Es ist gerade einmal der erste Tag des Shanghai Major Main-Events und schon hat sich wieder so viel Drama angestaut, dass es einer Zusammenfassung würdig ist. In dieser Ausgabe: Keine Spieler bei der Eröffnung, keine Fans beim Abschluss.
Shanghai Major und die abgesagte Zeremonie
Ein großes Turnier wie das Major verlangt nach einer großen Eröffnungszeremonie. Doch was passiert wenn man der Hälfte des Staffs vorher mitteilt, dass sie abgesagt wird? In Shanghai bedeutete das große Verwirrung, Kommunikation über Tweets und am Ende eine leere Arena.
Im Grunde genommen gab es nur zwei Elemente: Den chinesischen Host, der das Event ankündigte und ein paar Worte sprach, und darauf folgend die Vorstellung aller teilnehmenden Teams (mit falsch geschriebenen Namen) in vollständiger Anwesenheit. Und wenn wir sagen vollständig, dann meinen wir damit compLexity (an dieser Stelle Kudos an Linus 'Limmp' Blomdin, der versucht hat alle Booths abzulaufen, während sie gezeigt wurden).
Just kidding, the opening ceremony is now cancelled. From mandatory last night to optional at 715am, to this.
— Kyle (@keepingitKyle) 2. März 2016
Durch verschiedenste Aussagen über den Status der Eröffnungszeremonie, bei denen es zuerst hieß alle Teams müssten anwesend sein, dann, dass es optional sei, und zuletzt ihrer kompletten Absage, war einfach niemand da. Die Kamera schwenkte zu leeren Plätzen in der Loge, nachdem sie zuvor den Arena-Bildschirm aus den ungewöhnlichsten Winkeln gezeigt hatte. Kyle 'swindlemelonzz' Freedman twitterte außerdem, dass er zunächst nicht einmal zu seinem Platz gelassen wurde. Andere Spieler wurden dagegen um 07:30 Uhr Ortszeit geweckt, nur um zu hören, dass sie ausschlafen können, weil sie nicht gebraucht werden. So eine Eröffnungszeremonie hat bestimmt noch keiner gesehen!
Shanghai Major und die Tücken der Zeit
Wenn das Main-Event schon so holprig anläuft, kann es ja nur noch besser werden. Überraschenderweise wurde das erste Match zwischen Alliance und Team Liquid danach sofort angefangen – oder besser gesagt: Das erste Spiel. Zwischen der ersten und zweiten Begegnung in der ersten Series des Tages schlichen sich, wie aus dem Nichts, über drei Stunden Verspätung ein. Im weiteren Verlauf häuften sich diese auf über fünf Stunden an. Dass dies noch größere Folgen haben sollte, merkten die Caster bereits früh auf dem Stream an, aber keiner verstand es so recht.
Shanghai Major und die teuflischen Sounds
Schuld daran mögen die merkwürdigen Soundeffekte sein, die immer wieder auf dem Stream auftauchen. Zugegeben, auch andere User erklärten, dass sie in ihren letzten Spielen öfter diese merkwürdigen Soundeffekte bemerkten. Vielleicht ist es wirklich nur ein Fehler des inzwischen nicht mehr so neuen Reborn Source 2-Clients, aber nervig ist es trotzdem.
Shanghai Major und die Casterversorgung
So wie es den Zuschauern vor den Bildschirmen ergeht, so trifft es auch die Caster auf der anderen Seite. Bonnie, ihres Zeichens Produktions-Managerin beim Event, erklärte auf Twitter bereits, dass sie nur sehr schwer zu ärgern, aber inzwischen fuchsteufelswild sei. Sie hätte nicht einmal einen Pass, um hinter die Kulissen zu kommen.
Auch sonst hapert es an allen Ecken und Enden. Besonders die russischen Caster traf es hart. Anstatt eines Caster-Tisches und professionellen Stühlen, kommentieren sie die Games nur auf „Stühlen“. Sehr gemütlich sieht ihre Position dabei nicht aus. Doch mindestens genau so ungemütlich ist auch der Rückzugsbereich für Spieler und Caster. Wer möchte bei einer entspannten Pause zwischen den Games nicht an seine Abschlussprüfung erinnert werden? Ähnlich, aber dafür deutlich spärlicher eingerichtet, ist auch der VIP-Raum. Wenigstens haben die einen Spiegel!
The VIP room! pic.twitter.com/4f8wcodpSz
— LD (@LDeeep) 2. März 2016
Achja, und wer glaubt, die Caster hätten an ihrem Platz Internetzugang, der liegt leider falsch. Obwohl die Anschlussbuche keine 10 Meter vom Tisch entfernt war, gab es laut Techniker einfach keine Kabel, die sie dorthin legen könnten. David ‚LD‘ Gorman, seines Zeichens Caster und reddit-Witzeversteher, machte sich dann die Mühe und musste laut eigener Aussage darum betteln, ein paar Kabel und einen Switch zu bekommen. Das Verlegen übernahm er kurzerhand auch selbst.
#Hardwork #Dedication pic.twitter.com/P1mIfnLQXK
— Charlie Yang (@CharlieYang) 2. März 2016
Shanghai Major und die verlorene Tastatur
Wir haben also festgestellt, dass es den Zuschauern und Castern bisher nicht besonders gut ergangen ist. Viele technische Probleme machen den Stream zum Lagfest und schwer zu verstehen. Doch was ist mit den Spielern? Joakim 'Akke' Akterhall und Peter 'ppd' Dager sprachen sich in Tweets und Vlogs eher positiv zur Organisation aus, lobten ihre Hotelräume und die Verpflegung.
Anders erging es wohl Roman 'RAMZES666' Kushnarev. Der Team Spirit-Spieler wollte seine Tastatur für die Matches in der Arena abholen – vergebens. Von den Organisatoren hieß es, seine Tastatur sei verloren gegangen. Secrets Antwort auf das Problem sah dann so aus:

Weiterhin scheint sich das Problemem mit den Aufzügen an compLexitys Fersen gehaftet zu haben. Später am Tag stand ihr Ersatzspieler Kyle ‚Beef‘ Bautista nämlich vor einem Aufzug ohne Begleiter und einer Menge verschlossener Türen. Wir hoffen, dass er es sicher aus dem Gebäude in sein Hotelzimmer geschafft hat.
The guys that work the elevator just inexplicably left and the elevator is no longer working. I'm lost and most of the doors are locked.
— Kyle Bautista (@coL_Beef) 2. März 2016
Shanghai Major und die durchlässigen Booths
Apropos Spieler, wie stehen diese wohl zum Thema sounddurchlässige Booths? Nachdem diese als Standard bei fast jedem Event in fast jedem eSport eingeführt wurden, muss man sich ehrlich fragen, wieso dieses Problem jedesmal erneut aufkommt. Doch leider ist es Fakt, dass die Booths beim Major nicht schalldicht sind.
Hier gibt es zur Abwechslung allerdings mal einen erfreulichen Nachtrag. Inzwischen haben sich die Organisatoren darum gekümmert. Zwar kann man von vornherein schlecht aufgebaute Booths nicht nachträglich schalldicht machen, aber es wird nun weißes Rauschen in die Boxen eingespielt. Vielleicht haben die chinesischen Teams dadurch mal keinen Vorteil, wenn sie die Caster live hören.
on a positive note, the booths are now having white noise pumped in so you can't really hear anything. they still have internet, but eh.
— Kyle (@keepingitKyle) 2. März 2016
Shanghai Major und die Putzfrau
Nun kommen wir zu der Sache mit den Verschiebungen zurück. Wer sich noch an die ESL One Frankfurt 2014 erinnert, die erste ESL One in Dota 2, weiß, dass eine Series am Samstagabend auf Sonntag gesplittet werden musste, da das deutsche Gesetz keine Veranstaltungen nach 24:00 Uhr ohne Sondergenehmigung erlaubt. Mit über fünf Stunden Verspätung sah die Situation in Shanghai ähnlich aus.
Jedoch wurde hier die Series nicht gesplittet und das Event einfach am nächsten Tag weiter geführt, nein. Pünktlich um 21:30 Uhr Ortszeit mussten alle Zuschauer die Arena verlassen und wenig später auch die Spieler und Caster. Der Grund: Die Arena muss gesäubert werden und das Personal der Location hat feste Arbeistzeiten. Die Nachricht an die Fans war dementsprechend: Geht nach Hause, den Rest der Spiele könnt ihr euch online ansehen!
СОРЯН pic.twitter.com/rQ7e9M1leh
— Alexey Filippov (@lexruhub) 2. März 2016
Shanghai Major und die Angst der Anwesenden
Als letztes muss man noch darauf hinweisen, dass all diese Infos bereits gefiltert sind. Wie Screenshots von diversen Tweets beweisen, gab es noch einiges anderes, über das sich Caster und Spieler aufgeregt haben. Doch aufgrund der strengen chinesischen Richtlinien und der vorangegangenen Entlassung von James ‚2GD‘ Harding, traut sich keiner mehr Details zu nennen, so lange sie im Lande sind.
this is really just the tip of the iceberg, there's some really egregious shit that noone feels safe to talk about.maybe when we're all home
— Kyle (@keepingitKyle) 2. März 2016