Im Interview mit readmore.de spricht Gina 'jinjin' Kleinen über den Alltag als CS:GO-Spielerin und die Female-Szene.
Momentan findet monatlich die SKYLLA CS:GO Tournament Series statt. Das Besondere an dem Event ist, dass es weiblichen Teams die Chance gibt, gegen ihre männlichen Kollegen anzutreten.
Die Veranstalter von SKYLLA versuchen so die Spanne zwischen den beiden Szenen zu verkleinern und vor allem für die Female-Teams die Weichen zu stellen, um sich zu beweisen und ihren Spielstil zu verbessern.
One more day to signup for the brand new female league Skylla. Make sure your team is in!… https://t.co/JPYVuSop0K
— CS:GO Ladies (@csgoladies) 2. Juni 2016
Aus diesem Grund hat readmore.de sich JinJin, eine Spielerin von Team Heaven, geschnappt und sie zu SKYLLA und der Female-Szene generell ausgefragt.
Du spielst bei Team Heaven CS:GO. Wie sieht euer Trainigs-Alltag aus? Denkst du, euer Trainings-Alltag unterscheidet sich von dem der männlichen Spieler?
Wir versuchen, jeden Tag zu trainieren, das heißt 5-6 Mal die Woche. Da wir auch beruflich tätig und keine Vollzeit-Profis sind, trainieren wir von 18 Uhr bis 23 oder 24 Uhr.
Auch in der Female-Szene wird es immer beliebter, einen Coach zu haben. Mit unserem Coach gehen wir logischerweise Analysen von vergangenen Spielen und anderen Teams durch. Neben der Demo-Beobachtung und der Taktikanalyse spielen wir aber auch viel.
Unser Fokus liegt eher auf dem spielerischen Training. Unser Alltag sieht insofern so aus, dass wir eine Gruppe mit allen Female-Teams haben. Dort vereinbaren wir dann üblicherweise Termine, um gegeneinander zu spielen und zu trainieren.
Ich denke auch, dass die männlichen Spieler ähnlich vorgehen. Wir versuchen immer mehr in die Richtung ihres Trainings zu gehen, um uns weiterzuentwickeln.
Team Secret scheint das Maß aller Dinge zu sein in der Szene. Wo siehst du dein Team? Gehört ihr zu den Besten in der Szene?

JinJin spielt im Moment für Team Heaven
Vor allem in den letzten Matches gegen Team Secret zeigte sich deutlich, dass wir zu den wenigen Squads gehören, die das momentan beste Female-Team schlagen können. Die Niederlagen gegen Secret sind meist sehr eng: In einigen Spielen haben wir mit einem Spielstand von 16:14 verloren.
Ein gutes Beispiel ist auch das Event in Sankt Petersburg: Im Halbfinale der StarLadder Female Stars konnten wir unser Potential in einem Best-of-Three beweisen. Uns hätten nur wenige weitere Runden gereicht, um das Spiel zu gewinnen. Auf der Decider-Map lagen wir mit einem 15:12 in Führung und verspielten diese dann unglücklich, um dann in der Overtime mit 17:19 zu verlieren.
Was hast du lieber: reine Female-Events oder Mix-Turniere wie SKYLLA?
Das spannende an Female-Events ist, dass wir uns mit anderen Teams aus unserer Szene messen können, um zu wissen wer momentan der Beste ist.
Dennoch bringen vor allem Mix-Turniere, wie dieses von SKYLLA, unsere Leistungen und unseren Skill voran. In Duellen mit den Male-Teams kann man noch einige Fehler im eigenen Spiel entdecken und seinen eigenen Spielstil, dem der männlichen eSportler anpassen.
SKYLLA gibt uns die Möglichkeit, mit besseren Teams aus der Male-Szene zu konkurrieren und uns zu verbessern, denn das größte Problem für uns ist Trainingspartner unter den Männern zu finden.
Von Mix-Turnieren ist es nicht mehr weit zu Mix-Teams. Welche Spielerin kommt dir in den Sinn, die auch bei den männlichen Kollegen mithalten könnte?
Die Frage taucht immer wieder auf, aber es ist schwierig, da eine Antwort zu finden. Denn auch unabhängig vom Skill und Verständnis im Spiel, gibt es noch eine größere Barriere, die einem Mix-Team im Weg steht: Die meisten Male-Profis würden sich einfach nicht auf eine Frau einlassen, beziehungsweise sich von ihr etwas sagen lassen.
Ich persönlich bin aber der Meinung, dass eine Spielerin sich doppelt so hart anstrengen würde, um mit ihren männlichen Konkurrenten mithalten zu können.
Meiner Meinung nach ist Julia 'juliano' Kiran eine Gamerin, die perfekt in ein Male-Team passen würde. Auch in Umfragen wird deutlich, dass die schwedische Spielerin momentan sehr beliebt ist und ihr viele den Sprung in ein männliches Squad zu trauen würden.
Schwierig ist hingegen die Frage, für welches Niveau es reichen würde: Ob es für ein Top-Tier-Team reichen könnte, ist schwierig zu beantworten.
In Bezug auf Turniere: Wünscht du dir mehr Unterstützung seitens der Veranstalter?
Momentan ist nicht nur der eSport generell in einem Wachstum, auch die Female-Szene vergrößert sich immens. Es gibt viele neue Turniere online und offline, die uns zeigen, dass die Veranstalter uns entgegen kommen und neue Events für uns organisieren.
Natürlich wäre es schön, wenn es auch für die weiblichen Spieler ein eigenes Major-System geben würde, das dem bisher bestehenden ähnlich wäre. Ich denke aber nicht, dass es in der nächsten Zeit dazu kommen könnte.
Wo liegt das Problem deiner Meinung nach? Warum wird die Female-Szene so unterschätzt?
Vor allem die Diskussion in der Community ist nicht hilfreich. Argumente wie „Sie können auch bei den männlichen Major-Turnieren teilnehmen“, „Es gibt keine körperlichen Nachteile“ tragen dazu nicht gerade bei.
Dennoch kommen solche Diskussionen auch untereinander auf und man macht sich Gedanken: Meiner Meinung nach verlaufen einige Vorgänge im Gehirn einer Frau anders, als bei den Männern. Während Frauen vor allem im Multi-Tasking besser sind, gibt es einen Unterschied im Bereich der Reaktionen zu den männlichen Spielern.
Generell bin ich aber trotzdem der Meinung, dass die Female-Szene auf einem Sprung nach oben ist. Es gibt sehr viele, die sich für weibliches Counter-Strike interessieren.
Team Secret ist ein gutes Argument, um das zu beweisen. Was viele vergessen ist, dass es erst sehr wenige Teams gibt, die die Chance haben, Vollzeit-Gamerinnen zu sein und sich auf das Spiel konzentrieren können.
Analysten wie Duncan 'Thorin' Shields und Tomi 'lurppis' Kovanen waren der Meinung, dass die weiblichen CS:GO-Spieler es einfacher haben als die männlichen. Wie siehst du das?
do we need to remind you that its still 10x easier for females to get sponsorships than males?
— Tomi (@tomi) 4. Juli 2016
Das ist schwierig zu beantworten. Für viele Teams ist es nicht so leicht, wie es immer wirkt.
Wir spielen jetzt schon seit fast einem Jahr ohne Sponsoren. Viele möchten nicht investieren und es gehört auch immer ein wenig Glück dazu.
Außerdem gibt es noch andere Unterschiede: Im Gegensatz zu den männlichen CS-Profis sind wir auch stark im Promotion-Bereich aktiv: Wir posten Fotos, teilen Inhalte und geben viel über unser Leben und den Trainingsalltag preis. Dieser Werbe-Bereich fließt ja mit in die Gehälter.
Wenn man sich rein auf das Spielerische konzentriert, hat Team Secret es wohl wirklich leichter, als ein Fnatic bei den Männern, da die Turnierdichte viel höher ist bei den männlichen Kollegen. Sie haben also viel längere Vorbereitungsphasen, in denen sie intensiv trainieren müssen.


