Auf der gamescom 2016 haben wir die Möglichkeit bekommen, die Legende der deutschen Gamer-Musik zu treffen und ihn zu seiner Musik und seiner Leidenschaft zum Zocken zu befragen.

readmore.de: Für die Leute, die dich noch nicht kennen: Wer bist du und was machst du so?
Mein Name ist Jan Hegenberg und ich mache Musik für Zocker und das jetzt schon seit 12-13 Jahren. Angefangen hat das mit Counter-Strike-Songs. Ich selbst habe auch in 1.6 die Ligen gerockt, bin aber mittlerweile zu alt dafür, da fehlt das Aiming.
Diese Musik ist dann irgendwann bekannt geworden, als ich über meinen Clan einen Song geschrieben habe, „GPF sucks„. Das fanden wohl so viele Leute lustig, dass mir gesagt wurde, ich solle doch mehr Musik machen. Das habe ich dann auch getan, mit „Holly Deluxe„. Noch einen Song, den man von mir kennen könnte ist „Cheater an die Wand„. Der ist ja auch immer noch aktuell, egal welches Spiel man spielt. Der Song ist gerade erst vor Kurzem bei Overwatch zitiert worden, lustigerweise. So hat sich das jetzt über eine Dekade hingezogen und mittlerweile ist es mein Beruf.
Spielst du selbst auch noch?
Ich zocke wie ein Bescheuerter. Ich bin ein kleines Blizzard-Kind, ist mir aufgefallen. Overwatch ist ganz aktuell bei mir und World of Warcraft. Das sind so die Spiele, die bei mir hängenbleiben. Ansonsten habe ich jetzt zwei Monate lang Pokemon Go gespielt und habe dabei echt 8 kg abgenommen, weil ich die ganze Zeit nur gerannt bin. Ich bin mittlerweile auf Level 17.
Was machst du hier auf der gamescom?
Ich stelle hier mein neues Album vor „Hegenberg Backstage“ heißt das. Das haben wir bei uns im Proberaum aufgenommen. Wir haben dabei einfach den Aufnahme-Knopf gedrückt und haben unsere Probe komplett mitgeschnitten, mit allen Diskussionen und Verspielern. Anschließend wurde das Ganze natürlich etwas schöner produziert, damit man sich das auch anhören kann. Das ist sehr lustig geworden. Ich denke, es gibt kein Album, das irgendwie mehr „True Hegenberg“ ist.
Wenn du an die Anfänge deiner Karriere zurückdenkst, was war damals so dein Lieblingssong?
Das ist ganz schwer zu sagen, da es wirklich schon sehr lange her ist. Holly Deluxe war der erste Song, den ich mit E-Gitarre und Schlagzeug aufgenommen habe, was gerade cool war, als wir dann mit Band aufgetreten sind. Das hat schon richtig Spaß gemacht. „Die Männerballade“ war cool, weil es gerade auf LAN-Parties Spaß gemacht, wenn der Refrain eingesetzt hat und die Leute dann immer schön ausgerastet sind.
Mit der Zeit verbinde ich aber eher die unglaublich vielen LAN-Parties, die ich da abgeklappert habe. Ich nenne es im Nachhinein gerne die Arschloch-Tour, denn du kamst dahin und die Leute kannten dich noch nicht so wirklich. Da hatte man dann 20%, die fanden das geil, was ich gemacht habe. 20%, die dachten sich, kann man sich anhören und es gab aber auch genug Leute, die fanden die Mucke einfach nur scheiße. Das ist zwar bei jeder Band so, aber wenn du irgendwo auftrittst, wo das Publikum gemischt ist, bekommst du das natürlich auch zu spüren und in Foren, wo die Gamer immer ehrlich sind, zu lesen.
Wie lange hat es gedauert, bis du von deiner Musik leben konntest
Das ging relativ fix, da ich zu Anfang auch nicht anspruchsvoll war. Ich hatte dann schnell Sponsoring-Verträge mit Atari und Levicom. Da gibt es noch sehr kultige Intros zu meinen Liedern. Die haben mich wirklich gut über Wasser gehalten. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank dafür. So eine Art Markensponsoring ist im Musik-Business eher ungewöhnlich. Bis 2010 waren diese Verträge aktiv und auch das ist eher eine Kuriosität, dass ein Sposoring so lange bestehen bleibt.
Levicom war ja auch lange Zeit Sponsor von mousesports. Hattest du damals vielleicht auch durch dein Sponsoring und deine Musik Kontakte zu den Pros?
Tatsächlich war ich eine Saison mehr oder weniger selbst Progamer. Ein Team konnte die Season nicht antreten und dadurch bin ich mit in die EPS gerutscht. Ich weiß noch nicht einmal mehr welches Jahr das war, auf jeden Fall schon sehr lange her. Wir haben zwar jedes Spiel 0:24 auf den Sack bekommen, aber ich war Progamer – auch, wenn ich da nicht hingehört habe. Es ist jedoch immer eine lustige Anekdote.
Verfolgst du die Szene heute noch?
Counter-Strike eher weniger, muss ich sagen. Das liegt aber tatsächlich daran, dass ich in diesem Spiel so schlecht geworden bin, dass ich auf dem Server nur noch umgenietet werde. Da schreit man nur noch „Cheater!“ Dabei stimmt das vermutlich nicht einmal.
Hast du noch Worte an deine Fans?
Erstmal danke danke danke, dass ihr meine Musik nun schon so lange cool findet und ich hoffe, dass wird noch lange so bleiben. Ich habe vor fünf Jahren gedacht: „Das mache ich noch zwei Jahre, dann kann ich als Gamer keine Mucke mehr machen. Das nimmt mir keiner mehr ab“, doch ihr seid alle mit mir gewachsen und dafür vielen Dank.
Jan Hegenberg Tourdaten
- 17.09. Kassel
- 02.10. Mönchengladbach
- 05.11. Berlin
- 26.11. München


