Rolf Platschka, Gründer & Inhaber von ESC Gaming, hat sich zum Ende des Jahres für ein ausführliches, zweiteiliges Interview mit readmore.de bereit erklärt. Im heutigen 1. Teil spricht er darüber, wie er GoOdy dazu bewegte, doch nicht die Maus an den Nagel zu hängen und über die zuletzt turbulenten Entwicklungen im SC2-Team. Ebenso verrät er, was hinter dem Umzug des Electronic Sports Centers nach Köln steckt und wie weit die Dota 2-Planungen bei ESC sind.
Hallo Rolf. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um mit uns über den eSports und ESC Gaming zu sprechen.Rolf Platschka: Nicht dafür. Ich finde es sehr nett, dass ihr mich kontaktiert habt.
In letzter Zeit gab es viel Wirbel um euer StarCraft 2-Team. Sowohl GoOdy als auch monchi hatten das Team verlassen und Daisy verblieb als einziger Spieler. Kurz nach dem GoOdy seinen Austritt aus dem Team verkündete, gab er bekannt, dass er wieder für ESC Gaming spielen wird. Wie kam es zu dieser misslichen Situation?
Behandeln wir zuerst unseren GoOdy – Sascha Lupp den Panzergeneral: Sascha war einfach müde und ausgelaugt vom Spielen sowie enttäuscht über die Preisgeldpolitik der Ligen, da er permanent seinen Geldern hinterherrennen musste und teilweise sehr unfreundlich abgefertigt wurde. Ich habe versucht, ihm in dieser Angelegenheit zu helfen, indem ich Druck auf verschiedenen Events auf die Veranstalter ausübte. Mündliche Zusagen wurden nicht eingehalten, was den Grund hatte, dass er sich aus der EPS zurückzog und dort nicht mehr spielen wird. Ich traf mich dann mit Sascha in Krefeld und wir fanden gemeinsam eine Lösung, dass er neue Motivation finden konnte und die Maus nicht an den Nagel hängte.
Nun zu monchi: Hier liegen die Fehler zum größten Teil bei uns. Es gab einige Unstimmigkeiten, die ich hier nicht öffentlich beantworten werde. Aber ich kann so viel dazu sagen, dass wir es versäumt haben, hier näher auf die Wünsche von Philipp einzugehen und diese ordentlich zu behandeln. Auch dies sei mal gesagt: Eine Organisation kann nicht immer die Wünsche der Spieler komplett erfüllen. Man muss sich auf die gesamte Teamarbeit konzentrieren und dann passieren eben Fehler, die wir aber bereinigen werden, sodass Philipp keinen Schaden erleidet. Wir wünschen ihm bei seinem neuen Team weiterhin viel Erfolg und haben für den Wechsel absolutes Verständnis!
Wirft man einen Blick auf die aktuelle Aufstellung seitens ESC Gaming, so sind GoOdy und Daisy die letzten verbleibenden Spieler in eurem StarCraft 2 Team. Sind für die Zukunft weitere Verpflichtungen geplant oder liegt der Fokus voll und ganz auf den beiden Spielern?
Natürlich kann ein GoOdy nicht damit zufrieden sein, dass wir nur zwei Spieler im Bereich StarCraft II haben. Von daher haben wir dort Handlungsbedarf und arbeiten bereits daran, weitere Spieler, die zu uns passen, zu verpflichten. Wir hoffen, dass wir eventuell im Dezember schon die ersten Spieler verpflichten und somit auch offiziell bekannt geben können.
Wenn man dem Facebook-Profil von Daisy glauben darf, wohnt er nun in Köln und nicht mehr in Berlin. Wie kam es zu dem Umzug nach Köln?
Daisy wohnte ab Mai diesen Jahres bei unserem StarCraft II-Manager Viper, dem ich hiermit auch noch meinen größten Respekt aussprechen möchte, dass er das in seiner Wohnung hat realisieren können und Daisy sehr freundlich aufgenommen hat. Nun lebt er in Köln und das genaue „Warum?“ erfahrt ihr in den nächsten Wochen von uns.Mit dem Release eurer neuen Webseiten ist es auch kein Geheimnis mehr, dass das Electronic Sports Center im Taunusstein nicht mehr geöffnet hat. Nun seid ihr aus dem Taunusstein in das in der Nähe von Köln liegende Pulheim umgezogen. Welchen Mehrwert versprichst du dir von dem neuen Standort? Welche Vorteile bietet dir die neue Location?
Wenn ich hier den Mehrwert erklären würde, dann hätte ich keine News mehr für die Community, wenn wir hier fertig sind in Köln. (lacht)
Aber es gibt aber mehrere Gründe, warum der Wechsel nach Köln geschah. Zum einen lebt meine Familie hier und ich war es ehrlich gesagt satt, permanent zwischen Job und Familie zu pendeln und viel Zeit auf der Autobahn zu verbringen. Das mache ich ja schon einige Jahre mit. Bevor wir nach Taunusstein gingen, waren wir ja in Berlin und irgendwann hat man einfach die Nase voll aus dem Koffer zu leben; zumal ich ja auch noch die Offline-Events mit bereise, um dort die Teams vor Ort zu betreuen. Ein weiterer wichtiger Grund für uns war die Entwicklung im Spielebereich und damit auch den neuen Möglichkeiten Mehrwerte zu schaffen.
In Taunusstein gab es keine Möglichkeit unsere Internetleitungen zu verbessern. Diese Möglichkeit habe ich in Köln an dem Standort Pulheim, wo wir Streaming der Teams mit einbinden können, was in Taunusstein nicht möglich gewesen wäre. Aber der eSport allgemein wächst schnell und verändert sich schnell, somit mussten wir hier reagieren um nicht den Anschluss zu verlieren.
Mit dem ICY BOX Electronic Sports Center warst du einer der ersten in Deutschland, wenn nicht sogar einer der ersten im eSport, der ein professionelles Bootcamp Center für Jedermann eröffnet hat. Ihr seid von Teltow nach Berlin und Taunusstein gezogen und hattet für kurze Zeit als einziges Bootcamp Center zwei Standorte zu vertreten. Nun habt ihr mit dem Standort in Pulheim nur noch ein Center. Welche Ziele strebst du noch mit dem ICY BOX Electronic Sports Center an?
Ja, wir waren wohl die ersten, die diesen Zweig eröffneten und bis heute ausbauen sowie weiter daran festhalten. Der Standort Taunusstein ergab sich damals durch die Leitungsabhängigkeit der damaligen Spiele, wie z.B. Counter-Strike 1.6: Hier musste eine absolut gute Leitung vorliegen, damit man dem Kunden auch etwas ordentliches bieten konnte. Die Nähe zum Rechenzentrum Frankfurt war mit ausschlaggebend für den Standort gewesen. Im Center hatten wir einen Ping von 5 bis 9ms und einen verdammt guten Upload, der das Training zum Genuss machte – für uns und unsere Gäste. Es kam natürlich auch der erhöhte Standard gegenüber Teltow dazu: Funktionierende Heizung, ein Teppichboden sowie eigene Badezimmer. (lacht)
Wir haben viele nette Gäste in Taunusstein beherbergt, die auch immer wieder gerne ein zweites oder drittes Mal bei uns buchten. Es hat viel Spaß gemacht, gemeinsam mit den Teams die Wochenenden zu erleben und über den eSports oder andere Themen zu reden. Auch einfach nur zu Pokern oder im Garten zu Grillen, hat immer viel Spaß gemacht. Der neue Standort wird natürlich vom Standard noch besser werden, da auch wir uns gegenüber Ansprüche stellen, die die Überschrift trägt: Wo können wir uns verbessern? Ein ständiger Prozess, der nicht angehalten werden darf.
Neben den bekannten Titeln wie Counter-Strike, StarCraft 2 oder League of Legends, beherbergt ESC Gaming nun auch ein Call of Duty sowie Shootmania Team. Beide haben im eSports noch keinen wirklich großen Stellenwert. Welche Erwartungen stellt ihr an diese Titel?
Grundsätzlich stellen wir keine Ansprüche. Wir denken hier, dass wir damit ein wenig Communityarbeit leisten können und das auch möchten. Nadeo kam mit Shootmania vor der GamesCom auf uns zu und fragte uns, ob wir das Spiel auf der Messe unterstützen würden und wir ein Team aufbauen können. Diese Aufgabe wollten wir gerne übernehmen und haben somit unser derzeitiges Team aufgebaut. Wir stehen im ständigen Kontakt mit Nadeo und können so auch an der Entwicklung des Spieles etwas beitragen, sodass das Spiel sich allgemein verbessert.
Bei Call of Duty haben wir immer wieder einige Bewerbungen im Briefkasten gehabt und dachten uns: Ok, nun wird es mal Zeit, hier ein wenig mehr zu machen. Wir wollen der Community zeigen, dass eine Organisation auch dieses Game unterstützt und mit nach außen präsentieren möchte.
Was aus beiden Spielen wird, wird sich zeigen. Das war uns aber schon vorher bewusst und somit stellten wir auch keinerlei Ansprüche.
Wird es in Zukunft noch weitere Titel geben? Eventuell ein Dota 2-Team?
Auch Dota 2 ist natürlich ein Thema im Hause ESC ICY BOX, aber dort muss sich der Spielermarkt meiner Meinung nach noch finden. Die Teams sind dort für uns noch viel zu unbeständig und wechseln zu oft. Dadurch, dass sich eines der teilnehmenden Dota 2-Teams, ca. zwei Monate in Taunusstein, auf das Turnier in Seattle (Anm. d. Red.: The International 2) vorbereitet hatte, haben wir viele Informationen erhalten. Die Gespräche am Frühstückstisch oder beim Grillen haben uns dabei geholfen, die Entscheidung zu erleichtern, wann wir am Besten in den Dota 2-Markt einsteigen sollten und mit welchen Spielern. Aber auch daran wird momentan fleißig gearbeitet.
Hast du aktuell noch Projekte in der Planung, über die du uns etwas verraten möchtest?
Ja, habe ich. Aber werde nichts verraten. Wo bleibt denn da die Spannung, wenn alles schon vorab preisgegeben wird? (lacht)

