Wie in diesen Tagen ein einziger Kader-Wechsel die komplette Team-Dynamik auf den Kopf stellen kann, zeigte der vorgestrige Einsatz von Cloud 9 Supporter Hai 'Hai' Lam.
Noch am Vortag verzichteten Nicolaj 'Jensen' Jensen & Co. auf den Einsatz des dreifachen Weltmeisterschaftteilnehmer, woraufhin sie sich den starken „Immortals“ geschlagen geben mussten. Mängel waren im Spiel von Cloud 9 vielerorts vorzufinden, das Fehlen vom Team-Kapitän deutlich zu spüren.
Als Shot-Caller hinterließ er eine schlicht schwer zu schließende Lücke, womit das Trainerteam im zweiten Anlauf des LCS-Starts auf den großen Sicherheitsfaktor Hai zurückgriff. Gegen Echo Fox demonstrierte er dann eindrucksvoll, wie ein auf wackeligen Beinen stehendes Team durch eine feste Säule stabilisiert werden kann.
Entschlossenheit und Timing sind wesentliche Einflüße, die bei der Koordination einer Startaufstellung eine wichtige Rolle spielen. Bei Cloud 9 wirkte Hai Wunder, doch in Anbetracht der Neufindung vieler Teams ist diese besonders jetzt noch weitgehend unterentwickelt und bedarf viel Zeit und Hingabe, um den Teamkonsens herzustellen. Zeit, die auch das um Henrik 'Froggen' Hansen aufgestellte Team Echo Fox in genau diesem Bereich investieren wird.
Neben der guten Abstimmung seitens Cloud 9 zeigte das von Rick Fox formierte Team nämlich große Schwächen in puncto Zusammenarbeit. Besonders in der frühen Spielphase, in der Cloud 9 Jungler Lee 'Rush' Yoon-jae der Antrieb für die C9 Lanes bedeutet, fehlte die defensive Sicht seitens Echo Fox. So hatte er leichtes Spiel, Top- und Bot-Lane ins Rollen zu bringen und dabei Froggen auszuschalten. Dieser griff nämlich wieder einmal zu seinem Lieblingsvogel Anivia, der im derzeitigen Meta zwar seine Daseins-Berechtigung erhält, allerdings relativ viel Zeit zum Skalieren benötigt.
Cloud 9 nutzte hier den Vorteil von Twisted Fate, der durch seine globale Präsenz die seitlichen Lanes unter immensen Druck stellte. Hinzu kommt die stetig präsente Gefahr durch den Einsatz von Teleport, welchen Top-Laner An 'Balls' Le bei sich trug. Der kluge Gebrauch beider Mittel verpasste Echo Fox hier den Gnadenstoß.
Was nicht ist, kann ja noch werden
„Potential“ lautet eines dieser Schlagwörter, welches zu Beginn des LCS-Wochenendes oftmals fiel. Dass Froggen & Co. jene innere Kraft noch nicht voll ausschöpfen konnten, war abzusehen. Aber wo liegen nun mögliche Ansätze für Verbesserungen?
Da wäre zum einen Top-Laner Park 'kfo' Jeong-hun, der zwar um den Einsatz von defensiver Sicht bemüht war, aber nicht den nötigen Abstand hielt, als sein Top-Lane Korridor ergraute. Sekunden später stand schon Rush gnadenlos vor seiner Tür und bestrafte ihn für fehlende Umsicht. Gerade weil sich Jungler Hard auf der anderen Seite der Karte befand, hätte er in dieser Situation viel passiver spielen müssen.
Dass kfo in der Folge nicht mehr starb, ist zum einen der Natur Lissandras zu verdanken – aber auch seiner erst spät geweckten Vorsicht vor der Gefahr des gegnerischen Junglers. So platzierte er erst nach seinem Tod konsequenter die nötige Sicht für Echo Fox. Aber auch sein Gebrauch vom Teleport-Zauber war verbesserungswürdig. Knackpunkt ist hier die wohl noch nicht ausgereifte Kommunikation des Teams, und auch das Sprachverständnis seitens kfos. Diesem steht derzeit aufgrund von fehlenden Englischkenntnissen eine Barriere im Weg, die sich aber mit der Zeit auflösen sollte.
Mit der Zeit sollten auch die von Jungler Hard forcierten Ganks eine höhere Qualität gewinnen. Diese sahen oftmals mehr gewollt, als gekonnt aus – und standen gleich zwei Mal mit mäßiger Erfolgsaussicht da, weil er sich über die Zustände seiner Laner nicht bewusst wurde. Wieder einmal zeigt sich für ein Echo Fox-Mitglied fehlende Umsicht für das direkte Umfeld, welcher er sich zu Nutzen hätte machen können.
Daneben zeigte Hard aber auch einige Bemühungen. Diese waren zwar reaktiver Natur, sodass es eher Anstrengungen waren, seinem Gegenüber Rush nicht völlige Freiheiten einzuräumen. Trotzdem gab es sie, die kleinen Hoffnungsschimmer: Er sorgte für weitreichende Einsicht im gegnerischen Jungle und konnte einen erfolgreichen Gank auf der Bot-Lane hinlegen. Diese Anstrengungen in Zukunft in Präventivmaßnahmen zu transformieren, wird Hards größte Aufgabe sein.
Und auch Froggen wird an sich feilen müssen, denn viel ist nicht von der Lane-Dominanz aus dem All-Star Turnier Ende 2015 übrig geblieben. Gegen Jensens Twisted Fate schien es fast so, als würde er die 100-Minion Marke erreichen wollen, um sich hinterher feiern zu lassen – schade, dass dies nur keine Siegbedingung darstellt.
Ansonsten blieb der Star-Midlaner aus Dänemark unauffällig und schon fast mutlos. Große Plays, wie man sie sonst aus seinem Stream gewohnt ist, waren Fehlanzeige. Stattdessen reagierte er wie seine Teamkollegen kfo und Hard nur auf Aktionen von Cloud 9, wobei er immer einen Ticken zu spät kam. Auch er muss sich in dieser Hinsicht steigern, um Totalausfälle in der frühen Spielphase zukünftig verhindern zu können.
Bot-Lane setzt Akzente
Überraschend entwickelte sich die Bot-Lane von Echo Fox am Wochenende zur Konstante im Team, und auch trotz der Niederlage gegen Cloud 9 wurden von Yuri 'KEITH' Jew und Terry 'BIG' Chuong einzelne gute Signale abgegeben. So waren sie es, die zur Gruppierung des Teams anregten, um den gegnerischen Jungle zu warden und somit freie Fahrt auf den mittleren Turm zu geben.
Akzente wie diese geben Hoffnung für die kommenden Wochen. Dennoch wird es eine große Aufgabe für das Team sein, aus der Rolle des Reakteurs zu schlüpfen, um hinterher auch gegen größere Gegner als präsenter Akteur aufzutreten. Ein guter Anlass, um sich im Trainingslabor wiederzufinden und in Woche zwei Verbesserungen zeigen – so zumindest sieht es Rick Fox vor, der mit einem 1-1 zum LCS-Start insgesamt zufrieden scheint.
Good win @Cloud9gg Congratulations @C9Jack 1-1 for both of us after week one – back to the lab to get better for week 2
— Rick Fox (@RickFox) 18. Januar 2016

