Die Welt des E-Sports verändert sich täglich. Das ist die Natur der frischen Disziplin, die vor allem von der Jugend ausgeführt wird. Neben traditionellen Genres wie Shooter oder Moba, brechen auch Mobile Games langsam durch die dünne Decke des E-Sports. Passt Clash Royale in diese Nische?
Generell gehöre ich zu den Spielern, die es vorziehen einen E-Sport-Titel an Maus und Tastatur zu spielen – sogar Konsolen-Shooter á la Call of Duty oder Halo sind bei mir nie wirklich ins Spektrum gerutscht.
Mobile Games erobern den Markt
Mit der Entwicklung von Hearthstone im Jahr 2014 schien sich der Blickwinkel im E-Sport langsam zu erweitern. Nach einer kurzen Anlaufzeit etablierte sich das Blizzard-Kartenspiel als Disziplin, die auf hohem Niveau praktiziert wurde. Turniere entstanden und hohe Preisgelder wurden ausgeschüttet. Da die grafischen Ansprüche des virtuellen Kartenspiels jedoch nicht zu hoch waren, setzte es sich vor allem in der mobilen Version durch.
Immer öfter sah man Freunde, Kollegen und Familienmitglieder nicht mehr vor der Glotze oder dem Monitor, sondern auf ihr Handy starrend. Ich verstehe den Vorteil. Ganz klar, ob auf dem Klo, in der U-Bahn oder als Beifahrer im Auto – überall war es von nun an möglich seine Gedanken in das Videospiel zu vertiefen, aber muss das denn im E-Sport sein?
Wenn wir bei League of Legends, Dota 2 oder Counter-Strike RNG-Momente haben, in dem etwas nur per se nur durch Zufall so gelungen ist, regen wir uns auf – Hearthstone basiert zum größten Teil auf diesem Prinzip und dennoch wird es gefeiert. Klar, muss man Strategie-Kenntnisse haben und antizipieren können, am Ende hängt der Sieg dennoch davon ab, welche Karte man durch Glück zieht.
Vainglory dagegen ist schon ein anderes Kaliber. Auch wenn das Mobile-Moba nie wirklich Anklang in der Szene gefunden hat, versuchen die Entwickler wacker das Spiel am Leben zu erhalten. Aber wieso sollte ich ein Moba auf meinem Smartphone spielen, das limitiert in seinen Möglichkeiten gegenüber den großen drei Titeln des Genres ist? Das Spiel ist nahezu komplett an mir vorbeigegangen.
Clash Royale versucht es besser
Ähnlich war es auch, als Clash Royale auf den Markt kam. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Bestimmt ein Mobile Game, wie es momentan überall aus dem Boden sprießt. Könnte ja das neue Candy Crush oder sonst was sein. Als es dann aber auch bei uns in der Redaktion Anklang fand, wurde mein Interesse geweckt.
Ich hörte wie meine Kollegen über Decks, AoE-Damage, DPS und Tanks redeten und habe mich kurz in der sicheren Umgebung von Mobas oder Overwatch gefühlt, bis ich mich dann über die Menschen-Traube beugte und erkannte, dass sie über ein Mobile Game sprachen. Sichtlich ernüchtert, gesellte ich mich dennoch dazu und schaute mir den Spaß mal an.
Mein kleines Notalgie-Herz wurde recht schnell gepackt. Das Prinzip hinter dem Spiel erinnert an die gute alte LAN-Zeit, als man noch die verschiedensten WC3-Mods testete. Neben DotA war auch Tower Defense eines meiner großen Favoriten – und genau hier greift Clash Royale junge und alte Fans ab.
In einem einfachen, fast schon kindlichen Design überzeugt das Spiel nicht nur die Zielgruppe unter 18, die Tower Defense für ein innovatives neues Spielprinzip hält, sondern auch hartgesottene Fans, wie ich einer bin.
Der nächste E-Sport-Kracher
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Generell hat jedes Spiel seine Daseins-Berechtigung im E-Sport solange es Profis gibt, die diese Disziplin ausüben. Da ist auch Clash Royale nicht außen vor. Im Gegenteil sogar: Beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass Taktik-Analyse, Meta-Verschiebungen, verschiedene Arten von Karten und Figuren einen kompetitiven Modus erstellt haben, der einen packt.
Im Kampf mit Freunden oder anderen Duellanten wird man zum Denken angeregt, versucht neue Strategien zu entwickeln und das Meta zu seinen Gunsten auszuleben – dabei können auch schon mal Stunden ins Land ziehen. Das Spiel ist wettbewerbstauglicher als ich vorher gedacht hätte. Auch wenn es sich immer noch komisch anfühlt, Profis auf der Bühne zu sehen, die an ihrem Handy spielen. Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt…