Die gestrige Nachricht über die 250.000 USD schwere DreamHack Winter war ein Wachrütteln für die eingefahrene Szene und ein erhobener Mittelfinger in Richtung aller Hasser und Miesmacher. Doch das erste große Major-Event in CS:GO muss nun diesem Titel auch gerecht werden. Dafür gilt es einige Anpassungen vorzunehmen. Ein Kommentar von Tom ‚bumbum‘ Gürke.
Endlich sechsstellig
Der Dank gebührt uns allen, ganz speziell aber all jenen, die sich im Waffenskins-Rausch einen eSport-Key erstanden haben. Teile dieser Erlöse, welche weit über den ausgelobten 250.000 liegen dürften, fließen in diesem Winter in die gleichnamige DreamHack Ausgabe ein.
Diese Viertelmillion katapultiert CS:GO wieder in die obersten Ränge des Preisgeldkampfes zwischen den eSport-Disziplinen, wodurch es hoffentlich über seine bisherige Reichweite hinaus Beachtung finden wird.
Was erwartet uns also Ende November in Jönköping? Nun, das bis dato prestigeträchtigste Turnier der CS-Geschichte. Dass diese Premiere in Schweden, quasi dem CS-Blüteland, stattfindet, ist dabei fast eine Selbstverständlichkeit. Das Event gilt seit jeher als gut organisierte etablierte Veranstaltung, welches mit seiner Nähe zum Casualbereich eine ganz besondere Atmosphäre versprüht. Über die Größe des Turniers kann man bisher nur spekulieren. Gerade einmal drei Teams stehen zum jetzigen Zeitpunkt fest, namentlich NiP, n!faculty und Lemondogs. Während NiP als Titelverteidiger (Sieger der DH Summer 2013) ins Rennen geht, haben der deutsche Verein und die Zitronenhunde ihren Startplatz auf je einem DreamHack-Stop (Valencia und Bukarest) dieses Jahr ergattert.
Angemessene Größe
Darüber hinaus ist wenig bis gar nichts bekannt. Und darin liegen meine Sorgen. Auf den letzten beiden DreamHacks standen insgesamt 16 Teams im Wettbewerb zueinander. Angesichts des vergleichsweise niedrigen Preisgeldes mag das in Ordnung sein, einem Viertelmillionen Dollar-Turnier würde diese Anzahl aber nicht gerecht werden. Eine Verdoppelung wäre hier wünschenswert. Inwiefern die Teams eingeladen werden, sich qualifizieren müssen, oder über den lokalen BYOC-Qualifier ins Turnier rutschen, ist erst einmal nebensächlich. Ein so großes Preisgeld bedarf vieler anwesender Teams. Niemand will nur NiP und den europäischen Einheitsbrei sehen. Dieses Turnier ist die optimale Chance, auch etliche ambitionierte Spieler von anderen Kontinenten nach Schweden zu locken.
Reisekostenunterstützung?
Womit wir beim nächsten Problem wären. Das „MSI Beat it! 2013“ dieses Jahr glänzt in der Struktur mit einem ganz entscheidenden Punkt: Alle für das Finale zuvor online qualifizierten Teams erhalten die Reisekosten nach Shanghai bezahlt. So wird garantiert, dass auch finanzschwache – und das sind nahezu alle weltweit – Clans nach Fernost reisen können.
Daher ist es umso wichtiger, auch für die DreamHack eine Reisekostenunterstützung festzusetzen, um wirklich jedem qualifizierten Team dieser Erde den Kampf um diesen großen Preisgeldpott zu ermöglichen.
Angemessenes TurniersystemUm in die Preisgeldränge zu gelangen, bedarf es zuvor natürlich eines Turnierverlaufs. Nur wie soll der aussehen? So bewahre mich bitte das Fliegende Spaghettimonster davor, dass das System vom Sommer wieder zur Anwendung kommt. Nicht falsch verstehen, das GSL-System in der Gruppenphase ist super. Der mich störende Punkt ist die nur eine zu spielende Map, die über Ausscheiden oder Weiterkommen entscheidet. Auch ein Single-Elimination-Bracket in den Playoffs wäre hier nicht angebracht. Wünschenswert wäre, wenn das System der Copenhagen Games angewendet wird. Das besagt eine normale Jeder-gegen-Jeden Gruppenphase im Best-of-Three, anschließend ein Double-Elimination-Bracket mit der Besonderheit, dass im oberen Baum max. drei, im unteren nur eine Map gespielt wird.
Zeitlich sollte das Format allemal umsetzbar sein, hat man schließlich volle vier Tage Zeit, das Turnier auszuspielen. Der erste Tag würde wie immer dem BYOC-Qualifier zugeteilt. Die Veranstalter haben außerdem Narrenfreiheit in den Elmia Messehallen. Keiner hat von außen die Hand auf dem Strom- u. Lichtschalter, wenn es mal spät werden sollte.
Endlich Topniveau!Neben all meinen Kritikpunkten gibt es natürlich auch positive Aspekte. Am meisten darf sich der geneigte CS-Fan auf ein Turnier auf allerhöchstem Niveau freuen. Jedes Topteam wird alles daran setzen, so vorbereitet zu sein, wie noch nie. Alle müssen am 29. November in ihrer besten Verfassung sein, sonst heißt es „Auf Wiedersehen!“ und die Geldbörse bleibt leer.
Eines der Teams, die in der CS-Geschichte zu den sog. Majors immer auf den Punkt genau in Topform waren, sind die Polen von ESC Gaming. Neo, TaZ und pasha werden alle Kräfte mobilisieren, um ihren beiden neuen Schützlingen das Kellern beizubringen, ganz gleich welche polnischen Spieler die Ehre haben werden, mit den drei Legenden zu spielen.
Druck für NiPGenau das ist es auch, was NiP dieses Jahr zum Straucheln bringen könnte. Was wäre das für eine Geschichte, wenn gerade NiP das größte aller CS-Turniere nicht gewinnt? Nachdem man über ein Jahr lang quasi alles abgeräumt hat? Ein unvorstellbares Szenario, dennoch nicht unwahrscheinlich. Die Teams hinter NiP rücken ohnehin seit Wochen näher aneinander und nehmen den Schweden hier und da Maps ab. Sollte ihnen ihr größter Fauxpas in ihrer Geschichte auf der DH Winter passieren, hätte das sicher weitreichende Konsequenzen innerhalb des Teams. Der Druck lastet allein auf ihren Schultern. Andere sind nur Anwärter, die NiP vom Thron stürzen wollen. Das ist bekanntlich einfacher, als für immer darauf sitzen zu bleiben.
Generalprobe?
Wer weiß, vielleicht ist die DreamHack Winter 2013 auch eine Art Generalprobe für Valve. Sollte diese glücken, so steht eventuell einem „The International“ für CS:GO nichts mehr im Wege. Das ist aber nur Zukunftsmusik. Jetzt gilt es erst mal, sich auf das traumhafte Event im Winter zu freuen. Wir haben allen Grund dazu.


