Anfang des Jahres präsentierte mousesports sein neues CS:GO-Lineup. Als neuen Ansager verpflichtete der Berliner Clan dabei den 18 Jahre jungen Dänen Casper ‚cadiaN‘ Møller. Die erste große Herausforderung steht dem Team an diesem Wochenende mit den EMS One German Regional Finals bevor. readmore.de sprach mit dem Neuzugang über seine Vergangenheit, die dänische Szene und seine Rolle im Team.
Hallo Casper. Bevor du mousesports beigetreten bist, warst du relativ unbekannt in der Szene, besonders in der deutschen. Stell dich doch bitte einmal vor.
Klar. Ich denke nicht, dass die deutsche Szene etwas über mich wusste, bevor ich zu mousesports gegangen bin – bis zu diesem Interview vielleicht immer noch nicht. Ich bin 18 Jahre alt und komme natürlich aus Dänemark. Dort mache ich gerade mein Abitur, worauf abseits von CS aktuell mein Fokus liegt. Ich bin ein aufgeschlossener Kerl und war lange Zeit nur in der Spitze Dänemarks bekannt, bis ich mir letztendlich einen Namen auf der DreamHack Winter gemacht habe.
Wann hast du angefangen, Counter-Strike zu spielen und welche Version war deine erste? Hast du einen Vorgänger von CS:GO schon semi-professionell gespielt?
Ich habe mit CS:Source angefangen, nachdem ich es als Geschenk von einem Klassenkameraden erhalten habe. Das habe ich dann mit 50 fps an einem 60hz Monitor ganze drei Jahre lang gespielt, bis ich gemerkt habe, dass man vernünftiges Equipment braucht, wenn man darin gut werden will. Letztlich bekam ich einen guten PC und lieferte eine gute Performance auf der dänischen LAN The Blast in 2011 ab. Danach habe ich mich dazu entschieden, auf ein Sportinternat zu wechseln, also wo ich gleichzeitig zur Schule gehe und eng mit dem – in meinem Fall – Handballsport verbunden bin. Folglich hatte ich weder die Zeit noch die Gelegenheit, um CS zu spielen. Wieder eingestiegen bin ich ungefähr zum selben Zeitpunkt, als CS:GO rauskam und seitdem spiele ich durchgängig, höchstens mit ein oder zwei Pausen dazwischen.
Wie verlief die Umstellung auf CS:GO für dich? Hast du noch ein wenig an CS:S festgehalten?
Ich war noch nie der Typ mit dem krassesten Aiming und bin oft auf mein gutes Positionsspiel und der Fähigkeit, mit meinen Teammates Pushes zu koordinieren, angewiesen. Folglich war ich noch nie auf dem Level, das ich in CS:GO gerade erreicht habe. War damals mein PC noch ausreichend, konnte ich damit bis vor kurzem kein Deathmatch in CS:GO ohne Lags spielen. Deswegen habe ich mir nach der DreamHack Winter einen neuen PC geleistet, um damit hoffentlich besser unter dem mousesports-Banner zu performen. Ich fühle mich zwar immer noch nicht in Form, das kommt dann aber meist vor den Events.
Wie sehr bist du in der dänischen Szene angesehen? Behandeln dich die Leute mit Respekt, gerade auf dein Alter bezogen?
Schwierig zu sagen. Auf eine gewisse Art bin ich sehr akzeptiert. Dazu muss man sich nur die jüngsten Gaming.dk-Awards (Anm. d. Red.: dänische eSports Seite) anschauen. Da habe ich zwei Auszeichnungen erhalten, nämlich: „Größte Verbesserung des Jahres“ – und das vor Xyp9x – und „Bestes neues Team“ mit Xapso. Zudem wurde ich Zweiter beim Award „Größten Talent des Jahres“.
In diesem Kontext kann man sicher von mir als Topspieler reden, auch wenn im Moment eine Menge Dinge passieren. Zusätzlich habe ich ein Angebot abgelehnt, was als gut erachtet wurde, um mit diesen Jungs zu spielen. Ich muss aber sagen, dass ich die Entscheidung nicht im Geringsten bereue.
Die dänische Szene hat schon oft gute Teams hervorgebracht, die es mit den Besten der Welt aufnehmen können. Gleichzeitig hielten diese Teams nicht besonders lange. Warum hat Dänemark damit Probleme, konstante Lineups aufzustellen?
Die dänische Szene hat einen riesigen Pool an individuellen Talenten mir einer Menge angesehener Ingame Leader darin. Jedoch tendieren wir dazu, sauer aufeinander zu werden für Dinge, die lächerlich erscheinen, wenn man sie sich ein wenig genauer anschaut. Ein weiteres Problem scheint folgendes zu sein: Jedes Mal, wenn das beste Team einen Spieler tauscht, geht dieser dann zum zweitbesten Team, und der dort dann zum drittbesten. Auf diesem Weg wirbelt ursprünglich nur ein Wechsel die ganze Szene durcheinander.
Genug mit der Vergangenheit, lass uns über dein neues Team mousesports reden, welches seit knapp einem Monat besteht. Wie ist der Kontakt mit der deutschen Organisation entstanden? War deine gute Performance auf der DreamHack Winter ein entscheidender Faktor für mousesports, um mir dir Kontakt aufzunehmen?
Ohne zu selbstbewusst zu klingen, aber ich glaube nicht, dass sie mit meiner Performance gegen sie auf der DreamHack Winter allzu zufrieden waren. Das ist zudem ein Thema, worüber wir viel in spaßigen Situationen reden, weil ich den Vorteil ihnen gegenüber habe. Nicht nur aufgrund des Matches auf der DH, sondern auch wegen des Sieges in der Gruppenphase der Fragbite Masters.
Ich glaube schon, dass es irgendwie ein ausschlaggebender Punkt für sie war, auch wenn das ganze etwas komisch erscheint. Der entscheidende Faktor war aber, als ich und LEGIJA beschlossen, uns zu umarmen, egal wer gewinnt oder verliert. Dort begann unsere Freundschaft und eines Tages kontaktierte er mich und meinte, dass sie einen Ansager suchen und fragte, ob ich für die Aufgabe bereit wäre. Daraufhin haben wir es direkt ausprobiert. Sie haben ihre Entscheidung schnell getroffen und mich gewählt. Die Zukunft wird nun zeigen, ob es eine gute Entscheidung war. (lächelt)
Du bist für die taktischen Ansagen zuständig. Wie sehr beeinflusst es dich, auf Englisch zu kommunizieren? Hast du das schon einmal zuvor gemacht?
Klar, es hat mit Sicherheit einen großen Einfluss auf mich sowohl im positiven als auch negativen Sinn. Mir fällt es schwerer in hitzigen Situationen den Leuten klarzumachen, was sie tun sollen. Besonders wenn es darauf ankommt, dass Entscheidungen augenblicklich getroffen werden müssen. Außerdem bin ich nicht mehr in der Lage, in der Weise sauer zu sein, wie ich es in Dänisch wäre. Damit entgehen wir sicher ein paar Diskussionen. (lacht)
Ich habe schon bei Xapso auf Englisch angesagt, aber dort hat es nicht so wirklich funktioniert. Folglich spielten wir eine Menge einstudierte Taktiken und Strategien, woran ich nicht wirklich gewöhnt war, da meine Teams normalerweise viel über einen Standardaufbau agieren. Auf jeden Fall können wir die Kommunikation im jetzigen Team verbessern, aber bisher verläuft es sehr positiv.
Es gibt eine Menge Herangehensweisen, was das Ansagen betrifft. Was ist dein Rezept?
Das kommt darauf an, mit welchen Spielern ich arbeiten muss. Wenn man gute Kommunikation, großartiges Teamplay und Spieler hat, die die Schlüsselrunden eröffnen können, dann bietet sich ein Standardaufbau an. Wenn es allerdings Probleme mit der Koordination inmitten einer Runde gibt, dann können vorgefertigte Strategien helfen. Ich habe eine breite Auswahl an Taktiken und kreiere neue Terror-Taktiken für jedes Team, mit dem ich spiele, aufgrund der unterschiedlichen Spielstile jedes Spielers. Als CT wenden wir meine Art des CS-Denkens an. Das beinhaltet eine Menge Rotationen auf der Map, ohne uns grundlos auf seine Sache festzulegen.
Auch wenn Knochen zu mir meinte, dass ich ihn an Karrigan erinnere, wenn es ums Ansagen geht, aber ich glaube, da bin ich sehr verschieden und versuche den Gegner zu überlisten, wenn ich ihre Routinen und Rotationen kenne. Dennoch habe ich auch keine Angst davor, mich oder einen anderen Schlüsselspieler in eine riskante Position zu bringen, die uns die Runde gewinnen, aber genauso gut in eine schlechte Lage bringen kann.
Ihr seid aktuell komplett in Berlin zu einem acht Tage langen Bootcamp versammelt. Was sind eure Ziele dort?
Das Bootcamp ist nun zu dieser Zeit beendet. Das wichtigste war, dass wir hier die Persönlichkeiten jedes Einzelnen kennen gelernt haben. Nun können wir viel besser miteinander umgehen. Gleichzeitig haben wir uns natürlich im Spiel verbessert und bekamen ein Gefühl dafür, wie unsere Kommunikation und Teamplay im LAN funktioniert im Vergleich zu online.
Im ersten Aufeinandertreffen der EMS One German Regional Finals trefft ihr auf Wild Fire. Was denkst du über das Match?
Ich weiß nichts über das Team und fast gar nichts über die deutsche Szene im Allgemeinen. Wir fürchten keinen Gegner, aber wir gehen zu 100 Prozent fokussiert in ein Match, egal ob es ein internationales oder nationales Team ist. Wir gehen nicht mit der Einstellung ran, dass wir denken, das Spiel haben wir eh schon gewonnen, bevor es überhaupt angefangen hat.
Wenn ich raten müssten, dann würde ich sagen, dass ihr im Finale auf Alternate trefft. Ein altes klassisches Matchup, was eine Menge Erinnerungen hochbringt. Auf dem Papier hat Alternate den Vorteil des länger bestehenden Lineups. Glaubst du, das wird eine Rolle spielen?
Ich mag es nicht darüber zu spekulieren, wie das Bracket letztendlich verläuft, aber für dich mache ich eine Ausnahme und spreche über eine hypothetische Situation. Falls wir also gegen Alternate spielen, gehen wir mit dem gleichen Ansatz ran, wie bei allen anderen Spielen. Wir haben individuell starke Spieler, die jedes Team zerschießen können, gleichzeitig mangelt es uns natürlich an Teamplay, weil wir nun mal ein relativ junges Team sind. Unsere Fehler können also bestraft werden, wenn wir nicht auf den Punkt da sind.
Valve implementierte kürzlich einen zweiten Granatenfeuermodus, verstärkte die Deagle, Aug und Sg und verbesserte das Movement ein wenig. Was denkst du über die jüngsten Updates? Wird der neue Granatenwurf das Skilllevel anheben?
In gewisser Weise wird es eine neue Denkweise und schlaues Handeln erfordern, um die Mouse2-Granate zum eigenen Vorteil einzusetzen. Über kurz oder lang werden im Rang niedrigere Spieler es einfacher haben, sofort Flashes zu werfen, was vorher im Stehen nicht wirklich ging. Demzufolge mögen Einige einen Vorteil, Andere einen Nachteil daraus ziehen. Bezüglich der Aug – die ist so stark im Moment, dass ich nicht mal weiß, was ich drüber sagen soll. (lacht) (Anm. d. Red.: Das Interview wurde vor dem letzten Update geführt)
Vielen Dank für deine Zeit und viel Glück im Qualifier.
Kein Problem, es war mir eine Ehre. (lächelt) Zu guter Letzt möchte ich noch der gesamten mousesports Organisation danken, die dieses Bootcamp erst möglich gemacht und uns ein Zuhause geboten haben. Danach strebt jedes Team. Besonderer Dank geht an BenQ, EpicGear & XMG für ihre tolle Unterstützung!