Besucher der ESL One in Frankfurt hatten die Qual der Wahl. Unter den verschiedenen Ticket-Optionen war das Premium-Ticket mit bis zu 180 Euro die teuerste Variante. Doch warum haben Fans sich dafür entscheiden? Adrian ‚Adro‘ Roeske hat sich umgehört und nach den Gründen gefragt.
Keine fünf Jahre ist es her, da kostete der Eintritt zu einem Friday Night Game-Event der ESL Pro Series drei Euro. Gespielt wurden da unter anderem im Tanzbrunnen in Köln, im Maritim Center in Dresden oder in der Tonhalle in München. Damals stritt die Szene gerne darüber, wenn sich die Preise nur um einen Euro erhöhten. Eintrittspreise im zweistelligen Bereich waren in Deutschland in den vergangenen Jahren ohnehin eine Seltenheit.
Zeitsprung. Wir schreiben das Jahr 2014. Die ESL One gastiert in der Commerzbank Arena in Frankfurt und die Lage hat sich verändert. Zweistellig fangen die Preise erst an, zwischen 20 und 180 Euro werden aufgerufen. Unverkäuflich? Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 12.500 Besucher waren pro Tag da; die teuerste Variante – die besagten Premium-Tickets – wurde knapp 1.000 Mal verkauft. Je nachdem zu welchem Zeitpunkt die Fans hier zugeschlagen haben, kostete ein derartiges Ticket entweder 150 oder 180 Euro. Summen, die vor Jahren schier undenkbar waren.
Was waren die Gründe, um einen dreistelligen Euro-Betrag hinzulegen?
Unter den Befragten lag häufig das frei verfügbare Essen und Trinken weit vorne. Es sei einfach entspannter, sich um nichts kümmern zu müssen, so der Tenor vieler Premium-Ticket-Besitzer. Insbesondere die internationalen Gäste, unter anderem aus Schweden, Bulgarien und Griechenland, wollten ein entspanntes Wochenende erleben und das Turnier in vollen Zügen genießen können. Ein Ticket, bei dem alles inklusive ist, sei da die beste Variante. Zumal die Stadion-Preise des Caterings bei den Besitzern der anderen Ticketkategorien häufiger auf Kritik stießen.
Daneben schätzten viele die Nähe zu den Spielern und Castern, wenngleich hier unterschiedliche Meinungen entstanden. Die einen beschwerten sich über mangelnde Spielernähe, einige hätten sich separate Autogrammstunden für den Premium-Bereich gewünscht. Vergleicht man die Wege, die der Premium-Bereich im Vergleich zum Innenraum hatte, wenn es darum ging, die Autogrammstunde an der Community-Bühne wahrzunehmen, dann war dieser zweifellos länger. Dem gegenüber entgegneten allerdings andere, dass die Nähe zu den Spielern vom eigenen Engagement abhing, wie zum Beispiel diese Geschichte beweist. Einige berichteten begeistert davon, wie zugänglich die Spieler im Premium-Bereich gewesen seien und präsentierten stolz ihre gemeinsamen Fotos. Wer wollte, der konnte auch – so die einhellige Meinung. Die Zufriedenheit überwog hier letztendlich.
Ein weiterer Punkt, der logischerweise von deutschen Premium-Besuchern genannt wurde: Wenn ein solches Event schon in Deutschland stattfindet, müsse man es einfach mitnehmen, so sinngemäß die Aussagen. Den Vergleich zu einem Festival konnten viele der Befragten mitgehen. Dabei wurde deutlich, dass das Besuchen einer eSport-Veranstaltung in dieser Größe und für den Preis für viele nichts ungewöhnliches war. Letzteres galt auch für die internationalen Gäste.
Was war nicht so gut?
Beim Goodie-Bag waren sich alle einig: Dieser traf nämlich auf eine weitestgehend eher enttäuschende Resonanz. Wenngleich sich alle über das Event-T-Shirt freuten, konnten viele mit den Sponsoren-Goodies nichts anfangen. Viele wünschten sich einen stärkeren Bezug zu Dota 2, zum Beispiel in Form von besonderem Merchandise oder Ingame-Items.
Ein wahrer Knackpunkt war der Zugang zum Innenraum. Während es zu Beginn der Veranstaltung noch möglich war, von der Premium-Tribüne direkt in den Innenraum zu gelangen, wurde diese Option im Laufe des Samstags gestrichen. Das bedeutete für die Premium-Ticket-Besitzer, dass sie einen äußerst langen Weg um das Stadion herum nehmen mussten, um in den Innenraum zu gelangen. Bei anstehenden Autogrammstunden, dem Aufsuchen der Stände oder dem simplen Wunsch, die Atmosphäre inmitten der Tausenden Fans wahrzunehmen, war das für viele ein echtes Problem. Zusätzlich war vielen bis zum Schluss nicht klar, was der Grund für diese Änderung war.
Ansonsten gab es Kleinigkeiten, die vereinzelte Premium-Ticket-Käufer verärgerten. Einige waren mit dem Umgang hinsichtlich des Kompendiums unzufrieden. Käufer eines Tickets hatten dieses inbegriffen, allerdings war es offenbar der Fall, dass die Verfügbarkeit sich lange hinzog. Die Kommunikation diesbezüglich empfanden einige als unglücklich. Zudem sorgte eine Regeländerung hinsichtlich des Essens für Unmut. So war es am Sonntag nur noch möglich, sich maximal ein Getränk oder eine Mahlzeit aushändigen zu lassen. Wer also seinem Sitznachbarn etwas mitbringen wollte, musste sich zweimal anstellen. In einem etwas abstrusen Beispiel sah das so aus, dass eine Besucherin sich ein Wasser bestellte, dieses neben sich abstellte und augenblicklich problemlos ein weiteres Wasser orderte.
Im nächsten Jahr wieder für 180 Euro?
Vorausgesetzt, dass im Jahr 2015 wieder ein vergleichbares Event mit ähnlichen Preisen für das Premium-Ticket stattfindet, äußerten sich viele positiv über einen erneuten Kauf. Der Großteil zögerte nicht und ließ ein klares „Ja“ verlauten. Ein „Nein“ war eher die Ausnahme, häufiger war dagegen der Wunsch nach Verbesserungen, die sich aus den oben genannten Kritikpunkten ergaben. Nichtsdestotrotz waren aber auch unter diesen viele dabei, die das Ticket im nächsten Jahr trotzdem wieder kaufen würden, vorausgesetzt es koste dann 20-30 Euro weniger. Sollten die Kritikpunkte aber ausgemerzt werden, wären viele dieser „leichten Zweifler“ erneut dazu bereit, den gleichen Preis zu investieren.
Auf die Gesamtanzahl der Befragten bezogen zeigten sich viele letztlich äußerst zufrieden und bereuten den Kauf keineswegs. Den Eingangs gestellten Vergleich stellte im Übrigen keiner an. Die Tatsache, dass eine derart hohe Anzahl an Premium-Tickets verkauft wurde, gibt den Verantwortlichen der ESL One im Übrigen die Bestätigung, dass Angebot und Nachfrage sich gut ergänzen.
Die Szene hat sich verändert. Nicht nur, dass aus zwei 180 Euro geworden sind. Die Diskussion ist eine andere geworden. Wer ein Ticket für 150 bis 180 kauft, weiß worauf er sich einlässt und zeigt, dass die Liebe oder das Interesse zum Spiel entsprechend hoch ist. Dafür muss dann am Ende auch kein Vergleich mehr herhalten.


