SK Gaming hat ein neues Team unter seine Fittiche genommen. Nun zählt Vainglory auch zu ihrem Repertoire und mit den Spielern, die ehemals unter dem Label R3D spielten, hofft die Organisation, einen Schritt nach vorne zu machen. readmore.de hat sich mit Alex Müller über das neue Team und die allgemeinen Pläne zum eSport unterhalten.
Wie kam es zu der Entscheidung, sich nach Vainglory zu erweitern?
Alexander Müller: Ich hab beim eSport Summit in Berlin Martin kennen gelernt und während wir zusammen in einem Panel saßen, hat er von Vainglory erzählt, was ich sehr interessant fand. Vainglory war vorher schon auf meinem Schirm und dann hat die Chemie irgendwie gestimmt.
Daraufhin habe ich Martin nach Köln eingeladen und ihm gezeigt, wie unsere Vision aussieht. Wir haben darüber geredet, wie man zusammen arbeiten könnte und sind schnell auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. So sind wir nun im Bereich des Mobile-Gamings mit Vainglory vertreten.
Tatsächlich stellen sich viele solcher Chancen einfach im Gespräch mit anderen Leuten heraus. Die Frage ist eigentlich immer nur, ob man daraus mehr machen kann, als es schon ist, und ob es in die eigenen Konzepte passt. Mobile-Gaming ist ein sehr attraktiver Markt derzeit.
Lag es nur an dem Gespräch mit Martin, dass ihr euch für R3D entschieden habt?
Natürlich hat das zur Entscheidung beigetragen, dass ich mit ihm direkt in Kontakt stand, aber R3D hat mit beiden Teams auch mehrmals die Finalspiele diverser Turniere erreicht. Sie zeigen so eine gewisse Dominanz im Spiel und im Endeffekt ist das auch, was wir wollen. Sie sagen nicht, dass sie nur antreten und dabei sein wollen, sondern ihr Ziel ist es, zu gewinnen. Wir glauben, dass so die Chancen, in Europa auf dem Treppchen zu stehen, höher sind.
Bei SK steht also der Sieg schon im Vordergrund, richtig?
Ja, natürlich. Sonst macht es nicht viel Sinn, am Wettbewerb teilzunehmen. Es gibt natürlich auch Organisationen, die mehr Wert auf den Spielspaß legen. Irgendwo ist das auch eine Gradwanderung. Wir haben z.B. 2002 unsere erste Weltmeisterschaft in Counter-Strike gewonnen und haben derzeit über 50 Titel an unserem Gürtel hängen, da hat man irgendwann nur noch mehr Hunger. Man versucht nicht mehr nur Mittelmaß zu sein, sondern greift direkt oben an und ist enttäuscht, wenn es nicht klappt.
Sollte sich in nächster Zeit ein weiterer vielversprechender eSport auftun, würdet ihr dort auch expandieren wollen?
Das kommt darauf an, die Gesamtkonstellation muss dabei stimmen. Bei diesem Team waren wir sehr von den Spielern überzeugt. Wir sind zudem vom Spiel überzeugt, wobei allein die riesigen Zahlen für sich sprechen. Und der Developer hat es uns extrem angetan, da die Menschen dort direkt von Anfang an die richtigen Schritte im eSport gehen. Sie versuchen nicht, ihr eigenes Ding zu drehen und machen dabei die Fehler, die viele andere gemacht haben, sondern schnappen sich die richtigen Partner. Ich meine, wer die ESL als Dienstleister für Turniere Europa und Nordamerika dazu holt, hat seine Hausaufgaben schon gemacht.
Wie sieht du generell die Zukunft vom Mobile-Gaming, auch im Wettbewerb?
Es ist ein spannender neuer Markt. Wir kommen aus dem PC-Bereich und haben das 16 oder 17 Jahre gelernt, so wie auch viele andere. Dementsprechend muss man den einen oder anderen noch überzeugen, dass der Bereich Touch- und Mobile-Gaming genauso abgehen kann. Ich glaube aber, dass die Reichweite in diesem Markt eine unglaubliche Größe hat. Beim PC ist das immer etwas abschreckend, da man viel Zeit investieren muss und alles stationär ist. Beim Smartphone oder Tablet kann ich auch schnell zwischendurch ein Match spielen, dann vielleicht nicht im Wettbewerb, aber die Masse an Menschen, die man auf lange Sicht erreichen kann, ist viel größer. Am Ende wird das aber sowieso alles verschmelzen.
Sind bei Vainglory denn schon etablierte Coaches dabei?
Wir haben jetzt drei Teams übernommen und jedes hat sein eigenes Staff mit Analysten und Coaches. Anders als in League of Legends sind die Coaches noch mit viel mehr Herzblut dabei und bringen viel Idealismus mit. Da wird nicht zuerst die Hand aufgehalten für den Scheck. Sie wollen das Spiel weiter aufbauen und bringen viel Eigenes mit, dabei sind sie aber unglaublich seriös.
Bei Vainglory gibt es nur drei Spieler. Viele Games haben häufig fünf Spieler in einem Team sowie mindestens einen Auswechselspieler. Wie wirkt sich die Teamgröße aus?
Ich glaube schon, das die 5v5 Komponente sehr gut ist. Wenn man sich überlegt, bei einem 3v3-Spiel zwei Auswechselspieler zu haben, dann kann relativ schnell zwischen zwei Matches umgestellt und z.B. auf eine defensivere Strategie gewechselt werden. Wenn man einen Spieler hat, der eher aggressiv spielt, man aber eher defensiv spielen möchte, dann stehen einfach noch zwei weitere Spieler zur Verfügung, die eingebaut werden können. So etwas bietet mehr Chancen für Strategiewechsel. Ich finde es gut, dass es ein 3v3-Format ist, bei dem man mehr Chancen zum Auswechseln hat.
Oft vergleicht man im eSport ein Spiel mit einem anderen, bereits etablierten. Mit welchem würdest du Vainglory eher vergleichen?
Es ist ja definitiv ein MOBA, zwar mit einer kleineren Map, nur einer Lane und einem Jungle, aber nichtsdestotrotz hat man die drei Hauptpositionen, die es ausmachen. Natürlich kann man auf einem kleineren Touchscreen auch nicht mehr darstellen, das würde dann zu unübersichtlich werden. Vainglory hat da den richtigen Mittelweg gefunden, indem es das Spiel vereinfacht und verkleinert hat, aber trotzdem kompetetive Aspekte geschaffen hat. Ich würde nicht sagen, dass es Dota, LoL oder Heroes am ähnlichsten ist. Es ist sein eigenes Spiel.
Gibt es bestimmte technische Voraussetzungen, die man mitbringen muss, oder ist es wirklich persönliche Präferenz, ob man am Smartphone oder Tablet spielt?
Ich glaube, dass man das generell nicht sagen kann. Wenn man an die alten Zeiten denkt, bei denen die russischen Quake-Spieler lieber kleinere Monitore nahmen und große herunterskalierten, während sie die Tastatur auf den Beinen und nicht auf dem Tisch hatten, dann wirkt das zwar ineffizient, aber sie haben immer so gespielt. Ob das dann persönliche Vorlieben sind, kann man nicht genau sagen, denn sie hatten weder einen Vorteil, noch einen Nachteil dadurch, es ist wohl eher Gewohnheit. Bei der Frage nach Smartphone oder Tablet ist es wohl das Gleiche. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand auf einem Smartphone Weltmeister wird, da wird wohl eine größere Bildschirmgröße benötigt.
Sind gleich drei neue Teams anstelle von einem ein deutlicher Mehraufwand?
Natürlich ist es das, aber mit Martin und Arthur sind direkt zwei Manager mit im Boot. Andererseits müssen unsere Leute, die Reisen organisieren, jetzt mehr im Auge haben. Die Community-Manager müssen die neuen Teams mit einplanen und so weiter. Es ist also schon mehr Arbeit, schließlich nutzen die Teams jetzt unsere Ressourcen. Aber sie sind vollständig mit Manager und Coach, demnach packen wir das sehr gut.
Wie sehen die allgemeinen Pläne für SK in Zukunft denn aus? Wie ist die Balance der Teams?
Was wir grundsätzlich gemacht haben ist ein klarer Schnitt. Wir haben viel aus dem, was in den letzten zwei bis drei Jahren in League of Legends passiert ist, gelernt. Dort wurden von uns ganz unterschiedliche Entwicklungen hervorgerufen, die wir selbst aktiv angestoßen haben und das Ende vom Lied ist, dass wir in der Relegation gescheitert sind. Das ist natürlich unglücklich, aber wir wissen ungefähr, woran es lag.
Das werden wir in Zukunft dann abstellen. Wir möchten keine Spieler mehr bei SK haben, die sich im Endeffekt nicht mit dem Team identifizieren. Wer auf uns zukommt und bei uns spielen möchte, der muss das auch wollen und SK stolz auf der Brust tragen. Sie sollen uns nicht nur als Sponsor sehen. Wir sind da familiärer aufgestellt und man sieht besonders an unseren Hearthstone-Spielern, dass das wahnsinnig gut funktioniert. Allerdings ist es bei ihnen nicht so unglaublich wichtig, dass sie die Turniere gewinnen. Dafür haben sie einen richtig guten Zusammenhalt und sind somit auch ein Aushängeschild für SK Gaming. Es ist die Art, wie sie miteinander umgehen und auch mit dem Spiel und anderen Teams.
Das ist dann der Punkt, an dem andere Teams ein wenig zu SK schielen und sagen: „Ey, das ist eigentlich ziemlich cool, was die an Teamgedanken miteinander haben.“ Darauf setzen wir dann verstärkt auch bei anderen Teams von uns.
Heißt das es gibt ein neues League of Legends-Roster?
Wir planen ein neues Squad, denn wir wollen definitiv die Challenger Series spielen. Leider können wir den Slot, den wir „gewonnen“ haben, in der Relegation nicht nutzen, da wir nicht drei der Spieler vom letzten Split unter Vertrag behalten werden. Das ist eigentlich eine verkorkste Regelung, aber das können wir nicht ändern und müssen uns damit auseinandersetzen. Aber ich denke, dass wir mit einem neuen, guten Lineup durch die Challenger Series spielen können.
Mit Blick auf die derzeit laufenden Smite Super Regionals: Werdet ihr in das Spiel noch einmal expandieren?
Naja, Smite ist ebenfalls sehr interessant, auch, weil der Developer dort viel für den eSport tut. Wir hatten unser Team dort und sind Europa-Meister bei der World Championship geworden, aber leider ist das passiert, was man so häufig als Fehler macht: Man diskutiert nicht über Geld, bevor man zur Weltmeisterschaft fährt, sondern danach. Das hat natürlich Probleme aufgeworfen und auch wenn ich glaube, dass das Team Potential hatte und wir mit ihnen hätten weit kommen können, haben sie sich für Fnatic entschieden, was natürlich in Ordnung ist. Wenn die Erwartungshaltungen auseinander gehen, trennt man sich eben geordnet voneinander.
Wenn mousesports der deutsche Traditionsclan ist, der immer deutsche Spieler im Lineup hat, wo seid ihr dann positioniert?
Wir haben schon immer internationale Spieler aufgenommen und legen nicht so viel Wert darauf, vorzugsweise deutsche Spieler zu haben. Allerdings ist SK Gaming eine deutsche Organisation und wir sitzen in Köln, also sind auch die Teams in Köln. Wir haben unser Office hier und werden im nächsten Jahr 500 m² eSport-Arena dazu nehmen, wodurch wir unsere Infrastruktur deutlich verstärken. Spieler, egal woher sie kommen, werden über kurz oder lang hier spielen.
Es wird dort zwei sehr große Trainingsräume und einen Analyseraum geben. Natürlich kann das auch dazu führen, dass wir mal einen Gegner hierhin einladen und dass es dort ein LAN-Spiel geben wird. Allerdings haben die Spieler auch ihren eigenen Trakt als Rückzugsort, um mal die Seele baumeln zu lassen. Inwieweit wir die Trainingsräume der Presse öffnen, wird man sehen. Sollte man beispielsweise eine Online-Liga haben, bei der sich die Teams aber hier in den Räumlichkeiten treffen, kann man sicherlich Medien dabei haben.