Vor drei Wochen erreichten die jungen Chinesen ihren Traum: Wings Gaming siegte auf dem The International 2016. Einen Tag vor dem Ende der ersten Roster-Lock-Phase ist jeder chinesische Top-Spieler ein Free Agent.
Heute Nacht hat auch das letzte große chinesische Team sich dem Pakt angeschlossen: Der TI6-Sieger Wings Gaming wirft alle fünf Profi-Spieler auf den Transfermarkt.
Wings just released all five players. This might confirm the Chinese agreement to release all players to the pool. https://t.co/LWYO7IDF4O
— Redeye (@PaulChaloner) 3. September 2016
Wie der britische Kommentator Paul 'ReDeYe' Chaloner anmerkt, kommt dieser Zug von Wings Gaming nicht überraschend – die Gerüchte um einen chinesischen Pakt verdichten sich.
Ferrari_430 verlässt Invictus Gaming
Im Laufe der folgenden Woche überraschte die chinesische Szene in Dota 2. Alle Teams bis auf Wings Gaming entließen ihre Spieler in kürzester Zeit. Wie einschneidend das war, erkannte man erst bei der Entlassung von Luo 'Ferrari_430' Feichi.
Der chinesische Dota 2-Veteran hatte bisher noch nicht einmal seiner Organisation Invictus Gaming den Rücken zugekehrt – neben Danil 'Dendi' Ishutin war er der einzige Spieler, der seit dem ersten TI im Jahr 2011 noch im selben Team spielte.
Aufgrund des chinesischen Paktes steht nun der Gewinner des The International 2012 vor einer neuen Aufgabe – er ist erstmals Free Agent und ist auf dem Transfermarkt zur Verfügung.Der Pakt: Wer hat mehr Macht?
Mit einem wirklichen Wechsel rechnet aber kein Experte. Die gesamten Entlassungen sind eine Farce.
If true, this kinda just broke the idea of the roster lock system. Now we will have last minute player announcements, someone loses out.
— Redeye (@PaulChaloner) 3. September 2016
Zwar ist die chinesische Szene bekannt dafür Spieler, dass in Fernost die Spieler sehr häufig ihre Teams wechseln, aber ein Rumpfteam bleibt meist bestehen – ein gesamter Spielerwechsel wäre nicht effizient für die Chinesen.
it's just for roster lock on 4th of sep :))))
— QO (@QOdota) 31. August 2016
Der Grund, dass nun wirklich alle Spieler entlassen wurden, scheint unter anderem ein Machtspielchen zwischen Valve, den Spielern und ihren Organisationen zu sein, wie auch der koreanische Spieler Kim 'QO' Seon Yeob indirekt bestätigt.
Zum einen stellen sich die Teams gegen die Spieler-Transfers bei denen mittlerweile horrende Preise verlangt werden. Die Organisationen versuchen die Preise der Spieler und den Einfluss dieser wieder etwas unter ihre Kontrolle zu bringen.
Andererseits wollen die Teilnehmer des Pakts, besser bekannt als ACE-Allianz sich nicht von Valve diktieren lassen, wie und wann die Organisationen ihre Spieler entlassen dürfen und wann nicht.
Schon seit Jahren demonstriert diese Allianz der asiatischen Organisation ihre Macht gegenüber ihren Spielern und der Turnierstruktur, um ihre Position weiter stark zu halten.
Das Roster-Lock-System sollte der Szene helfen
Dota 2 hat ein riesiges Problem für Zuschauer: Es ist schwer einen wirklichen Fankult zu etablieren, wenn traditionell nach jedem The International die Teams hin und her wechseln.
4 days till roster lock, anyone need a guy?
— Aliwi Omar (@NigmaW33) 23. März 2016
Mit der Einführung der Major und eines Roster-Locks wolllte Valve schon in der letzten Saison aktiv das System etwas verbessern – dennoch kam es zu vielen kurzentschlossen Wechsel-Debakel und Problemen für Spieler und Organisationen.
Deshalb führte Valve nun ein Zwei-Phasen-Prinzip ein: In der ersten Phase bis zum 4. September dürfen die Teams nur Spieler entlassen und erst danach wieder neue Profis in ihrer Organisation aufnehmen.
In der darauffolgenden Phase darf kein eSsport-Profis mehr entlassen werden – so wollte der Hersteller verhindern, dass es wieder zu Spontan-Transfer kommt.
Mit der Entlassung aller chinesisch/asiatischen Spieler scheint die Szene in Fernost ein Schlupfloch gefunden zu haben – jetzt kann es wieder passieren, dass die Spieler erst kurz vor dem Ende des Roster-Locks eine Organisation finden – oder im schlimmsten Fall am Ende in die Röhre schauen.
