Unter all den Männern im Starcraft 2-Turnier hat sich auch eine weibliche Teilnehmerin eingeschlichen. Die Rede ist von Madeleine ‚MaddeLisk‘ Leander, welche für Millenium spielt. Zudem ist sie als Casterin für Esport SM in Einsatz. Trotzdem nahm sich die sympathische Schwedin kurz die Zeit, mit readmore.de über das Turnier und ihre Karriere zu sprechen.
readmore.de: Lass uns ein wenig über den gestrigen Tag sprechen. Du hattest es in der Gruppenphase unter anderem mit SortOf und TargA zu tun und bist letztendlich als Dritte der Gruppe ausgeschieden. Warst du dennoch mit deinen Leistungen zufrieden?
Madeleine ‚MaddeLisk‘ Leander: Ehrlich gesagt bin ich über meine Resultate schon ein wenig enttäuscht. Ich dachte, dass ich besser spielen würde, da ich ziemlich viel ZvZ trainiert habe und eigentlich recht zufrieden mit den Ergebnissen war. Aber ich wurde ziemlich nervös, als es in die Gruppenphase ging und ich habe einige Fehler gemacht, die mich die Spiele gekostet haben.
Hatte deine Nervosität unter Umständen etwas mit den äußerlichen Umständen wie Lautstärke oder Belichtung zu tun, oder hattest du einfach nur einen schlechten Tag?Nein, nein das war nicht das Problem. Es ist so, dass ich jedes Offlineevent nervös bin, weil es für mich ungewohnt ist, dass mir so viele Menschen über die Schulter schauen. Dazu noch die ganzen Streams und das Drumherum. Das macht mich alles noch etwas verrückt, aber ich arbeite daran. Trotzdem werde ich auch in Zukunft weiter versuchen, an Turnieren teilzunehmen um Erfahrung zu sammeln.
Auch wenn das Turnier noch recht jung ist, konntest du schon einen Favoriten ausmachen?
Lee Seung ‚Life‘ Hyun spielt momentan richtig stark und ich glaube, dass er das Turnier durchaus gewinnen kann. Die Art, wie er hier auftritt und vor allem das Spiel gegen Choi Yun ‚TheStC‘ Sik, welchen er total zerstört hat, haben gezeigt, dass er auf jeden Fall der Topfavorit ist.
Und wie läuft es aus Teamsicht? Wie schlagen sich deine Kollegen so?
Antoine ‚Dayshi‘ Stievenart schlägt sich sehr gut bisher und ich könnte mir gut vorstellen, dass er weit in diesem Turnier kommen kann. Zumindest hoffe ich es und fiebere mit ihm mit.
Du hast in jüngerer Vergangenheit bereits das Ein oder Andere Femaleturnier gewinnen können und nimmst regelmäßig an normalen Turnieren teil. Wie groß schätzt du die Skilldifferenz zwischen der weiblichen und der männlichen SC2-Szene ein?
Ich würde sagen, dass die Skillunterschiede schon recht groß sind. Es gibt einfach nicht allzu viele Frauen in der SC2-Szene und ich glaube, es gab noch nie ein Mädel unter den europäischen Top 200. Außerdem glaube ich, dass Frauen einfach nicht die Akzeptanz bekommen, wenn es um das Gaming geht. Viele Frauen bringen einfach nicht die Leidenschaft für das Gaming auf, oder können sich nicht dauerhaft motivieren. Ich, zum Beispiel, arbeite noch neben meiner Gamingkarriere und so wird es für mich ziemlich schwer, zu denen aufzuschließen, die Vollzeit spielen. Daher wird es auch noch länger diese große Lücke zwischen den Gamerinnen und ihren männlichen Kollegen geben.
Du sprachst eben schon von der Akzeptanz der Femaleszene. Hast du selber schon mal feststellen können, dass man dich benachteiligt, oder dass es für dich schwerer ist, Trainingspartner zu finden, weil du als Frau in einer männerdominierten Szene Fuß fassen willst?
Nein. Ich muss sagen, dass alle Spieler mit denen ich bisher sowohl Offline als auch Online zu tun hatte, wirklich nett zu mir waren. Ich hatte diesbezüglich keine Probleme und mir ist auch kein Fall bekannt, wo eine Spielerin benachteiligt wurde. Vielleicht sind alle gerade weil ich eine von wenigen Frauen in der Szene bin, so nett zu mir.
In der Szene macht eine Geschichte die Runde, dass du daran arbeitest, Greg ‚IdrA‘ Fields im Bankdrücken zu schlagen. Wie kam es zu dieser Wette?Das war eher scherzhaft gemeint. Ich treibe in meiner Freizeit viel Sport, unter anderem eben auch Fitness und ich habe irgendwann mal ein paar Videos von IdrA gesehen, wie er Gewichte stemmt und ich dachte mir: „Mensch, ich bin recht nah dran“. Aber wie gesagt, es war einfach nur ein Witz, der die Runde gemacht hat. Momentan komme ich allerdings nicht mehr so oft dazu, viel Sport zu machen, da ich meine Freizeit nutze, um zu trainieren und mich zu verbessern
Außerdem hast du einen Werbespot für Coca-Cola gedreht. Wie kam dieses Projekt zu Stande?
Das war einfach nur eine lustige Aktion. Sie fragten mich, ob ich Interesse hätte, in dem Spot mitzuwirken und ich habe spontan zugesagt. Das Ganze war sehr professionell und hat Rießenspaß gemacht. Ich weiß auch gar nicht, wie sie auf mich gekommen sind. Ich hab eines Tages eine E-Mail im Postfach gehabt und ein Paar Telefonate geführt und so kam es zu dem Spot.
Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Wirst du noch lange spielen und weißt du schon, was du nach dem Gaming machen möchtest?
Ich werde solange spielen, wie es mir Spaß macht und ich Lust habe. Aktuell liebe ich es wirklich zu spielen. Daher werde ich auch diesen Sommer noch in das Milleniumhaus ziehen, um von dort aus zu trainieren. Ich werde einige Wochen dort verbringen und freue mich schon sehr auf diese Zeit.
readmore.de bedankt sich recht herzlich für das Interview.

