Er hat es wieder geschafft. Moon ist eSports Player of the Year. Warcraft 3 Player of the Year räumt er quasi nebenbei ab. Nach vier Jahren, in denen er immer leer ausging, hat er nun den prestigeträchtigen Award eingeheimst – wurde auch langsam Zeit. Und das, so muss man es einfach sagen, zurecht. Keiner hat im vergangenen eSport-Jahr mehr dominiert als der Koreaner.
Zwischen gut und überirdisch
Dabei hatte es gar nicht so gut angefangen: Auf den WCG 2007 im Oktober musste er sich im Halbfinale Sky glatt mit 0:2 geschlagen geben, und das trotz der Nachtelfenschwäche des Humanspielers. Den dritten Platz ließ sich Moon aber nicht entgehen, gegen Xyligan hatte er die Nase vorn.
Einen Monat später wollte er es besser machen, doch wieder blieb ihm der große Wurf verwehrt. Lyn schlug Moon im Overall Finale, obwohl er aus dem Lower Bracket kam. Zwei gewonnene Best of Threes mit 4:0 Maps markierten den endgültigen Durchbruch des Orcspielers. Und Moon? – Er wartete weiter auf einen großen Titel. Nur ein zweiter Platz, nachdem sich schon alle einig gewesen waren, dass eigentlich nur er das Finale gewinnen kann – Formschwäche? Oder doch nur ein schlechter Tag?Nur ein schlechter Tag, wie er im Januar eindrucksvoll bewies. Nachdem er souverän die CEG Shaoxing gewann, ohne in den Playoffs auch nur eine Map abzugeben, gelang im nicht einmal zwei Wochen später der nächste Sprung an die Spitze. PGL Season II war das Zauberwort. Die gesamte Weltelite, von ToD über Lyn bis hin zu Sky, alle waren sie anwesend. Am Ende grinste Moon auf seinem Siegerfoto in die Kamera und hielt seinen 8.000 Euro Scheck hoch – er hatte es wieder allen gezeigt und sich außerdem bei Sky für die WCG-Halbfinal-Niederlage revanchiert. 3:0 im Overall Finale gegen den Humanspieler untermauerte seinen eindrucksvollen Durchmarsch auf den ersten Platz.
Moon und die Teamligen
Doch danach? – Danach nahm er sich vorerst eine kleine Auszeit. Schon vor der zweiten PGL-Season verzichtete er auf die Teilnahme an der AWL III – zu stressig war das Turnierpensum der letzten Wochen gewesen. Jetzt nach der PGL Season II zog er sich nochmals zurück; sein Team MYM bekam das sofort zu spüren. Die ersten beiden Spiele der dreizehnten WC3L-Saison gegen mouseports und BET verlor man 2:3 und 1:4. Es zeigte sich, dass Moon zwar in Teamligen nicht immer so gut wie auf Einzelturnieren spielt, es ohne ihn aber auch nicht rund läuft.
Als er am fünften Spieltag wieder einstieg, gewann er sein Match gegen Reign 2:0; Like ließ er am nächsten Spieltag ebenfalls keine Chance. Die Clanwars verlor man trotzdem. Lucifer und Susiria steckten in einem Formtief. Das war wohl auch der Grund, warum am neunten Spieltag plötzlich der feuchte Traum eines jeden Warcraft-3-Fans wahr wurde: Moon und Grubby als 2on2-Team im Clanwar gegen hoorai.
Das anfangs als „Experiment“ betitelte Zweier-Team mauserte sich schnell zum Prunkstück. Es entstand eine ähnliche Konstellation wie noch zu glorreichen 4K-Zeiten: Zwei Spieler gewannen im Alleingang den Clanwar. Grubby und Moon, schnell zum Dreamteam hochgejubelt, dominierten fast alle ihre 1on1s und 2on2s. Am Ende stand MYM auf den WC3L-Finals endlich ganz oben. Und Moon hatte bewiesen, dass auf ihn dann doch Verlass ist. Vergessen die Zeiten, zu denen er mit Lucifer mehr schlecht als recht Mass Hunts spielte und am Ende zum Goldlieferant verkam.Auch das wird ein Grund gewesen sein, warum er am Samstag die Auszeichnung eSports Player of the Year verliehen bekam. Nicht nur, dass er in fast jedem Turnier, an dem er teilnahm, oben dabei war (die oben genannten sind übrigens nicht alle, bei denen er auf dem Treppchen stand), er lernte nochmals dazu. Endlich konnte er mit MYM auch als Team große Erfolge feiern, nicht nur im 1on1 oder in der NGL ONE. Moon hatte sich offenbar ein Ziel gesetzt: Seine in Interviews immer wiederholten Aussagen, er wolle auch in den Teamwettbewerben alles geben, bewahrheiteten sich letztlich, als schon keiner mehr dran glauben wollte. Mit seiner Form verhält es sich ähnlich: Gerade wenn die ersten Votes bei Spielen gegen ihn sprechen, schwingt er sich wieder zu Höchstleistungen auf. Moon ist eben immer für eine Überraschung gut. Auch im nächsten Jahr. Vor allem und ganz besonders nach dem ESWC der letzten Tage, durch dessen Ausgang man ihn als überholt ansehen mag.

