Im eSports rückte das Crowdfunding als Konzept zur Realisierung von Inhalten und Events immer mehr in den Vordergrund. Gerade das Compendium für das vierte International wird öffentlich ausschließlich in den Himmel gelobt. Wie offen sollte man allerdings derartigen Fundraiser-Projekten gegenüber sein?
Das Preisgeld des The International 2014
Der gesellschaftlichen Akzeptanz des eSport kamen wir aufgrund der Berichte über das Rekordpreisgeld des Internationals in diesem Jahr sicherlich näher. Sender bekundeten zum Beispiel Interesse, die Übertragung des Events im Fernsehen durchzuführen und Organisationen schlugen sich um teilnahmeberechtigte Teams, da das Event für Sponsoren das Nonplusultra darstellte.
Die riesige Preisgeld-Summe in Höhe von knapp elf Millionen US-Dollar war nur durch das Compendium möglich, wobei es sich letztendlich um Crowdfunding handelt. In diesem Fall gibt es kaum Kritiker für das Projekt, denn das Turnier zog zahlreiche Zuschauer an und erzeugte Aufmerksamkeit für die Industrie.
Im Allgemeinen ist das Funding-Konzept, wie es Valve für Dota 2-Events bietet, nahezu frei von Kritik. Ingame-Gegenstände werden an Spieler verkauft und ein gewisser Prozentsatz geht direkt an den Organisator des Turnieres. Dieser Prozess wird transparent durchgeführt und legt die Zahlen offen. Worüber man sich hier jedoch klar sein sollte, ist, dass der größte Verdiener hier Valve ist – nicht das Event. So gingen lediglich 25% des Erlöses aus dem Compendium der TI4 in das Preisgeld.
Content-Ersteller machen sich selbstständig
Das wohl bekannteste Beispiel eines Content-Erstellers, dessen Produktionen durch Crowdfunding ermöglicht wurden, ist wohl das Studio von Beyond The Summit. Insgesamt knapp 40.000 US-Dollar erreichte der Fundraiser via Indiegogo, wobei das Ziel ursprünglich bei 25.000 US-Dollar lag.
Auch CarbotAnimations, der durch seine Sketches namens „StarCrafts“ bekannt wurde, erhält inzwischen pro Episode knapp 1.900 US-Dollar durch freiwillige Unterstützer auf patreon. Weitere erfolgreiche Beispiele stammen aus der Modder-Szene StarCraft II’s: Die Produzenten von GameHeart sowie StarCraft: Universe finanzierten ihre Projekte via Kickstarter.
Eine Szene hält sich am Leben
StarCraft II ist offenkundig das wohl rückständigste relevante Spiel im eSport, wenn es um die Monetarisierung des Titels geht. Seit Jahren betteln Spieler darum, Blizzard mit Geld zu bewerfen, um vermeintlich einfach bereitstellbare Gegenstände zu erwerben, wie man es in Dota 2, Counter-Strike: Global Offensive und League of Legends sieht. Selbst bezahlte Namensänderungen wurden nicht vom Publisher umgesetzt.
Was soll also eine Szene tun, in der zahlreiche Fans verweilen, die in insgesamt vier Jahren rund 60 Euro ausgaben und sich willig zeigen, mehr zu investieren? Dass hier Projekte die Nische füllen, indem sie auf Crowdfunding basieren, wirkt schlichtweg logisch.
Turniere wie Destiny I oder die Olimoleague finanzieren sich so nachhaltig, wobei die Community nicht zwangsläufig auf Belohnungen, wie man sie aus dem Compendium kennt, verzichten muss. Natürlich gibt es keine Ingame-Gegenstände, doch bot Steven ‚Destiny‘ Bonnell beispielsweise das Bewerben fremder Streams, das Vorlesen öffentlicher Briefe oder eine freundliche Umarmung an, wenn Fans dem Projekt beisteuerten.
„This is good for one (1) hug from me at any upcoming event. If you see me, make sure you let me know you put $10 towards my tournament so you can redeem your hug. Also, these are real, 100% Genuine American hugs. I don’t fuck around with any hover-hand shit, I’ll go full balls to the wall, arms around your shoulders, erection pressed awkwardly into your stomach hug if you want.“ – Perk der Indiegogo-Kampagne für das Destiny 1
In diesem Fall war das Projekt bereits im Vorhinein ein Erfolg. Das Ziel von 5.500 US-Dollar wurde im Nu erreicht, wobei zu bedenken ist, dass 500 US-Dollar an die Plattform Indiegogo gehen. Es bleibt abzuwarten, ob die Umsetzung des Events nun mit den positiven Zeichen des Fundraisers gleichzieht.
Die Olimoleague findet über die gleiche Plattform wie das vorige Beispiel von CarbotAnimations statt. patreon.com ermöglicht es Leuten, sich als Unterstützer eines Projektes einzuschreiben, worauf sie folgend einen gewissen Betrag für jede Ausgabe zahlen – seien es Kurzfilme oder Cups.
Was, wenn das Ziel verfehlt wird?
Der Lone Star Clash 3 war wohl das bekannteste Beispiel für ein Crowdfunding-Projekt, welches seine Ziele bei weitem verfehlte. 40.000 US-Dollar waren angedacht, 7.300 US-Dollar erhielt das Projekt schließlich. Nichtsdestotrotz fand das Event statt.
Natürlich war die Qualität der Produktion folgend weit unter den Standards, welche den Spendern versprochen wurden. Ist dies akzeptabel? Sollte man für ein Projekt spenden, wenn es folgend nicht seine Versprechen hält?
Sicherlich haben hier auch die Regeln der Plattform Einfluss, auf denen der Fundraiser geschieht. Teilweise gibt es das Geld zurück, teilweise wird aus den unzureichenden Spenden umgesetzt, was möglich erscheint. Auf Indiegogo können Kampagnen zum Beispiel als „Fixed“ oder als „Flexible“ deklariert werden, sodass sich der Nutzer über die Regellage zu informieren hat.
Dies hätten auch die Spender des Projektes „The Golden Five“ tun sollen, denn das hoch gesteckte Ziel von 30.000 US-Dollar versprach eine Dokumentation der Extraklasse, welche vom polnischen Counter Strike Team des gleichen Namens handeln sollte.
Letztendlich erhielt das Projekt 540 US-Dollar, was 2% des ursprünglichen Ziels darstellt. Bei Indiegogo wurde dies jedoch als flexible Kampagne eingestellt, sodass das Geld nicht an die Spender zurück geht.
„The funds from Indiegogo will be used to cover travel costs and the cost of our crew. We need a few camera operators to shoot at one time (when players have online training at home, at the tournament – to film both the players and reaction of their parents, girlfriends, etc). The most important cost will be to finish shooting. The rest, editing, fragmovies and postproduction, I will be able to collaborate with friends.“ – Dies will der Filmemacher nun mit 540 US-Dollar anstellen.
Mehr Geld – besseres Produkt?
Auch wenn das International in diesem Jahr die Industrie mit Aufmerksamkeit und Euphorie beglückte, ist es nicht abzustreiten, dass das Turnier einige Zuschauer enttäuschte. Die Produktion war in Anbetracht des phenomenalen Preisgeldes vor allem in den ersten Phasen des Turnieres nicht gerade pompös. Hier kündigt sich ein essenzielles Problem des Crowdfundings für Events an: Die Bezahlung erfolgt vor Betrachtung des Produktes und weit übertroffene Ziele des Fundraisers lassen die Qualität des Produktes meist nicht proportional mit ansteigen.
Sicherlich ist die Verpflichtung zu Qualität im Falle des Internationals nicht das Schlimmste – schließlich war es den Unterstützern bereits Gegenwert genug, die Boni des Compendiums zu erhalten. Für andere Projekte ist dieses Konzept allerdings gefährlich.
Blickt man auf das Finale der Nation Wars II, welches in der vergangenen Woche in Paris stattfand, so wurden mit einem Crowdfunding via KissKissBankBank über 165.000 Euro gesammelt, wobei dies 114% des ursprünglichen Ziels sind.Natürlich waren an diesen Spenden zum Großteil internationale Fans beteiligt, denen der Cast durch Day[9] und Khaldor geboten werden sollte. Im Laufe des Turniers stellte sich dann allerdings heraus, dass die Zielgruppe des Events nicht wirklich die Allgemeinheit der Spender repräsentierte.
Die Kommentatoren vor Ort sprachen französisch und für die internationale Zuschauerschaft wurde ein Stream bereitgestellt, auf dem die Kommentatoren von zu Hause aus in einem Skype-Telefonat sprachen. Dazu wurde das Bild des Streams abseits der Ingame-Szenen von dem französischen Livestream abgegriffen. Es war so nicht zu vermeiden, dass die feiernde Menge vor Ort nur im Zusammenhang mit den Gesprächen der französischen Caster zu hören war.
Obwohl das Event gerade von französischen Fans geliebt wurde, handelte es sich hierbei für viele der Spender also um einen Flopp, wobei zwei essenzielle Probleme herausstechen: Die Zielgruppe des Events wurde im Fundraiser nicht zureichend beschrieben und die Organisatoren waren durch vorzeitige Finanzierung nicht dazu verpflichtet, das bestmögliche Produkt für ihre Abnehmer zu kreieren.
Bekommt man, was man will?
Ähnliches war zu beobachten, als ROOT Gaming einst 25.000 US-Dollar sammelte, um ein Team-Haus zu realisieren. Damit sollten Videos, Live-Sendungen und weiterer Content verbunden sein, welche die Spieler in ihrem vermeintlichen Domiziel zu produzieren versprachen. Dass dies zu Genüge geschah, ist allerdings eher fraglich.
„Our pledge to you is to provide you with regular content, live shows and videos for you to follow our progress as we try to become the best players we can be.“ – ROOT Gaming House Fundraiser
Richard Lewis veröffentlichte zu derartigen leeren Versprechungen den bekannten Artikel „Land of Broken Promises“, welcher auch die Dokumentation „Sons of StarCraft“ anführte. Das ursprüngliche Ziel des Projekts lag bei gut 18.000 US-Dollar, insgesamt wurden über 42.000 US-Dollar gesammelt. Trotzdem wurde Ende letzten Jahres berichtet, dass für die Fertigstellung des Filmes das anfängliche Budget dreifach überstiegen wurde. Ist derartige Inkompetenz der Unternehmer vorhersehbar?
Was das ROOT Gaming Haus und die Dokumentation illustrieren, ist die Relevanz von Vertragsbindungen. Dass Unternehmer mit Crowdfunding-Projekten erst nach Bezahlung abliefern, sollte nur dann für den Spender akzeptabel sein, wenn Transparenz geboten wird. Des Weiteren sollte man nur dann guten Gewissens für derartige Projekte spenden, wenn die Akteure sich auf vorherige Produkte berufen können.Ein Paradebeispiel für eine transparente Kampagne ist das oben genannte „Destiny I“. Steven Bonnell praktizierte Nähe zur Community, als er Updates bezüglich seines Projektes auf Reddit teilte und seine Ausgaben öffentlich konkretisierte.
Wie ist eure Einstellung zu diesem Thema? Seid ihr in Anbetracht der Risiken und Fehlschläge vieler Projekte eher skeptisch oder würdet ihr jederzeit zu einem Crowdfunding beisteuern? Wobei handelt es sich für euch zudem um seriöse Projekte und wovon würdet ihr die Finger lassen?

