Jeppe ‚Trixtank‘ Gylling ist der Captain von Team Paradigm, welche am Sonntag das Finale der Smite EU Regionals für sich entschieden und sich somit den ersten Seed und einen Platz im Viertelfinale der World Championships sicherten. readmore.de hat ihn zu den Strategien der letzten Spiele und den Gründen für ihren Erfolg befragt.
Hast du geglaubt, dass ihr die komplette Series spielt oder eher ein schnelles 3:0 schafft?
Trixtank: Wir haben gegen Fnatic gespielt, welche zuvor mit Epsilon gescrimmt haben, und 3:0 gewonnen. Wir dachten, sie sind auf etwa dem selben Level und das hat dem Team ziemlich viel Selbstbewusstsein gegeben. Wir konnten außerdem die Pick & Bans gegen London Conspiracy beobachten, was uns die Möglichkeit gab, bereits über Counter-Picks nachzudenken.
Und dann kam He Bo Plötzlich.
Oh ja, das war nicht witzig. Im Grunde hatten wir entschieden, dass wir gerade ein Spiel gewonnen hatten und dann eher auf das Late-Game setzen wollten, aber das haben sie gegen uns verwendet. Sie wählten dann viele Götter fürs Early-Game und gerade He Bo hat in dem Spiel viel ausgemacht. Er hat uns wirklich die Hölle heiß gemacht, aber dafür haben sie ihn schließlich gewählt.
Damit waren die Überraschungen aber nicht vorbei, als im letzten Spiel Nox kam?
Trixtank: Das war besonders fies. Ich glaube, dass der gestohlene Red-Buff und die Gold Fury es uns deutlich einfacher machten, da wir mehr Gold hatten und dadurch mehr Items kaufen konnten. Aber die Nox-Serqet Kombo ist wirklich stark. Gerade als Support ohne Purification Beads kann man von ihnen einfach one-shotted werden. Wir haben den Pick überhaupt nicht erwartet, aber im Late-Game scheitert sie durch ihre langen Cooldowns, also haben wir einfach nur versucht, lange durchzuhalten.
Habt ihr denn generell den ein oder anderen Überraschungs-Pick erwartet?
Trixtank: Ja schon, denn beide Teams haben sich schon für die Worlds qualifiziert und dadurch haben wir alle nochmal Strategien aus unseren Taschen gezogen. Der Thor-Support von mir gehörte auch dazu, funktionierte aber nicht so gut. Wir haben das gemacht, obwohl es natürlich wichtig für uns war, zu gewinnen. Man ist selbstbewusster, denn selbst wenn man verliert, ist es okay. Wir gehen trotzdem zu den Worlds. Gleichzeitig können diese Strategien aber wirklich gut funktionieren, also ist das eine Chance, sie auszuprobieren.
Wolltest du noch eine andere Strategie ausprobieren, oder habt ihr alles gemacht, was noch auf der Liste stand?
Trixtank: Ich wollte wirklich gerne den Falken von Sun Wukong ausprobieren. Indem wir viele Supports gebannt haben, konnten wir einen Warrior auf der Rolle spielen und das hat ihn erst ermöglicht. Wir haben Einiges ausprobiert, aber auch noch Einiges in Petto für die Worlds. Wir werden noch mehr an den Strategien arbeiten und sicherstellen, dass sie wirklich funktionieren.
Bis zu den World Championships kommt mindestens noch ein Patch, vielleicht sogar zwei. Bleiben eure Strategien dieselben oder werdet ihr sie evaluieren?
Trixtank: Es wird noch ein neuer Gott hinzukommen und vielleicht auch freigeschaltet, also wissen wir noch nicht alles ganz genau. Je nachdem, wie stark er ist, wird sich die Pick & Bann-Situation ändern oder eben nicht. Ich glaube es wird ein ganz anderes Meta.
Durch den Sieg im Finale seid ihr als Erste geseedet und zieht direkt in das Viertelfinale ein. Wie groß ist der Vorteil für euch?
Trixtank: Das ist wirklich groß. Als erstes sieht man, gegen wen man wahrscheinlich spielen wird. Dazu gehört, auch ihre Matches gegen andere Teams zu verfolgen. Besonders die Pick- & Bann-Phasen sowie gewisse Regelmäßigkeiten werden schnell deutlich und man kann sich darauf vorbereiten. Wir sind auf jeden Fall dort auch eine Runde im Preisgeld weiter. Schon die 15.000 USD Unterschied hier machen viel aus, bei den Worlds wird das noch mehr.
Wie war der Wandel von Trig, welche erst sehr viel investierten und dann einen Skandal auslösten, zu einem selbstständigem Team?
Trixtank: Wir hatten einige Sponsoren und mussten dann immer schauen, wie die Gewinne aufgeteilt würden und wer wie viel Gehalt bekam, das war nicht so einfach. Als der Skandal von Trig ans Licht kam, wurden wir alle für etwa 3 Monate nicht bezahlt.
Wir haben Paradigm mehr aus Spaß an der Sache gegründet und weil wir einen Namen für die SPL gebraucht haben, aber es funktioniert erstaunlich gut. Uns haben verschiedene Leute geholfen und es gibt Leute, die das Business im Hintergrund am laufen halten, sodass wir uns auf das Spielen konzentrieren können.
Im Vergleich zu anderen eSport-Organisationen wird den Spielern und Coaches ihr Anteil am Preisgeld direkt ausgezahlt, anstelle es den Team zu überweisen. Macht sich das sehr bemerkbar?
Trixtank: Für uns als nun eigenständiges Team ist das nicht mehr so viel Unterschied, da es quasi nur uns Spieler gibt. Jeder Spieler bekommt das Geld, was er braucht. Es müssen keine Verträge mit den Sponsoren getroffen werden, um ihren Anteil zu bestimmen und es verspätet sich auch nicht.
Die Smite-Szene wächst konstant weiter und gerade der Xbox One-Release hat sehr dazu beigetragen. Denkst du, dass die Xbox-Szene den PC-Anteil überholen wird?
Ja, sehr wahrscheinlich sogar. Ich denke es liegt aber vor allem an dem Wettbewerbs-Aspekt, dass mehr Spieler kommen. Man kann das an Fußball gut sehen. Es gibt einfach ein Spiel, dass man sehr mag und dann will man natürlich besser werden. Sie werden aber auch Spaß daran haben, es zu schauen, bei eSport-Events zum Beispiel. Ich glaube nicht, dass nur durch die Casuals an der Konsole die Zahlen steigen.
Was bedeutet es für euch, zu den Worlds zu fahren?
Trixtank: Wir waren wirklich enttäuscht bei den letzten Regionals, weil QvoFred, Lawbster und ich so lange schon zusammen gespielt haben und wirklich hart dafür trainierten, es aber nicht zu den Worlds schafften. Wir haben uns dann von LAN zu LAN gesteigert. Erst haben wir komplett verloren und hier sind wir jetzt Erste geworden. Ich denke die große Motivation war, dass wir das Ziel wirklich fest vor Augen hatten und uns darauf fokussiert haben.
Glaubst du eure LAN-Erfahrung hat euch den Vorteil über Epsilon gegeben?
Trixtank: Eher nicht. Wir haben auch mit 16 gegen die großen Spieler von Dignitas damals gewonnen, obwohl die eine Menge LAN-Erfahrung hatten. Es geht wirklich nur darum, wer das Meta erkennt.
Für mich macht es auch keinen großen Unterschied, ob ich vor Publikum bin oder nicht. Sobald ich im Spiel drin bin, hört mein Herz auf, so schnell zu schlagen und ich bin nicht mehr nervös. Ich bin entspannt und lasse mich von dem, was kommt, leiten.
Du sagtest ihr seid als Team schon lange zusammen, zumindest drei von euch. Bei Titan war es der Spielerwechsel, der das Team schlechter gemacht hat, aber es ist nicht klar ob es das Spielerische oder das Menschliche war. Was meinst du?
Trixtank: Naja bei uns ist das so: Funballer meint, wir sind richtig gut auf LAN-Events. Als wir damals noch GameHunter im Team hatten, war das etwas anders. Wir kamen mit ihm aus, aber er wollte nicht wirklich viel mit uns zu tun haben, kam zum Beispiel nicht mit zu gemeinsamen Essen. Als wir unser eigenes Team aufgezogen haben, war es besonders wichtig, dass wir uns alle verstehen – wie man sieht funktioniert das. Xaliea und Funballer sind tolle Leute und zudem noch sehr gute Spieler in ihren Techniken. Ich persönlich glaube, es liegt mehr am zwischenmenschlichen, als am spielerischen Aspekt. Wir tilten durch diese Synergie auch nicht so sehr. *lacht*