Nachdem gestern im ersten Teil des Jahresrückblicks die Themen des Jahres 2006 im Bereich eSport allgemein zusammengefasst und zur Diskussion gestellt wurden, folgt heute ein Rückblick auf die emotionalen Höhepunkte. Mit den Begegnungen des Jahres hat readmore.de eine Auswahl an Klassepartien zusammen gestellt, die in den letzten 52 Wochen das Herz vieler eSport-Fans höher schlagen und vor Spannung aussetzen ließ. Die entsprechenden Demo- und Replay-Links sollen dabei dazu anregen, diese Momente noch einmal aufleben zu lassen.
Die Begegnungen des Jahres:
Quake: Cooller gegen czm und Fatal1ty gegen toxic
Im Quake-Bereich war das Jahr zwischen den beiden aktuellsten Versionen der Reihe gespalten. Während die WSVG, die WCG und auch der ESWC auf Quake 4 setzten und dem Zuschauer dort eine Mischung aus neuer und alter Elite hochspannende Matches präsentierten, so konnte man am Ende des Jahres auf dem CPL-Finale nochmal die alten Recken der dritten Episode bestaunen, die immer noch zu Höchstleistungen aufliefen und den Zuschauer an längst vergangene Stunden erinnerten.
Auf den CPL-Finals fand dann auch die wohl interessanteste Quake-Begegnung des letzten Jahres statt. Die Szene-Stars Cooller und czm lieferten sich im Upper Bracket Halbfinale ein spannendes Duell, dass erst mit zwei Frags Unterschied auf der dritten Map entschieden werden konnte. Gewinner war der spätere Sieger czm; zu einem weiteren Spiel kam es nicht, da der Chinese Jibo Cooller im Consolation Finale wieder auf drei Maps schlug und ihm so die Chance auf Revanche verwährt blieb. Für czm war der Sieg besonders wichtig, da er in der gleichen Konstellation noch vor einem Jahr auf dem ESWC als Verlierer den Server verlassen musste.
In Quake 4 trat ein Mann zum wiederholten Mal in Erscheinung, den jeder erwartet hatte. Jonathan ‚Fatality‘ Wendel versuchte sich wieder am neuesten 1on1-Ego-Shooter und schaffte bis zum Jahresende den Anschluss an die Weltspitze. Nach vielen bitteren Niederlagen konnte er im WSVG-Finale den Dominator des letzten Jahres tox in einem großen Match stellen und gewann aus dem Lower Bracket kommend das erste Best-Of-3 klar nach zwei Maps. Vor fast genau einem Jahr war es der gleiche Fatality, der nach einer spannenden CPL World Tour im Finale in New York den Spieler des Jahres schlagen konnte und so zum wiederholten Male seinen Namen als den besten eSportler überhaupt gerecht wurde. Im Dezember 2006 sollte ihm aber nicht das gleiche Schicksal ereilen und so schaffte es der Schwede tox, nach einem weiteren Best-of-3, auf der dritten Map seinen Kontrahenten zu schlagen.
WarCraft 3: Grubby gegen Moon und mTw gegen avant Garde
Im Sommer standen sich im WEG-Halbfinale die Spieler Grubby und Moon gegenüber. Im Vorfeld stärker eingeschätzt durch die gezeigte Form und den Rassenvorteil wurde Moon. Das Best-Of-Five ging dann zwar nur über vier Maps, aber am Ende war nicht wie erwartet Moon sondern der Orc-Spieler Grubby der Sieger. Auf asiatischem Boden und aufgrund der Deutlichkeit war der Sieg ein Schlag in die Gesichter der Spieler, die WarCraft 3 als nicht ausbalanciert und bevorteilend bezeichneten. Der Holländer setzte auf indivuelle Stärken und zeigte, dass er es an einem guten Tag in der Weltspitze mit jedem aufnehmen kann.
Für mTw stand vor knapp einer Woche die entscheidene Partie in der Qualifikation zur WC3L XI gegen aVant Garde (jetzt TeK-9) an. Es ging los mit dem Aufeinandertreffen des deutschen Nachtelfen-Spielers Hanf und dem Amerikaner Axslav, der sich nicht auf eine Rasse spezialisiert hat und dem Spiel überlässt, mit welcher er in den Kampf zieht. Trotz der guten Leistungen des Deutschen in der EPS musste er sich klar seinem Kontrahenten geschlagen geben. Währenddessen hatten bereits Protois und Kowi mit ihrem Duell begonnen. Zwar gelang es Protois auf einer Map zu siegen, letztendlich setzte sich allerdings doch der Nachtelf von TeK-9 durch. mTw stand dem Ausscheiden bereits jetzt sehr nahe. Dies änderte sich jedoch schlagartig mit dem knappen Sieg seitens LasH gegen den Orc-Spieler MiNiMuM, den er mit einem 2:1 bezwingen konnte und sein Team somit einen Zähler gutmachen konnte. Im letzten gespielten Submatch des Tages – dem 2on2 – setzten sich eher überraschend die beiden Deutschen Hanf und iNSoLeNCE gegen das Duo Axslav und StrifeCro durch. Nach dem Ausgleich auf 2:2 sollte nun die Begegnung des Orc-Spielers iNSoLeNCE und dem Nachtelfen MysT die Entscheidung bringen. Im um zwei Tage verlegten Spiel fiel dann zu abendlicher Stunde die trübe Entscheidung für die deutschen Fans: Im Kampf über drei Maps gelang es dem deutschen EPS-Relegationsteilnehmer nicht, der Übermacht seines Gegners standzuhalten und diesen mit einer Niederlage vom Platz zu verweisen. Das Spiel überzeugte durch eine so selten dagewesene Spannung in allen Partien, konnte leider aber nicht mit einem positiven Ende für den deutschen Teilnehmer beendet werden. Konsequenz ist, dass mit mTw eines der traditionsreichsten WC3L-Teams nicht an der nächsten Saison teilnehmen wird.
Counter-Strike:Source: n!faculty gegen Dignitas
Auf den ersten EPS-Finals für CS:S wurde dem Zuschauer gezeigt, wieso immer mehr Menschen auch von dem zuerst von vielen verschmähten Nachfolger von CS 1.6 begeistert werden. Knappe Runden, erfrischend andere Strategien und Action über drei Maps machen die Begegnung n!faculty gegen Dignitas zu dem „Must-See“ für jeden CS:S-Fan. Während auf der ersten Map de_train das damalige Dignitas noch knapp nach zwei Overtimes gewinnen konnte, schaffte n!faculty mit einem 16:14 auf de_dust2 die nicht mehr geglaubte Wende. Das Team musste auf de_cbble dann aber einsehen, dass die Spieler um Philipp vom neuen aTTaX-Team an diesem Tag einfach das Quäntchen besser waren. Philipp sagte selbst: „Es war unbeschreiblich. Das Team lag sich in den Armen, alle Emotionen drangen auf einmal nach außen. […] Es war das wichtigste Spiel seit unserer Gründung. Die ersten EPS Finals zu gewinnen ist etwas besonderes.“
Counter-Strike: aTTaX gegen mousesports und MiBR gegen aTTaX
Bis zum Sommer war nicht nur die Fußballwelt „schwarz-rot-gold“-gefärbt, mit aTTaX hatte Deutschland ein CS-Team, das international mithalten konnte und so können die Begegnungen des Jahres nur von diesem mitreißenden Team stammen. National spitzte sich das Duell mit dem Dauerabonnenten des EPS-Titels mousesports zu und auf den Finals sollte sich herausstellen, welches der beiden Teams vor der Saison den besseren Deal eingegangen war. mousesport verstärkte sich mit elemeNt und fleks und hatte mit ihnen vor, zu ungeahnter internationaler Stärke aufzusteigen. Besonders von elemeNt versprach man sich im taktischen Bereich eine echte Verbesserung. Bei aTTaX bildete man schon früh vor der Saison ein neues Team, dass mit jungen Wilden und erfahrenen Hasen für langfristige Klasse sorgen sollte. Das Konzept ging auf und im Finalspiel konnte dieses Team die Mäuse nach zwei Maps schlagen und sich den ersten Titel der Saison holen.
Auch international wollte aTTaX deutsche Größe zeigen und konnte sich in das ESWC-Halbfinale spielen. Dort trat man Made in Brazil gegenüber. Nach 30 Runden stand es 15:15, die Spieler von aTTaX sahen sich aber als Sieger, da der Konkurrent einen Flashbug auf de_train ausgelöst und sich damit einen ungerechten Vorteil erspielt hatte. Die Admins wollten die Entscheidung erst nach der gespielten Overtime entscheiden und mit Wut im Bauch verlor man diese mit 1:4. Nach anderthalb Stunden Diskussion und einigem Hin und Her entschieden sich die Admins gegen eine Ahndung des Verstoßes und für einen Sieg zu Gunsten von MiBR. Die deutschen Spieler waren erbost und fühlten sich betrogen, da Regeln nicht ausgeführt wurden und man so nach eigenem Bekunden zu Unrecht verloren hatte. Das ganze Drumherum verdeckt ein Spiel, in dem beide Teams erstklassiges CS gezeigt haben und in dem man als Deutscher stolz auf sein Team sein darf.
readmore.de – Statistikstunde
Natürlich gibt es auch eine andere Seite der Begegnungen des Jahres. Mit über 30.000 Views ist das EPS-Finale mousesports gegen a-Losers die meist besuchte Begegnung. Bei den Kommentaren führt das Finale der WSVG, das aTTaX gegen Team 3D gewinnen konnte. Hierbei entstanden 1580 Kommentare zu der Begegnung. Insgesamt befanden sich im vergangenen Jahr 3450 Spiele im Ergebnisticker.