Ein Team bekam auf der DreamHack Winter 2013 nicht viel Beachtung geschenkt, obwohl sie die weiteste Reise auf sich nahmen. Aus Australien reiste Vox Eminor nach Jönköping, um sich dort am BYOC-Qualifier zu versuchen. Trotz des gescheiterten Unterfangens nahm readmore.de sich zwei der Spieler zu Seite, um mehr über die Australier zu erfahren.
readmore.de: Vergangene Woche wart ihr in Peking zu den MSI Beat it! Finals und heute steht ihr hier in Jönköping. Wie lange seid ihr jetzt schon unterwegs?
Aaron ‚AZR‘ Ward: Wir sind am 16. November von Australien nach Peking geflogen. Dort waren wir bis zum 25. November und sind dann von dort aus hierher gekommen.
Habt ihr hier noch ein Bootcamp eingelegt?
AZR: Ja, aber nur zwei Tage lang hier direkt in Jönköping.
Wie war das Turnier in China?
AZR: Es war ziemlich gut. Wir haben uns da gut geschlagen.
Azad ‚topguN‘ Orami: Wir sind in die Top4 gekommen, haben aber gegen alle europäischen Teams verloren. Dennoch ist es für uns eine gute Leistung, weil wir noch relativ unerfahren sind und den Wettbewerb brauchen. Davon bekommen wir in Australien nicht so viel. Alles in allem war der Trip ein Erfolg, auch wenn wir hier natürlich eher als erwartet raus geflogen sind.
Habt ihr in Peking damit gerechnet, unter den besten Vier abzuschließen?
AZR: Unser Hauptziel dort war, es aus der Gruppe zu schaffen. Alles was danach kam war Zusatz. Es war eine tolle Erfahrung.
Im Spiel um Platz 3 habt ihr euch ein knappes Match gegen SK geliefert. Glaubst du, ihr hättet das auch gewinnen können?AZR: Hätten wir ein paar Fehler nicht begangen, wären wir vielleicht näher ran gekommen. Sie sind ein gutes Team und haben gegen uns gut gespielt. Wir hätten es wahrscheinlich gewinnen können.
topguN: Das hätten wir auch jeden Fall. Aber da spielen eine Menge Wenns und Abers rein. Sie sind das erfahrenere Team, haben hochkarätigere Spieler und das haben sie an dem Tag auch gezeigt. Wir bereuen es nicht, sie nicht geschlagen zu haben. Aber wer weiß, unter anderen Umständen hätten wir vielleicht gewinnen können.
War das Turnier in China euer erster internationaler Auftritt?
topguN: Für das Team ja, für mich persönlich nein. Ich habe damals in der CGS gespielt und somit auch internationale Turniererfahrung. Für den Großteil unseres Teams war es aber das erste internationale Auftreten. Gerade für unser Jüngling hier, AZR. Er hat sich vielleicht sogar am Besten von uns allen verkauft.
Du warst also ein professioneller CS:S-Spieler…
topguN: Ja damals, als ich noch jünger war, besser aussah und in besserer Form war. Es waren gute Zeiten. (lacht)
Vermisst du CS:S?
topguN: Nicht wirklich. Klar das Spiel hat mir viele Wege geöffnet. Was es mir mit der CGS gebracht hat, das weiß ich natürlich zu schätzen. Aber ich glaube, CS:GO ist das bessere Spiel. Es macht mehr Spaß und es scheint, dass es mehr und mehr wächst.
AZR: Besonders hier das Turnier auf der DreamHack. Die leisten großartige Arbeit für die CS-Szene.
Habt ihr einen Jetlag verspürt, nachdem ihr hier angekommen seid?
AZR: Oh ja, definitiv. Die ersten zwei Tage waren wir verdammt müde. Bereits nach zwei Stunden Training waren wir total fertig.
Habt ihr in China etwas im Spiel oder außerhalb gelernt?
topguN: Zum einen haben wir in China gelernt, unsere Persönlichkeiten zu respektieren. Zum anderen lernten wir, mit dem Druck umzugehen. Das hat uns stärker gemacht, was wir hier gern unter Beweis gestellt hätten. In Australien bekommen wir nie die Chance gegen ein VeryGames, fnatic oder SK zu spielen. Daraus haben wir definitiv was gelernt und ich kann es kaum erwarten, wieder nach Hause zurückzukehren, um im Training unsere Erkenntnisse umzusetzen.
Kommen wir zur DreamHack an sich. Wir verlief der BYOC-Qualifier aus eurer Sicht?
AZR: Wir haben einen sehr guten Start erwischt und konnten unsere Gruppe als Erster abschließen. Das erste Match in den Playoffs gewannen wir auch. Dann kam Xapso, gegen die wir 16:11 verloren haben. Aus meiner Sicht hätten wir das auf jeden Fall gewinnen können. Wir haben beide Pistols verloren, worin wir ohnehin sehr schlecht sind. Dennoch haben sie uns geschlagen und sie waren an diesem Tag das bessere Team. Es ist blöd gelaufen.
In Halle D war es ziemlich laut. Hat euch das beeinflusst?
AZR: topguN und ich konnten unsere Mikrofone gar nicht benutzen, da die sonst einfach die Musik aus dem Hintergrund wiedergegeben hätten. Das war scheiße, aber was will man machen. Es ist eine LAN. Da muss man sich anpassen.
Wie konntet ihr ohne Sprachkommunikation als Team sinnvoll zusammen spielen?
AZR: Das war schwer, wir mussten schreien.
topguN: Wir mussten uns buchstäblich gegenseitig anbrüllen, ohne ein Mikrofon zu benutzen. Das wäre für die Leute, die um uns herum standen merkwürdig gewesen, wenn die nicht wüssten, warum ein paar große Jungs sich die Seele aus dem Leib schreien, um die Musik zu übertönen. Aber es war eine Erfahrung und wir könnten nach Ausreden suchen, warum wir verloren haben und es darauf schieben, aber wir wissen, dass wir auch trotz dieser Umstände hätten gewinnen können. Das bessere Team hat an diesem Tag einfach gewonnen.
Wie habt ihr den gestrigen und den heutigen Tag verbracht?topguN: Gestern war für mich ein sehr erfreulicher Tag. Die Jungs kamen zur DreamHack zurück, wohingegen ich den gesamten Tag mit meinem Vater verbrachte, um Shoppen zu gehen und etwas zu essen zu kaufen. Mein Vater wohnt in Schweden und ich konnte somit die Reise direkt mit einem Besuch verknüpfen, um ihn zu sehen, während er in Schweden ist. Es war die reinste Freude. Wir gingen in ein „Systembolaget“, was wir einen Flaschenladen nennen, wo sie Alkohol verkaufen und haben dort eine Flasche Wodka vernichtet. Deswegen hatte ich gestern meinen Spaß und ich bereue nicht, so früh aufgestanden zu sein. (lacht)
Also ist dein Vater ein Schwede oder warum lebt er hier?
topguN: Er ist australischer Bürger, der in Stockholm lebt. Er ist jetzt seit sechs Monaten hier oben und ist schon ein Einheimischer, wenn man es so will.
Ist das ganze Team bei ihm untergekommen?
topguN: Nein, er lebt ja in Stockholm, das wäre zu weit weg von hier. Er lebt dort wie auf einer Farm. Es ist wunderschön da. Er hat Kühe, Hirsche und Pferde als Nachbarn. Es ist ein ziemlich romantischer Ort, um die Freundin oder Frau mit hin zunehmen. Aber auch bei fünf Jungs mit hohem Testosteronspiegel, die eine Weile keine Frau gesehen haben, würde das durchaus romantische Gefühle auslösen. (beide lachen durchgehend)
Denkst du darüber nach hier her zuziehen?
topguN: Das wäre wie ein Traum. Wenn es zu finanzieren wäre, dann definitiv. Über das Wetter hier Gutes zu sagen, wäre zwar eine Beleidigung für manche, aber ich werde die Hitze so langsam satt. Ich mag die Kälte, die Luft ist auch viel sauberer. Viel mehr möchte ich dazu nicht sagen, meine Verlobte bekommt davon vielleicht noch Wind. (lacht)
Okay, kommen wir wieder aufs Spiel zu sprechen. Was denkt ihr, woran es euch momentan im Spiel mangelt?
topguN: Im Spiel ehrlich gesagt vermutlich nur an Erfahrung, bzw. die Fähigkeit, sich an bessere Teams anzupassen. Das können wir in Australien nicht lernen. Wenn du ständig das beste Team im Turnier oder in einer Liga bist, ist es schwer, sich zu verbessern. Das ist unser derzeitiges Problem. Aber wenn wir Konkurrenz hätten, die besser ist als wir, was bei vielen der Teams hier der Fall ist, dann wären wir in der Lage zu lernen, uns anzupassen, besseres Gameplay zu entwickeln und besseres Verständnis für das Spiel der Topteams aufzubringen. Dann wären die Möglichkeiten für uns grenzenlos. Unglücklicherweise haben wir diese Bedingungen nicht, aber nichtsdestotrotz sind wir letzten Endes stolz darauf sagen zu können, dass wir wahrscheinlich das beste Team in Asien sind und das alleine ist eine Leistung für uns, auf die wir definitiv stolz sind.
Wenn wir über E-Sport in Australien reden, wie ist die Szene dort? Gibt es viele CS:GO Teams?
AZR: Es gibt schon einige Teams. Es gibt ca. 90 angemeldete Mannschaften in der CyberGamer Liga, aber darunter auch viele aus der unteren Klasse. Was nervt ist, dass viele der Top Teams im Vorfeld von den Events nicht gegen uns trainieren wollten. Aber man tut was man kann.
Wie sieht es mit Training bei euch aus? Könnt ihr nur innerhalb Australiens trainieren oder ist der Ping nach Asien in Ordnung?
topguN: Nein, nicht wirklich. Vor der MSI Beat it! spielten wir gegen ein paar asiatische Teams und das hat funktioniert. Gegen manche Teams war die Verbindung schlecht, da hatten manche von uns einen Ping von bis zu 300. Das war trotzdem kein Problem für uns. Es ging nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern nur ums Training und andere Spielstile kennenzulernen.
AZR: Es ist immer besonders wichtig für uns, gegen andere Teams mit verschiedenen Spielstilen zu spielen. Darum geht es.
Wie sieht die Gesellschaft in Australien den eSport?
topguN: Australien hat 20 Millionen Einwohner, die isoliert vom Rest der Welt leben. Es ist eine große Sportnation, aber eSport spielt dabei kaum eine Rolle. Es gibt nicht ausreichend finanzielle Mittel und damit auch keinen wirklichen Raum für Wachstum. Es ist mehr wie ein Hobby, ein Zeitvertreib, im Gegensatz zu Europa, wo der eSport am wachsen ist und eine größere Rolle einnimmt. Europa ist ein großer Kontinent und deshalb verstehen wir auch, warum es in Australien schwieriger ist, den eSport zu etablieren. Wir hoffen, dass sich die Technologie so weit entwickelt, dass es bessere Verbindungen geben wird. Dann würde unsere Region auch mehr Aufmerksamkeit bekommen und man würde sehen, wie viel Potential hier steckt.
Gibt es in Australien mehrere professionelle Clans oder seid nur ihr die einzige professionelle Organisation? Seid ihr überhaupt ein professionelle Organisation?
topguN: Ja, sind wir definitiv.
AZR: Das hängt davon ab, wie du professionell definierst.
Werdet ihr bezahlt?
AZR: Nein, werden wir nicht.
Aber die Reise wurde bezahlt?
AZR: Ja, die wurde bezahlt.
topguN: Semiprofessionell wäre wohl der korrekte Ausdruck. Für das sind wir auch sehr dankbar. Was die Organisationen angeht, da gibt es schon ein paar große, die hauptsächliche in LoL aktiv sind oder Immunity zum Beispiel. Es ist also nichts neues hier. Es ist die geografische Lage, die es schwierig macht, mit dem Rest der Welt mitzuhalten.
Was sind eure Pläne für die Zukunft?
topguN: Ehrlich gesagt, das umsetzen, was wir aus dem Trip gelernt haben. Auch wenn wir es hier nicht weit gebracht haben, so hoffe ich, dass wir unseren Namen gerade auch in China gut repräsentiert haben. Irgendjemand, irgendwo sieht nun hoffentlich das Potential in uns.
AZR: Hoffentlich finden wir weitere Sponsoren, so dass wir wiederkommen können, um gegen die besten Teams der Welt spielen zu können. Denn es ist nicht billig hier her zu reisen. Das sind einfach fantastische Erfahrungen, die wir sammeln, und die möchte ich nicht missen.
topguN: Nicht nur um gegen sie zu spielen, sondern um uns miteinander zu messen. Wir werden weiter die Möglichkeit nutzen, um viel zu spielen. Wir werden zeigen, dass wir das beste Team in Asien sind, dann kommen auch die Sponsoren. Natürlich ist das ein Traum von uns, aber wir sind definitiv gut genug.
Vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt. Es war mir ein Vergnügen.

