorai – vergangene Saison noch unter pod zu sehen -, welches auch seit vielen Saisons auf Konstanz setzt. Wie erklärst du dir, dass es für diese eingespielten Jungs bisher dennoch nicht für einen Sprung an die deutsche Spitze gereicht hat?
chrizzo: Schwer zu sagen. Auch sie hatten so ihre Lineup-Wechsel und irgendwie hat wohl immer etwas gefehlt. Ich glaube denen fehlt jemand, der viel Erfahrung besitzt. Aber im Grunde läuft es doch gut bei den Jungs also warum etwas ändern?!
readmore.de: Abgesehen von dem neuen ID Gaming haben alle Teilnehmer des National Finals EPS-Erfahrung vorzuweisen. Haben Teams wie snook oder ESC Gaming dennoch Außenseiterchancen?
chrizzo: Doch auf jeden Fall, aber ich denke nicht, dass sie das komplette Turnier gewinnen können. Man kann immer mal jeden schlagen, aber eine große Leistung danach dann zu bestätigen, ist schon schwieriger. Bei ID hoffe ich einfach nur, dass der Clan sich nicht weiterhin lächerlich macht – wie zuletzt.
readmore.de: Welcher der acht Teilnehmer würde zum jetzigen Zeitpunkt die größten Chancen auf dem WCG Grand Final haben?
chrizzo: Ich glaube, wir hätten gute Chancen, wenn wir weiter an uns arbeiten und besser werden. Außerdem sind die WCG dieses Jahr in Köln und es wäre sicher eine geile Sache da mitzumachen, denn das Vereinsheim ist in Köln und man hätte die Fans vor Ort.
readmore.de: Wie stehst du generell zu der Änderung, dass man nach nur einem Versuch wieder dazu zurückgekommen ist, ein nationales Qualifikationsturnier für die World Cyber Games auszutragen und nicht wieder ein zusammengestelltes Nationalteam zum Finale zu schicken?
chrizzo: Für ein Nationalteam steht natürlich der Teamgedanke und der Vergleich zum Fußball. Aber ich denke, dass gerade ein eingespieltes und erfolgshungriges Team viel mehr erreichen kann als ein zusammengestelltes. Ich finde es gut, dass die WCG wieder ‚allen‘ Teams eine faire Chance gibt, sich zu qualifizieren.
readmore.de: Vielen Dank für das Interview.
