Dieses Jahr verspricht im Frühjahr und Sommer die spannendsten und zahlreichsten Dota 2 Playoffs, die es jemals gegeben hat. Die stärkere nordamerikanische Szene und die ersten Turniere mit koreanischer Beteiligung sorgen für mehr Abwechslung als noch im Jahr 2013. Dazu kommt das flexiblere Metagame und ein interessantes Turnierformat Anfang Juni. Eine Überlegung dazu, ob Dota 2014 seine Versprechen hält. Ein Gastartikel von WC3Alive.Wuff.
Schon zum Ende des letzten Jahres wurde klar, dass die hohe Turnierdichte 2014 allen Organisatoren und Teams viel Planungsarbeit abverlangen würde. Hier und da überschnitten sich Termine, sodass sich Turnierveranstalter gegenseitig weichen mussten, um Raum für ihre immer pompöseren Playoffs zu schaffen, die allesamt große Ansprüche an hohe Zuschauerzahlen und beste Spielerbesetzung haben.
Inzwischen hat man sich allerseits sortiert und nun ist klar, dass es vor allem die Spieler sein werden, die im Sommer an ihre Belastungsgrenze stoßen.
Bisher nur im Mai keine großen Turniere angekündigt
Denn in Dota 2 beginnt der Playoffs-Kalender der hoch dotierten Events Mitte April, geht über die TI4 Qualifier im Mai und zieht sich dann noch mindestens bis Mitte Juli durch. Den Start macht das Finale der Starladder Season 9 (213.000 US-Dollar) am vorletzten Aprilwochenende, gefolgt von der D2L Western Challenge (50.000 US-Dollar), deren Playoffts-Termine jedoch noch nicht feststehen und in den Mai fallen könnten.
Über den ganzen Mai hinweg laufen dann die Qualifikationsturniere zum diesjährigen International von Valve. Die besten Teams rund um die Welt, die um das ganz große Geld und den wichtigsten Titel in Dota 2 kämpfen wollen, laufen hier auf. Für die vielen Fans dieser Mannschaften und für Beobachter der Szene ist also auch hier Woche für Woche Pflichtprogramm angesagt.
Der Mai ist gleichermaßen die heiße Vorbereitungsphase auf den Juni des Jahres, den man auch als weniger blumig denkender Zeitgenosse als Dota-Feuerwerk bezeichnen muss. Den Anfang im Juni macht am ersten Wochenende The Summit, ein Turnier, dessen Konzept dem Homestory Cup in Starcraft2 und Hearthstone nachempfunden sein soll und einen Blick hinter die Turnierkulissen bieten will.
Die 50.000 US-Dollar Preisgeld sind hier nebensächlich, denn die Community wird vor allem einen Blick auf ausgelassene Dota 2-Profis in lockerer Atmosphäre werfen wollen. Eine Gelegenheit, bei der sich wahrscheinlich viele Sponsoren und Teams präsentieren werden. Es wird mit viel Zuspruch für etwas Abwechslung im Turnieralltag der Szene gerechnet.
An den folgenden Wochenenden kommt es dann zu zwei der hoch erwarteten und prestigeträchtigen Turnieren des Jahres: Zuerst das Finale der ASUS Dreamleague (200.000 US-Dollar) auf der Dreamhack Summer, bekannt für großartige Atmosphäre und Finalspiele. Anschließend die ESL One Frankfurt (150.000 US-Dollar), die mit dem Veranstaltungsort Commerzbank Arena trumpft und echtes Stadionfeeling verspricht.
Das obligatorische Finale des Sommers ist dann Valves International 2014 am dritten Juliwochenende. So wenig auch bisher an Details bekannt ist: Hier wird sich nicht nur die weltweite Creme-de-la-Créme der Dota 2-Profis versammeln und Gänsehautstimmung erzeugen, sondern auch um das höchste Preisgeld im Turnierjahr 2014 gekämpft. Eine große Rolle spielt hier die Community selbst, die im letzten Jahr durch ihre Ingame-Käufe bei der Preisgeldsteigerung alle Rekorde brach und nun eventuell erneut den Rekord für das höchste Preisgeld im eSport setzen kann.
Bleiben Picks und Bans so abwechslungsreich wie zurzeit?
Besonders spannend werden die Offline-Spiele durch die zurzeit sehr abwechslungsreichen Entscheidungen der Teams beim Auswählen ihrer Strategien. Althergebrachte starke Helden wie Naga Siren, Batrider und Chen sind ungebrochen beliebt, der Pool an favorisierten Picks hat sich aber merklich erweitert. Dazzle und Centaur Warrunner sind nur die Spitze des Eisbergs der großen Verbreiterungen an Wahlmöglichkeiten verglichen mit letztem Jahr.
Pushstrategien mit Shadow Shaman oder Lycantrophe im Zentrum gelten kaum noch als Nischen-Picks um ein schnelles Game zu gewinnen, sondern stellen ernstzunehmende Bedrohungen dar. Teamfight-Helden wie Spectre und Ember Spirit erleben großen Aufwind, Morphling und Phantom Lancer dagegen haben ebenfalls ihr kleines Comeback in einigen Teams und auch damit kratzt man nur an der Oberfläche eines Trends.
Bereits auf dem International 2013 haben viele Teams besondere Strategien gezeigt, sodass ein breites Spektrum an Helden gespielt wurde. Dieses Jahr könnte sich diese Bandbreite noch erhöhen, obwohl Helden wie Io (Wisp), Keeper of the Light und Gyrocopter durch ihr merkliches Verschwinden etwas an Vielfalt kosten könnten. Valves Balance-Arbeit hat sich, fragt man den Großteil der Community, positiv bemerkbar gemacht.
Bleibt alles beim jetzigen Stand, dürfen wir mit vielseitigen Entscheidungen und sehr wahrscheinlich auch mit Überraschungen aller Art rechnen, wenn es in die finalen Runden der Turniere mit großem Preisgeld geht. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich bis zum Juni und Juli etwas klarere Stärken und Schwächen im aktuellen Patch herauskristallisieren. Vielleicht schmälert sich dann die Experimentierfreude der Teams wieder etwas. Oder Valve greift noch mit einem Patch vor den großen Turnieren ein, etwa um den Rufen nach einer Abschwächung von Ember Spirit oder Centaur Warchief nachzukommen.
Kann Nordamerika 2014 aufholen?
Im letzten Jahr hat sich gerade die europäische Szene, geprüft durch die vielen Turniere, als unerwartet stark herausgestellt. Ob die Chinesen, die den Erwartungen nicht gerecht wurden, dieses Jahr wieder Erstplatzierungen holen, bleibt abzuwarten. Viele Beobachter vermuten jedoch, dass sie aus 2013 gelernt haben. Interessierte Blicke richten sich zurzeit aber nach Nordamerika, wo das amerikanisch organisierte Cloud9 die Messlatte deutlich angehoben hat.
Team Liquids Leistung beim International 2013 war zwar beachtlich, dürfte den Stolz amerikanischer Fans aber nicht ganz befriedigt haben. Mit Cloud9 als internationalem Team unter Flagge der USA haben sich vielleicht neue Lieblinge gefunden, die in jedem Fall das Potenzial haben, bei den großen Turnieren aufzumischen. Auch EG und Liquid dürften jetzt den Druck durch die neue Bedrohung fühlen und stehen unter Zugzwang, die USA-Rufe des Publikums zu befeuern.
Ob die teils positive Entwicklung der Szene in Kanada und den USA, wie beispielsweise EGs starkes Auftreten in der Western Challenge, anhält und ob sie ausreicht, um im Sommer endlich die prestigeträchtigen Titel nach Amerika zu holen, lässt sich schwer einschätzen. Die Community bleibt skeptisch, insbesondere was die Leistung der klassischen Teams der USA, Liquid und EG, betrifft. Andererseits stehen die Chancen für eine amerikanische Organisation vermutlich besser denn je.
DotA 2014 – Ein großes Vesprechen
Letztendlich bleibt das Gefühl, dass hier Großes auf uns zukommt. Nicht nur abwechslungsreiche Picks, Hoffnungen auf starke Chinesen und Amerikaner und erste koreanische Schritte auf internationalem Parkett machen diesen Sommer ungewöhnlich spannend. Auch viele international besetzte Teams werden sich dieses Jahr gegen die Dota-Supermächte Alliance und Na’Vi stellen und ihre Ausdauer fordern. Die Wahrscheinlichkeit für Überraschungen aus allen Richtungen ist somit gegeben.
Wer die Turnierwochenenden im Sommer ganz mitverfolgen will, wird vermutlich auf einige Sommerabende im Freien verzichten müssen. Alle Events versprechen, auf ihre Weise einzigartig zu werden. Und sie nähern sich in großen Schritten.