Alternate und n!faculty haben es vorgemacht und den Begriff „Fanbus“ im eSport fest installiert. So reiste vor knapp zwei Wochen eine Delegation von n!faculty-Anhängern mit zwei Bussen zum iFNG nach Köln und sorgte für ordentlich Stimmung. David ‚Craven‘ Abel fuhr mit und fragt nun: „Gibt es wirklich Fans im eSport?“
„Ja, natürlich!“ wäre vermutlich die Antwort von Frank Pinter, Guido Schroeder, Kilian Ricken und Carsten Kunde, die gemeinsam n!faculty leiten. Die Viererbande mit dem Hauch von Oldschool (die meisten Leser dieser Zeilen könnten wohl problemlos als deren Kinder durchgehen) hat den Clan inzwischen erfolgreich als volksnahen, Fan-freundlichen Verein mit Wohlfühlaroma positioniert, der neben der Profi-Organisation für Lizenzspieler wie shiddy und chrizzo auch noch einen echten Sportverein, die n!faculty e.V., unterhält, wo Piratenskill eher Nebensache ist. Diese Struktur ist bisher im deutschen eSport einzigartig und mit mehr Vorzügen ausgestattet, als man zunächst denken mag.n!faculty ist es gelungen – nicht zuletzt wegen des Vereinsstatus -, die Unterstützung der Stadt Köln für den Bau eines Vereinsheimes zu bekommen. In Köln-Mühlheim, nicht zwangsläufig der Stadtteil, wo die High Society residiert, hat der Clan nun ein zweistöckiges Ladenlokal im Zentrum, was wohl zunächst ein wenig Verwirrung bei den umliegenden Geschäften verursacht haben dürfte. Der „Laden“ verkauft nämlich weder Handyzubehör noch Telefongespräche, sondern ist viel mehr eine PR-Institution, die zukünftig für Jugendarbeit, eSport-Training und Information über eSport genutzt werden soll. Das doch eher virtuelle Hobby soll greifbar werden für Eltern, Lehrer oder Politiker, die bisher ihre Schwierigkeiten mit dem Medium Computer haben.
Kölsche Jungs
Außerdem schafft das Vereinsheim die endgültige Legitimation dafür, dass sich n!faculty als Kölner Team bezeichnet. So kam zwar schon bisher Team-Captain Christoph ‚chrizzo‘ Krämer aus Rösrath, einem Kölner Vorort, aber das Management residierte überwiegend in Mönchengladbach, welches zumindest fußballerisch zu Köln eine mehr als herzliche Feindschaft unterhält. Inzwischen ist die Positionierung allerdings abgeschlossen und die Tatsache, dass der Oberbürgermeister der Stadt Köln, Fritz Schramma (CDU!), bei der Eröffnung des Vereinsheims zugegen war, beweist eindrucksvoll, welche Lobbyarbeit hier bereits geleistet wurde. Mit der lokalen Bindung an Köln geht indirekt auch der Wunsch einher, Kölner eSport-Fans zu echten n!faculty-Fans zu machen, die in Zukunft bei den zahlreichen Events in der sogenannten „eSport-Hauptstadt“ das Team möglichst energisch anfeuern sollen. Schließlich ist Fankultur meist zu einem gewissen Grad auch Heimatkultur.
Da scheint es im Grunde paradox, dass sich n!faculty in der jüngsten Vergangenheit mit „Fanbus“-Aktionen einen Namen gemacht hat. Und zwar nicht Fanbus in dem Sinne, dass die heimischen Fans zu Auswärtsspielen gekarrt wurden, sondern erst einmal die Auswärtsfans zum Heimspiel, also zum Kölner iFNG, welches in der laufenden Saison gegen mousesports stattfand. Bei der Auslastung der Busse profitiert der Clan dann wieder erheblich von seinen Vereinsmitgliedern, die oft weit anreisen, um ihren Verein beim Spitzenspiel anzufeuern und ihre Mitgliedschaft einen Tag richtig zu leben. Begleitet werden sie häufig von eSport-interessierten Freunden, die sich während der Fahrt dann doch meist zu einem gewissen Grad zu n!faculty bekennen. Das gemeinsame Erlebnis „Support“ steht im Vordergrund, nicht zwangsläufig das Spiel oder die Spieler selber.
Dadurch sind dann auch spätestens bei der Ankunft des Busses am Vereinsheim, der ersten Station der auf zwei Routen anreisenden Busse, die etwa 50 Mitfahrer zu einer homogenen, orangenen Masse verschmolzen. Es gibt für jeden Mitfahrer ein passendes T-Shirt und gegen die trockene Kehle wird – wie könnte es anders sein – Kölsch gereicht. Die Spieler des CS-Teams sind bei diesem „Warmup“ eigentlich nur Nebensache. Als erster trifft Daniel ‚frigh‘ Enderle ein, der in seiner normalen Straßenkleidung offenbar keinem so richtig auffällt. Keine Autogrammwünsche, keine Hysterie, die Zuneigung gilt offenbar doch eher dem Verein als dem einzelnen Spieler.Party im Tanzbrunnen
Nach der Ankunft am Tanzbrunnen und ewig langer Wartezeit, die für einige Fans buchstäblich einschläfernd ist, zeigt sich dann, was diese Fankultur zu leisten imstande ist: Die orange gekleideten „faN!s“, wie auf dem T-Shirt der letzten Fahrt zu lesen war, beginnen zur CS1.6-Partie mit ersten vorsichtigen Sprechchören, die sich immer weiter steigern. Der Unterschied zu anderen iFNGs ist klar auszumachen: Die Uniformierung und der abgetrennte „Block“ führen dazu, dass es niemandem mehr peinlich ist, sich auch akustisch zu seinem Team zu bekennen.
Statt der einzelnen Zwischenrufe auf vergangenen Veranstaltungen entwickelt der Support eine Eigendynamik, die nur kurze Zeit später zu einer Gegenreaktion der Anhänger von mousesports führt, die zwar kein gemeinsames T-Shirt haben, aber sich offenbar durch die Fans von n!faculty herausgefordert fühlen. So wird der EM-Klassiker „Orange trägt nur die Müllabfuhr“ angestimmt und die Party nimmt ihren Lauf. Zwar erweist sich das Spiel in der Anfangsphase als einseitig, wodurch die Unterstützung ein wenig abflacht, aber die Botschaft ist klar: Tritt eine Gruppierung organisiert und lautstark auf, so kann das Fans der gegnerischen Partei auch zu Gesängen verleiten, selbst wenn diese nicht organisiert sind. So wird der Wettkampf neben dem Server fast genauso spannend wie auf der Bühne – und echtem Support, echten Emotionen im Publikum sind keine Grenzen mehr gesetzt.Nächste Woche folgt der zweite Teil der Mini-Serie zur Fankultur: „Fankultur als Business Model?“


