Die US-Amerikaner sind die große Überraschung auf der DreamHack Winter. Nachdem compLexity VeryGames in der Gruppenphase schlagen konnte, spielten sie sich ihren Weg bis ins Halbfinale. Dort treffen sie nachher auf fnatic. readmore.de sprach mit dem Ansager des Teams, Sean ’sgares‘ Gares, gestern nach der Gruppenphase über ihre Vorbereitung auf das Turnier. Außerdem übt er Kritik an der ESEA und offenbart seine Änderungswünsche am Spiel.
readmore.de: Ihr solltet letzte Woche in China auf den MSI Beat it! Finals spielen, aber aufgrund von Visaproblemen konntet ihr nicht anreisen. Was ist die Story dahinter?Jordan, besser bekannt als n0thing, hatte ein paar Visaprobleme. Vereinfacht gesagt war sein Reisepass voll und er hat es nicht geschafft, sich rechtzeitig um einen neuen zu kümmern. Da er das Visa erst beantragen hätte können, nachdem der neue Pass bei ihm angekommen ist, ging ihm am Ende die Zeit aus, die Situation zu lösen. Es wäre möglich gewesen eine Lösung zu finden, aber das hätte uns tausende Dollar gekostet. Also haben wir abgewogen, was besser wäre und uns letztendlich dazu entschlossen, ein Bootcamp in Schweden durchzuführen um uns ideal auf die DreamHack vorzubereiten.
Also habt ihr sogar das Bootcamp dem Turnier bevorzugt?
Am Ende war es die beste Entscheidung ins Bootcamp zu gehen. Nach dem ESWC wurden wir auf dem Rückflug alle krank. Mit unserer Entscheidung gegen China und für das Bootcamp konnten wir dann zwei weitere lange Flüge umgehen und sind nun sehr glücklich damit, dass wir uns für das Bootcamp anstatt die Reise entschieden haben.
Wie lang ging das Bootcamp?
Wir waren sieben Tage in Stockholm, aber gespielt haben wir nur an sechs Tagen. Im Grunde war es eine Woche an denen wir 12 Stunden pro Tag gespielt und uns auf die DreamHack vorbereitet haben. Auch wenn wir zwischendurch die Location gewechselt haben, war es eine gute Vorbereitung.
Im letzten Spiel der Gruppenphase habt ihr euch ziemlich unerwartet gegen VeryGames durchgesetzt und zuvor n!faculty geschlagen. Kannst du mir etwas über eure Matches erzählen?
Unser erstes Match haben wir gegen n!faculty gespielt und dieses unerwartet deutlich gewonnen. Eigentlich gingen wir davon aus, dass es deutlich schwieriger wird. Sie haben sich unter der Flagge von Western Wolves eine entsprechende Reputation mit gutem Teamplay, guten Taktiken, guter Durchführung erspielt. Also wussten wir, dass es für uns eine neue Herausforderung wird, denn sie spielen ganz anders als die Teams in Amerika. Im Bootcamp haben wir dann versucht, gegen Teams zu spielen, die einen ähnlichen Stil haben wie sie, um uns ideal auf das Match vorzubereiten. Aber das war nicht so einfach, denn es gibt kaum jemanden, der ihren Stil pflegt. Wir haben trotzdem versucht uns so gut wie möglich vorbereitet.
Das nächste Match mussten wir dann gegen VeryGames bestreiten. Natürlich wussten wir, wie sie spielen, denn wenn du die großen Turniere verfolgst, dann siehst du sie ja immer wieder. Außerdem haben wir uns ein paar Demos angeguckt. Also habe ich versucht Taktiken vorzugeben, die in der Vergangenheit gegen sie funktioniert haben. Wir hatten dann die Chance ein paar Runden am Ende zu gewinnen, in denen sie uns quasi dazu eingeladen hatten, weswegen wir wohl auch letztendlich gewonnen haben. Als CT haben wir es zuerst nicht so richtig hinbekommen, haben ein paar Spieler früh in der Banane oder in der Mitte verloren. Das sind ein paar Sachen, über die wir heute Nacht noch mal sprechen müssen.
Du als Ansager: Wie gehst du ein Match, oder die einzelnen Runden an?
Das hängt ganz davon ab, gegen welches Team wir spielen, welchen Vibe sie versprühen. Ob sie normalerweise aggressiv spielen, oder eher passiv auf ihre Gegner warten, ob sie viel verschieben und ob sie regelmäßige Timings haben. Und wenn unsere Erwartungen sich nicht mit dem Spielverlauf decken, dann spielen wir unseren Standardaufbau und versuchen aufgrund ihrer Reaktion darauf Rückschlüsse auf ihr aktuelles Spiel zu schließen. Aber manchmal haben wir auch noch gar keine festen Taktiken, wenn wir den Spawn verlassen und entscheiden uns dann spontan wie wir auf ihre Aufstellung reagieren. Auf jeden Fall ist die Situation sehr herausfordernd. Wenn wir ein Spiel verlieren, dann ist es meine Schuld, wenn wir gewinnen ist es der Erfolg von allen. Aber so ist es eben und damit kann ich schon umgehen. Es ist nervenaufreibend, aber trotzdem spaßig.
Bevorzugst du her einen aggressiven oder einen zurückhaltenden Spielstil?
Ich mag eine Mischung aus beidem. Nach dem ESCW hab ich festgestellt, dass unser CT-Spiel zu passiv war. Das haben wir jetzt ein wenig geändert und auch VeryGames dadurch geschockt, dass wir die Banane so aggressiv gespielt haben. Damit haben wir sie auf dem falschen Fuß erwischt, denn nachdem sie unsere Demos geguckt haben, gingen sie davon aus, dass wir weiterhin passiv spielen. Also ändere ich hier und da etwas, gerade da wir wissen, dass Teams wie VeryGames regelmäßig Demos schauen. Und so können wir sie immer wieder überraschen.
Das zweite US-Team hier ist iBUYPOWER, wie stark schätzt du diese ein?Eigentlich sind sie ein fantastisches Team, weswegen es schwer zu verstehen ist, warum sie so früh ausgeschieden sind. Ich habe sie im Inferno Online die letzten Tagen ein wenig verfolgt und sie haben Gegner rechts und links umgeschossen. Die einzige Niederlage an die ich mich erinnern kann, war gegen mousesports, die es ja dann gestern nicht mal durch das BYOC geschafft haben. Ich weiß nicht, was dort passiert ist und warum sie dann die zwei Spiele verloren haben. Aber so ist es eben bei Counter-Strike manchmal. Auf einem Turnier schießt du einen Gegner einfach um, beim nächsten Cup siehst du auf einmal keine Schnitte. Das einzige was du tun kannst, ist dich so gut wie möglich vorbereiten und auf das beste hoffen. Ich denke es war nicht das letzte Mal, dass wir iBUYPOWER gesehen haben und ich erwarte, dass sie stark zurückkommen. Ich kenne vor allem Sam (DaZeD) sehr gut, beim letzten ESWC war er in meinem Team. Er hat die richtige Einstellung zum Spiel. Ich weiß einfach nicht, was da passiert ist. Wir konnten die Spiele selbst nicht sehen, da wir dort noch im Zug saßen.
Was macht euch als Team stärker als iBUYPOWER?
Das kann ich so genau nicht sagen. Ich glaube wir sind ein sehr harmonisches Lineup, daran haben wir auch im Bootcamp noch einmal gearbeitet. Vor allem daran, nach einer internen Auseinandersetzung weiter stabil zu spielen. Ich glaube, dass die amerikanischen Teams damit die meisten Probleme haben. Sobald du einen Fehler ansprichst, werden die Spieler normalerweise sehr defensiv, versuchen sofort sich zu verteidigen und zeigen mit den Finger auf ihre Mitspieler, anstatt sich tatsächlich mit der Situation auseinander zu setzen. Als wir ins Bootcamp gegangen sind, hatten sowohl n0thing als auch ich das auf unserer Agenda als etwas, woran wir arbeiten wollten. Und wir konnten eine Menge der Probleme die wir als Team hatten glattbügeln und während wir schon gute Freunde vor dem Bootcamp waren, sind wir jetzt auch eine gute Einheit.
Ihr habt das Finale eures eigenen Turniers gegen iBUYPOWER verloren. War euch das unangenehm?Das war auf jeden Fall kein gutes Gefühl. Wir wollten es eigentlich unbedingt gewinnen, aber direkt nach dem ESWC ging es uns einfach nicht besonders gut, auch wenn das nicht als Ausrede herhalten soll. Dazu kamen noch ein paar PC-Probleme. Irgendwann konnten wir sie dann nicht mehr aufhalten. Wir haben sie auf der ersten Map noch dominiert. Jedes entscheidende Aufeinandertreffen haben wir danach verloren. Jedes 3on3, jedes 2on2, sogar 4on2 zu deren Gunsten. Wir sind auf den Spot gekommen, aber den haben sie immer wieder zurückgewonnen. Es war zum Haare raufen. Das war dann ein weiterer Fokus für unser Bootcamp, wo wir dann daran gearbeitet haben, die Runden tatsächlich zu zumachen. Wir haben uns viel darüber unterhalten warum wir diese Runden verloren haben, haben es analysiert und dann versucht zu beheben.
Glaubt ihr, dass ihr online schwächer seid?
Ich glaube das Problem mit der aktuellen ESEA Saison ist unsere Vorbereitung auf die Offline Events. Bereits als wir zum ESWC gefahren sind, wussten wir, dass wir aufgrund der DreamHack und des MSI Beat it Turniers kein de_cache und de_season spielen werden. Diese Entscheidung hatten wir getroffen. Also haben wir die Maps gar nicht erst trainiert. Und das Format der ESEA macht es uns dann natürlich schwierig ein Team zu schlagen, welches eine ganze Woche lang nur diese Map trainiert hat. Wir sind weiter unsere Maps durchgegangen, haben alle fünf Maps trainiert, während die anderen amerikanischen Teams nur de_cache trainieren. Ich glaube das ist einer der Gründe, warum Amerika so weit hinter Europa zurückliegt.
Wenn wir gerade über Maps sprechen: Was denkst du über die Valve de_train Version im Vergleich zur Volcano Version?
Ich bin mir nicht ganz sicher. Eigentlich interessiert mich die Version von Valve nicht, aber auf der anderen Seite sieht die Version von Volcano nicht aus wie eine CS:GO Map, sondern wie ein Haufen Mist. Ich glaube die Map könnte ganz gut werden, wenn entweder Valve sie übernimmt, oder jemand der Ahnung von grafischer Gestaltung hat sie überarbeitet. Aktuell kommt man vom Regen in die Traufe und man kann sich nur dafür entscheiden, welche Map einem weniger schlecht gefällt.
Welche Probleme siehst du in der Valve-Map?
Ich mag es nicht, dass man als Angreifer die Brownwalls so leicht einnehmen und damit das Rotieren verhindern kann. Außerdem kannst du nicht unter den Zügen durchschauen, ob jemand Mitte rauskommt, also haben die Terrors einen einfachen Weg dorthin was wir in Amerika „Hell“ (Anm. d. Red.: mTw) nennen. Es wirkt auf jeden Fall so, als ob die Maps zu Gunsten der Angreifer umgebaut wurde.
Ist es dann nicht ein Problem, dass ESEA entschieden hat die VE-Version zu verwenden? Würde ein weltweiter standardisierter Mappool nicht alles vereinfachen?
Da stimme ich dir hundertprozentig zu. Es gibt einige Entscheidungen der ESEA, die ich nicht nachvollziehen kann. Es fängt schon damit an, dass Invite Player nicht in Best-of-Threes spielen und es geht damit weiter, dass die Maprotation so veraltet ist und wir nur eine Map pro Woche trainieren. Aber auf der anderen Seite bin ich auch extrem dankbar für alles was sie bisher getan haben. Ohne Torbull und Ipkane wären wir nicht dort, wo wir jetzt sind. Ohne sie würden wir vielleicht nicht mal Counter-Strike spielen, denn wir hätten keine Server auf denen wir spielen können. Es fällt mir also schwer sie zu kritisieren, denn sie ändern so viel zum Guten, aber es gibt definitiv ein paar Sachen die sie noch einmal neu bewerten sollten, wenn sie ihre nächsten Schritte festlegen.
Du hast gesagt, dass es einen Randomfaktor in CS:GO gibt. Was ist in deinen Augen zu stark dem Zufall geschuldet?
Es ist vielleicht einfach der Umstand, dass es immer noch ziemlich neu ist. Du siehst ein Team spielen und manchmal ist ein Spieler einfach asynchron mit den anderen vier Spielern. Am Ende von Counter-Strike 1.6 hast du dich einfach zurückgelehnt und zugeschaut. Es war wie Kunst. Jeder wusste was er zu tun hat, wie man sich als Team bewegt, welche Rolle man in diesem Team zu erfüllen hat, inwieweit man sich an etwas halten musste, oder ob man diese Grenzen auch mal überschreiten konnte. Im Gegensatz dazu ist CS:GO so ein schnelles, chaotisches Spiel. Alle laufen durch die Gegend, rennen durch die viel dichteren Smokes und hoffen auf gut Glück, dass hinter der Ecke noch niemand steht. Und dann sind da ja noch die P250 Second Rounds. Die bringen uns manchmal total aus dem Konzept. Als Ansager ist es einfach frustrierend, diese Runden zu verlieren. Und über die Sparrunden möchte ich gar nicht erst sprechen. Wir verlieren eine Anti-Eco nach der anderen. Wir gehen in ein neues Turnier, haben etwas verändert und verlieren trotzdem eine Anti-Eco nach der nächsten. Das ist manchmal schon schwierig.
Ganz im Ernst, ich glaube CS:GO ist ein gutes Spiel geworden und sie haben es immer weiter verbessert. Und ich bin wirklich gespannt was die Zukunft für CS:GO noch so bereithält. Aber hin und wieder ist es zurzeit noch schwierig für mich.
Welche Änderungen möchtest du im Spiel sehen?
Man sollte sich wohl die Smokes noch einmal angucken und auch die Sache mit dem Radar, auf dem du Leute im LAN so schnell sehen kannst, sollte geändert werden. Ich habe es satt, in Smokes umgeschossen zu werden. Beim Movement kann man sicher auch noch Verbesserungen vornehmen. In 1.6 war ich immer der Meinung, die volle Kontrolle über meine Figur zu haben. In CS:GO fühlt es sich manchmal so an, als ob man auf Schlittschuhen unterwegs ist. Dann und wann hat man auch noch den Eindruck, dass deine Gegner mit 100 Meilen pro Stunde um die Ecke kommen, was natürlich keinen Sinn macht. Also ich denke das Movement könnte noch eine kleine Überarbeitung gebrauchen. Aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden, wie das Spiel sich momentan anfühlt. Und Valve hat auf jeden Fall einen guten Job gemacht, das Spiel zu bewerben, mit all den Skins, den Turnieren, den Updates für GOTV. All das ist fantastisch geworden.
Was denkst du über euer nächstes Match gegen Astana Dragons?Gegen Astana haben wir ein paar Maps trainiert und bemerkt, dass sie sehr selbstbewusst spielen. Genauso wie NiP nutzen sie sehr viele Kreuz-Deckungen, viel Teamwork, weniger ausführende Taktiken. Sie zielen von so vielen Winkeln gleichzeitig ab und bringen quasi den CS 1.6 Aspekt in das Spiel. Sie verstehen es einfach so gut, wenn Spieler X das abzielt, muss Spieler Y von diesem Winkel zielen, um eine perfekte Kreuzfeuerdeckung zu kreieren. In diese Situationen darfst du nicht geraten und musst wissen, wie man diese vermeidet.
Ich glaube wir können gegen jeden gewinnen, ohne dass das jetzt großkotzig klingen soll. Ich kenne meine Jungs jetzt schon so lange und habe sehr viel Vertrauen in sie. Wir können natürlich auch prinzipiell gegen jeden verlieren, siehe die laufende ESEA Season, können aber genauso jeden schlagen, wie NiP auf den Finals.
Was hält die Zukunft für compLexity bereit?
Ich hoffe auf deutlich mehr Turniere. Ich kenne Valve, ich bin mir sicher, dass dort noch einiges kommen wird. Leider habe ich keine Details erfahren, da sie sehr verschlossen sind, aber ich bin da sehr zuversichtlich. Das wichtigste für uns ist, dass wir als Team zusammen bleiben. Als nächstes sind die ESEA LAN im Januar. Im März stehen dann die Copenhagen Games vor der Tür, wo wir mal schauen müssen, ob wir dafür wieder nach Europa kommen können.
Seid ihr eigentlich Profis? Was macht ihr neben CS:GO noch?Viele von uns gehen nebenbei noch zur Schule oder in die Universität. Ich bin kurz davor meinen Master abzuschließen, Jordan ist auf dem College, Spencer fängt jetzt an, semphis macht zwar gerade eine Pause, arbeitet aber normalerweise und swag geht noch zur Highschool. Er ist der jüngste von uns.
Momentan wollen wir immer von Sonntag bis Donnerstag trainieren. Am Sonntag, Montag und Mittwoch arbeiten wir an unseren Taktiken und am Dienstag und Donnerstag spielen wir einfach gegen andere. Aber da ich an diesen beiden Tagen so spät aus der Uni komme, geht es gar nicht anders. Insgesamt spielen wir wohl nicht so viel wie wir spielen sollten, aber gerade deswegen hat das Bootcamp wohl so viel geholfen. Wir haben niemals so viel zusammengespielt wie in den letzten Tagen und das hat uns wirklich sehr geholfen.
Dann drücke ich dir die Daumen, dass ihr es hier noch lange zeigen könnt und vielen Dank für das Interview.




