Wie bereits im Vorjahr heißt es im Finale der League of Legends World Championship: Korea gegen China. Star Horn Royal Clubs Jian ‚Uzi‚ Zi-Hao ist der erste und bisher einzige Spieler, der zum zweiten Mal im Finale des wichtigsten LoL-Wettbewerbs steht. Mit Samsung White wartet allerdings eine scheinbar unlösbare Aufgabe auf den Superstar und sein Team. readmore.de hat einen Blick auf die einzelnen Lanes und die Teams im Gesamtbild geworfen.
Toplane – Colas Herkules-Aufgabe
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Looper bestritt sein erstes professionelles Match im Vorjahr bei den S3WC. Seitdem kristallisierte sich heraus, dass er einen eher konservativen, unspektakulären Spielstil bevorzugt, am liebsten auf Tanks zurückgreift und in Teamfights und während der Laning-Phase durch perfekt getimte Teleports sein Team unterstützt. In diesem Jahr zeigte er aber auch, dass sein Championpool mehr als nur die typischen Metapicks beinhaltet: Looper spielte in 13 Games neun verschiedene Champions, darunter auch Toplane-Carries und Assassins (Rumble, Alistar, Ryze, Singed, Kayle, Dr. Mundo, Akali, Maokai, Kassadin). In den sieben Maps der Playoffs spielte Looper sieben verschiedene Champions. An Target-Bans gegen Looper ist für Royal Club gar nicht zu denken, denn der Koreaner überzeugte praktisch mit jedem dieser Picks und zeigte damit die beste Leistung aller Toplaner in diesem Wettbewerb.
Für Cola ist die S4WC das erste internationale Turnier. Er trat dem Team erst im Mai 2014 bei und war davor lediglich ein Amateur-Spieler. Ein Risiko, das sich für ihn und das Team ausgezahlt hat. Trotzdem kann nicht übersehen werden, dass der chinesische Toplaner klarer Underdog in diesem Matchup ist. Seine insgesamt soliden Leistungen beinhalteten auch einige schwache Matches, wenn es für Royal Club generell nicht lief. Insbesondere dann kam seine Soloqueue-Mentalität hervor, wenn er in gewissen Situationen ohne Vision zuviel Aggressivität zeigte und dafür bestraft wurde. Er spielte zudem nur vier verschiedene Champions im Turnier (Ryze, Maokai, Irelia, Rumble) und war selbst auf diesen leistungstechnisch nicht auf dem Niveau eines Looper. Vor Cola steht eine große Aufgabe und er muss sehr aufpassen, dass er nicht von seinem Gegenspieler in den Schatten gestellt wird.
Jungle – Der wiedergeborene gegen den neuen Gott
Nach seinem Ausflug auf die Position des Toplaners kehrte inSec im Frühjahr in den Jungle zurück – zunächst erfolglos. Im SKT LoL-Masters Turnier hatte inSec die niedrigste KDA aller Jungler und sein Team, die KT Bullets, verloren sechs ihrer sieben Matches. Anschließend ging inSec nach China und trat dem neu geformten Team um Superstar Uzi bei. Eine Entscheidung, die sich spätestens in den letzten Wochen als richtig herausstellte. Uzi und inSec teilen eine Leidenschaft für einen aggressiven Spielstil, was in dem Fall beiden zugute kommt, denn auf diese Weise funktioniert das Team, das aufgrund der Sprachbarriere eigentlich nicht funktionieren dürfte. Dass inSecs Mechanics immer noch auf einem Top-Niveau sind, zeigte er stets. Außergewöhnliche Picks wie Fiddlesticks und Pantheon im Halbfinale gegen OMG machen ihn zu einem gefährlichen Gegner.
Auf der anderen Seite steht er jedoch dem konstantesten Jungler der letzten zwei Jahre gegenüber. DanDy, der auch als der „Prince of Thieves“ bekannt ist, da er mit einer unglaublichen Regelmäßigkeit Dragons und Barons stealen kann. Alles, was DanDy im Jungle anpackt, wird scheinbar zu Gold. Er sah sich erst im Halbfinale gegen Angstgegner Samsung Blue „gezwungen“, seinen gefürchteten Rengar auszupacken, mit dem er in Korea bereits einige Matches alleine gecarried hat. Eine seiner großen Stärken ist seine Fähigkeit, sich in den gegnerischen Jungler hineinversetzen zu können und ihn wie ein Buch zu lesen – resultierend in spielentscheidenden Counter-Ganks. Zurzeit ist KaKAO vermutlich der einzige Jungler, der auf dem Niveau von DanDy spielt. inSec bewies bei diesem Turnier, dass er immer noch bzw. wieder ein sehr guter Jungler ist, aber mit DanDy steht er einer Übermacht entgegen.
Midlane – PawN will Fakers Thron
PawN machte nach dem S3WC auf sich aufmerksam, als er im koreanischen WCG-Qualifier Faker in der Lane besiegen konnte und mit Samsung Blue gegen SK Telecom T1 K gewann. Nach dem Winter-Split in Korea tauschte er mit Samsung Whites damaligen Midlaner dade die Plätze, woraufhin sich beide Teams verbessern konnten. PawN gilt eigentlich, ähnlich wie Looper, als eher passiver und konservativer Laner. Das Kunststück, Faker im 1v1 zu killen, gelang ihm 2014 mehrere Male. Bei den S4WC zeigte er, mit Ausnahme der ersten Partie gegen EDG, Top-Leistungen auf diversen Champions. Insbesondere mit Jayce, Yasuo und Fizz brillierte er. Letzterer ist zudem ein Pocket-Pick für PawN, der vor seiner professionellen Karriere als Fizz-Spieler bekannt war und auch in seiner Rookie-Season in Korea damit glänzen konnte. PawN zeigte ohne Zweifel die beste Leistung aller Midlaner bei diesem Turnier und greift nun nach Fakers Thron als bester Spieler der World Championship.
Royal Clubs corn trat dem Team zum gleichen Zeitpunkt wie Toplaner Cola bei. Auch er kam von einem Amateur-Team und konnte nur wenig Erfahrung aufweisen. Seine besten Leistungen bei diesem Turnier zeigte er mit Orianna und Lulu, wobei auch Fizz zu seinen meistgespielten Champions gehört – womit dieser zu einem heiß umkämpften Pick im Finale werden könnte. Wie groß der Unterschied zwischen den beiden Midlanern ist, zeigt die GPM-Statistik deutlich: PawN erspielte sich in den Matches der S4WC durchschnittlich 446 Gold pro Minute, corn hingegen lediglich 331. Auf keiner anderen Position ist die Diskrepanz so groß. Trotzdem ist corn ein wichtiger Bestandteil seines Teams und an 72% aller Kills von Royal Club beteiligt gewesen – was vermutlich auch an der Auswahl von Utility-Midlanern liegt. corn muss eine solide Leistung zeigen und die beiden Playmaker inSec und Uzi unterstützen, soweit es geht, um mit Royal Club eine Chance auf den Titel haben zu wollen.
Bottomlane – Clash of the Titans
Das wohl am meisten herbeigesehnte Matchup im Finale dürfte das Aufeinandertreffen der beiden Botlanes imp-Mata und Uzi-Zero sein. Seit Madlifes Leistungseinbruch gilt Mata als der neue Support-Gott und bewies dies im Jahr 2014 eindrucksvoll. Sein Championpool ist überdurchschnittlich groß und er ist in der Lage, mit jedem Champion spielentscheidende Aktionen zu bringen. Insbesondere seine Vision-Control und seine präzisen Shotcalls sind hervorzuheben, die ihn zu einem der besten LoL-Spieler aller Zeiten machen. Mata kann alles spielen und bekundete außerdem während der Gruppenphase in Taipei seine Sympathien für Gnar als Support-Pick…
Mata ist der perfekte Partner für einen aggressiven, manchmal auch arroganten AD-Carry wie imp. Im Laufe des Jahres stellte imp seine Fehler größtenteils ab und konnte bei diesem Turnier, mit großer Hilfe von Mata, zwei Pentakills verbuchen. An seinen Mechanics scheitert es definitiv nicht, denn die wohl einzig nennenswerte Schwäche von imp ist sein übergroßes Ego, das ihn in der Vergangenheit einige sicher geglaubte Matches fast noch wegwerfen ließ.
Auf der anderen Seite steht die koreanisch-chinesische Botlane von Royal Club, die bereits in der LPL überzeugte und im gesamten Turnier eine starke Leistung zeigte. Superstar Uzi, der als erster Spieler überhaupt zum zweiten Mal in einem Finale der World Championship steht, hat mit Ex-KT Rolster Spieler Zero einen passenden Partner für seine teilweise wahnsinnigen Aktionen gefunden. Diese scheinbar wahnsinnigen Aktionen entpuppten sich meistens als geniale Spielzüge, mit denen Uzi fast im Alleingang ganze Matches entscheiden konnte. Trotz der Sprachbarriere konnte er sich dabei stets auf Zero verlassen. Der ehemalige Jungler avancierte nach seinem Weggang aus Korea auf Anhieb zum besten Support-Spieler der chinesischen LPL und hat maßgeblichen Anteil am Erfolg des Teams. Sein Champion-Pool ist allerdings deutlich kleiner als der von Mata, doch solange Zero an Thresh, Janna oder Nami kommt, besteht eine große Chance, dass die Bottomlane von Royal Club ins Rollen kommt.
Nach der Laning-Phase – oder: Samsung Whites fast sicherer Erfolg
Dass imp, der zu den drei besten AD-Carries der Welt gehört, vermutlich die „schwächste“ Leistung seines Teams erbrachte, zeigt deutlich, wie luxuriös das Lineup von Samsung White besetzt ist. Mit Abstand die wenigsten Fehler, die präzisesten Shotcalls und Rotations, die beste Vision-Control, die besten Teamfights und Teamcompositions zu haben, spricht Bände. Samsung White ist dominanter, als Vorjahressieger SK Telecom T1 K es war. Beim Betrachten der Matches von White konnte der Zuschauer nahezu von Perfektion sprechen. Die Koreaner zeigten, dass sie zurzeit in ihrer eigenen Liga spielen und können sich im Finale gegen Star Horn Royal Club praktisch nur selbst schlagen – was sie in der Vergangenheit immer wieder getan haben. Der letzte Titel geht in die Spring-Season 2013 zurück, als das Team, damals noch als MVP Ozone, im Finale von OGN Champions als klarer Außenseiter CJ Entus Blaze mit 3:0 schlagen konnte. Seitdem scheiterte White immer wieder kurz vor dem Ziel. Ob den Spielern die Nerven versagten, wenn es drauf ankam, werden nur sie wissen. Dieses Mal ist jedoch klar, dass sie perfekt vorbereitet und zu 100% entschlossen sind, die Schmach vom Vorjahr vollständig vergessen zu machen.
Gegner Royal Club könnte man als sehr hochwertiges One-Trick-Pony bezeichnen. Das koreanisch-chinesische Lineup kennt nur ein Motto: „Go ham or go home“. Egal, ob das Team 10.000 Gold Vorsprung oder 15.000 Gold Rückstand hat, die Spieler um die beiden Super-Aggressoren inSec und Uzi geben stets Vollgas. Mit dieser Brut-Force-Taktik gelang ihnen aufgrund ihrer außergewöhnlichen Mechanics sogar der Einzug ins Finale, doch gegen einen Gegner wie Samsung White wird dies nicht genug sein. Gegen die komplexe Spielweise von White ist eine außergewöhnliche Kommunikation im Team nötig, die bei Royal Club nicht vorhanden ist bzw. sein kann. Dies werden die Mannen um Uzi, der sich nach dem 3:2-Erfolg gegen OMG im Halbfinale sehr glücklich zeigte, auch selbst wissen.
Im Vergleich zu Royal Club ist Samsung White unvorhersehbar und der Titel würde praktisch einem Wunder gleichen. Jeder Mapgewinn für die Chinesen wäre bereits ein großer Erfolg. Um diesen zu erreichen, muss das Team eine frühe Führung, beispielsweise durch einen unvorhersehbaren Level 1 Fight oder perfekte Ganks von inSec, mit entsprechenden Midgame-Picks effektiv snowballen, um am Ende nicht völlig chancenlos darzustehen. Eine Best-of-Five-Series verlor Samsung White im Spring- und Summer-Split nur gegen Samsung Blue. Bei den Season 4 World Championship bewältigten sie diese große Hürde mit Bravour und die Tür zum großen Titel steht ihnen nun weit offen.