Kein Team stand öfter in den Schlagzeilen aufgrund finanzschwacher Organisationen, die ihnen das Leben im eSport schwer machten. Die Rede ist von den Golden Five, deren Kern zusammen mit den beiden Neuzugängen aus 2013 Paweł ‚byali‘ Bieliński und Janusz ‚Snax‘ Pogorzelski jetzt im russischen Virtus.pro Unterkunft fanden. readmore.de hatte die Gelegenheit, mit CS-Urgestein Wiktor ‚TaZ‘ Wojtas über die aktuelle Situation und Zukunft zu sprechen.
readmore.de: Der Großteil der internationalen Community ist sichtlich froh, dass dein Team eine vielversprechende Organisation gefunden hat, nachdem ihr bekanntermaßen lange Probleme in der Hinsicht hattet. Wie fühlst du dich momentan?
Wiktor ‚TaZ‘ Wojtas: Es ist eine riesige Erleichterung. Wir hatten eine lange harte Zeit. Ich denke, dass ich nicht lügen würde, wenn ich sage, dass dieses Team eine große Ausdauer seit Beginn zeigt. Während des gesamten letzten Jahres 2013 hatten wir eine harte Zeit in den jeweiligen Organisationen. Für uns ist es jetzt eine Art Neuanfang mit zwei wirklich hoffnungsvollen, jungen, siegeshungrigen und talentierten Spielern. An dieser Stelle möchte ich auch Virtus.pro für ihr Vertrauen danken, das sie uns letzten Endes schenkten. (lächelt)
Prestigeträchtige Lineups spielten in der langjährigen Geschichte VPs unter dessen Namen. Auch in CS:GO konnten diese Erfolge feiern, wie z. B. das Bescheren der ersten Offline-Niederlage für NiP auf den SLTV StarSeries Finals. Spürt ihr dadurch einen besonderen Druck, den ihr beispielsweise bei den Universal Soldiers nicht erfahren habt?
Ich werde absolut ehrlich sein. Für mich ist die Niederlage NiPs kein großer Erfolg, also fühle ich dadurch keinen Druck. Die Leute können sich wirklich nicht vorstellen, mit welchem Druck wir bei Universal Soldiers oder in unserer ganzen Karriere fertig werden mussten. Also Virtus.pro beizutreten, wird nicht mehr Druck als sonst erzeugen. Auch wenn VP hohe Erwartungen an ihre Spieler knüpfen, wir strebten immer nach diesen Zielen und mit ihrer Unterstützung ist es jetzt Zeit, zu gewinnen.
Polnisches Team – russische Organisation. Eher ungewöhnlich. Deshalb waren Viele über diesen Zusammenschluss überrascht. Wie kam dieser zustande?Beide Seiten waren bereit zu verhandeln und sprachen miteinander. Wir halten nichts von Barrieren aufgrund der Nationalitäten. Ich glaube der eSport hat diese Barriere gebrochen.
Eine weitere Ungewöhnlichkeit ist, dass ihr mit Christian ‚PsYcHo‘ Lenz einen deutschen Manager habt, der euch zuvor bei ESC Gaming bereits betreut hat und zuletzt Teil der Vereinsleitung von n!faculty war. Was ist die Geschichte hinter dem?
Haha, jetzt wird es wirklich verrückt, richtig? Polnisches Team, deutscher Manager in einer russischen Organisation. Wir kennen Christian seit unserem Beitritt ESC Gamings in 2011. Selbst als wir in verschiedenen Organisationen waren, blieben wir in Kontakt. Er war immer ein guter Freund und wir genossen seine Gesellschaft. Er ist eine sehr positive Person mit einer Menge Leidenschaft. Jedes hochklassige Team braucht jemanden mit großem Spirit und ich fühle, dass Christian eine Tonne an positiver Energie mitbringt. Natürlich hilft er uns mit der Organisation von Reisen, Servern, Interviews etc. Dinge, zu denen Spieler neigen, sie zu vergessen!
Die organisatorischen Pfeiler scheinen gesetzt zu sein. In einem Interview mit readmore.de im Oktober 2013 sagtest du, dass die Stimmung im Team mit byali und Snax perfekt sei, keiner ausrastet, wenn etwas nicht funktioniert und du immer jemanden an deiner Seite hast, mit dem du gerne spielst. Würdest du das heute noch unterzeichnen?
Nichts hat sich geändert. Ich genieße es immer noch, mit diesen Jungs zu spielen – ich denke, jetzt mehr als vorher. Momentan bedeutet dies weniger Probleme, keine Kämpfe. Wenn wir das beibehalten, sehen wir einer strahlenden Zukunft entgegen.
Was waren dann die Hauptgründe deiner Meinung nach, dass euer einziger Erfolg die SLTV StarSeries VIII waren?
Es ist schwierig zu erklären. Das Team war jung und wir hatten ein paar Komplikationen mit unseren Organisationen und im Privatleben, um die wir uns kümmern mussten. Unser erstes internationales Event war die EMS One. Wir erreichten den 3. bis 4. Platz, nachdem wir gegen VeryGames mit 0:2 verloren (auf der ersten Map in der Nachspielzeit). Es war nicht perfekt, aber es war ein Anfang. Die nächste LAN war Techlabs in Moskau. Wir kamen aus dem Winner Bracket ins große Finale und trafen auf Astana. Eine Nacht zuvor erhielten wir die Information, dass das Spiel im Best-Of-Three ausgespielt wird und wir keinen Vorteil zugesprochen bekommen. Wir gewannen die erste Map, verloren die nächsten beiden. Es fühlte sich also an, als wurden wir beraubt! Auch wenn wir auf den zwei Maps vernichtet wurden, wussten wir, dass es in vielen Bereichen Raum für Verbesserungen gibt.Als Nächstes kam die DreamHack. Gut, es war unmöglich für uns, Leistung zu zeigen. Wir hatten eine wirklich verrückte Zeit mit Organisationen. Was noch erwähnenswert ist, dass wir zwei Mal de_inferno spielten und wir zwei Mal unter unseren Möglichkeiten blieben. Es war auch mangelnder Recherche zu Schulden. Stell dir mein Gesicht vor, als ich im Allstar-Spiel die Jungs fragte, ob wir Mirage spielen und kennyS etwas wie das Folgende sagte: „Was zum Teufel, ich habe Mirage noch nie gespielt.“ Und ja, gegen Recursive eliminierten wir Mirage. (lacht) Es fühlt sich einfach an, als würden wir mit jedem Event besser werden, aber wir müssen weiterhin an den kleinen Dingen arbeiten, besser recherchieren und ich hoffe, dass wir uns für die EMS One Katowice qualifizieren und unser erstes gutes Bootcamp absolvieren. (lacht)
Eine Chance es besser zu machen, ist, wie du sagst, die EMS One Katowice. Ihr habt euch für die National Finals bereits im ersten Cup qualifiziert. Wie groß ist die Vorfreude im Team auf dieses Event? Auch unter dem Aspekt, dass es in eurem Heimatland stattfindet.
Es ist Wahnsinn für uns. Wir werden unser Bestes geben uns zu qualifizieren und uns von unserer besten Seite in unserem Heimatland zeigen. Es muss ein polnisches Team auf so einem Event geben. Aus meiner Sicht ist es dumm, dass für jedes große Event sich das Einladungssystem ändert. DreamHack war es so, EMS One hat ihr eigenes, aber es wurde wieder geändert. Ich hoffe einfach, dass wir es trotz Online-Qualifikation auf die LAN Finals schaffen. Derzeit trainieren wir auf normalem Level, aber mit jeder Woche steigern wir das Pensum.
Wie bewertest du die langwierige Qualifikationsphase? Ist es bezüglich des hohen Preisgeldes angemessen?
Das werde ich dir sagen, wenn es vorbei ist! Eine Sache, die ich nicht mag, ist, dass wir ein Einladungssystem für amerikanische und Welt-Teams haben, aber es keine Einladungen für den Gastgeber gibt. (lacht) Viele Leute sagen immer, wir hätten Glück, dass Carmac bei der ESL ist. Aber ehrlich gesagt fühlt es sich an, als wäre es dadurch nur härter! Wir bekommen nie eine Sonderbehandlung oder ähnliches. Ich würde fast sagen, dass polnische Spieler/Teams die letzten sind, die bevorzugt werden. (lacht)
Vor einer Woche erschien ein Trailer mit den Golden Five in der Hauptrolle: eine Dokumentation, die dieses Jahr gedreht wird und womöglich durch ein erfolgreiches Indiegogo-Projekt mit einem zu erreichenden Wert von 30.000 US-Dollar eingereicht wurde. Kannst du uns Details über den geplanten Inhalt nennen?
Dieser Film wird von unserem Team handeln, es wird unsere Geschichte sein, von innen, wie wir es schaffen, immer die Hindernisse zu überwinden und die größten Wettbewerbe gewinnen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was zu erwarten ist, aber ich mag die Idee wirklich und ich hoffe, dass wir es schaffen, die notwendige finanzielle Unterstützung zu bekommen.
Siehst du eine solche journalistische Arbeit wie diese Dokumentation und NiPs TV-Show als die Zukunft der eSport-Medien?
Definitiv. Ich mag die NiP TV-Show und ich hoffe, dass wir mehr solcher Sachen zu sehen bekommen, so wie es tonnenweise kleiner Videos über League of Legends von Riot gibt. Wir brauchen mehr Inhalte wie diese!
Es ist allgemein bekannt, dass du keine Probleme im Umgang mit eSport-Medien hast. Allerdings gibt es auch Spieler, die nicht so vertraut damit sind, auch in deinem Team. Glaubst du, dass das Filmen und Interviews einen negativen Einfluss auf die Stimmung eines solchen Spielers auf einem Event haben kann?
Es kommt darauf an, wie du auf dem aktuellen Event spielst. Wenn Spieler verlieren, neigen sie dazu, Probleme und Ausreden zu finden. Es ist offensichtlich schwerer sich zu fokussieren wenn du stets eine Kamera in deinem Gesicht hast, aber ich denke, dass wir uns daran gewöhnen müssen. Zumindest wenn wir wollen, dass der eSport wächst. Die Spieler müssen verstehen, dass in einem Team alle bereit sein müssen, zu sprechen und Interviews zu geben. Wenn du es nicht machst, verbrennst du Material und immer der selbe Spieler in Interviews wird ziemlich langweilig.
Normalerweise würde das Interview an dieser Stelle enden, doch Valve veröffentlichte gerade ein neues Update, das u. a. Änderungen in der Genauigkeit der Deagle und einen neuen Feuermodus für Granaten beinhaltet. Werden diese Neuerungen starken Einfluss auf das Gameplay nehmen?
Da es heute erst veröffentlicht wurde, ist es schwer für mich, etwas darüber zu sagen, aber mir gefällt der neue Granaten-Feuermodus, der Deagle-Fix und der Air-Acceleration-Fix. Dinge vor denen ich Angst habe, sind die AUG und die Sig. Ich habe mit Valve über diese Waffen gesprochen, aber ich schlug vor, diese vielleicht günstiger anzubieten, nicht derart stark zu machen. (lacht)
Danke für das Interview.

