Wenn morgen in HangZhou die World e-Sports Masters beginnen, wird die ganze eSport-Welt auf China blicken. Zu den besten Teams in Counter-Strike und den besten APM-Machinen in Warcraft 3 gesellt sich auch ein Redakteur: Nils ‚hellphyte‘ Johannsen wird für readmore.de das Event vor Ort aufmerksam verfolgen und hat trotz seines ausgeprägten Jetlags die ersten Eindrücke schon zu Protokoll gebracht.
Dass in China eSports größer geschrieben wird als in Deutschland und Spieler im Reich der aufgehenden Sonne wie Superstars verehrt werden, dürfte dem interessierten Fan mittlerweile kaum entgangen sein. Dass nun auch Journalisten von diesem Trend betroffen sind, ist jedoch etwas Neues. So geschehen heute Mittag am Flughafen Shanghai PuDong:
Endlich eingetroffen, nach fast 24 Stunden auf den Beinen, führt mich der Gesandte der WEM in ein Motel, wo ich auf den Bustransfer ins südlich gelegene HangZhou, dem Veranstaltungsort, warten darf. Kaum die Lobby der noblen Unterkunft betreten, fängt einer der Pagen bereits ungeduldig zu schwanken an, nachdem er das World e-Sports Masters Logo erblickt hat. Wenige Sekunden später befindet er sich schon unmittelbar neben mir: „Are you a player? Starcraft? Starcraft player?“ Ich verneine höflichst die Frage und gebe mich als deutscher Redakteur bekannt, der lediglich über die Spieler schreibt. Jedoch reicht dem jungen Mann diese Tatsache bereits; er bittet unermüdlich um ein Autogramm von mir. Erst nach mehrmaligen Versuchen gibt er auf – endlich Ruhe. Die wird unser junger Motel-Mitarbeiter jedoch so schnell nicht finden, denn heute wird auch noch Grubby zu seinen Gästen gehören und sein Herz höher schlagen lassen.
Fehlt mir das Format für readmore?
Der Niederländer entpuppt sich dabei nicht nur für den chinesischen Fanboy als echter Glücksgriff, sondern auch für Landesnovizen wie mich. Zielsicher überfliegt er im Restaurant die chinesische Karte, stellt in der Landessprache kurze Nachfragen und navigiert schließlich auch mich durch die Mahlzeit. Seine hilfreiche Erfahrung lässt mich schließlich auch darüber hinwegsehen, dass er sich scherzhafte Vergleiche über die Körpergröße von readmore-Redakteuren nicht verkneifen kann. „You are not the typical readmore-guy“ kann er sich beim Betrachten meiner 65kg-Statur nicht verkneifen und verweist auf BeeemIt und Craven, die er als bisherige Repräsentanten kennenlernte. Als das Gespräch dann doch beim Thema eSport landet, begrüßt er die Tatsache, dass HoT dank Visumproblemem durch TeD ersetzt wird. Schelmisch grinsend hofft er, dass sich die Gruppengegner ToD, Infi und Lyn nicht auf den einzigen Undead im Turnier einstellen konnten und dieser eventuell die Gruppenphase erfolgreich abschließt. Somit wäre er einer der Wunschgegner für Herrn Schenkhuizen.HangZhou ist nicht Dubai
Die Zeit erfolgreich totgeschlagen, führt uns unser Weg schließlich zu dem Bus, der uns nach HangZhou bringen wird. Gefüllt mit 25 CS-Spielern, welche die letzte Woche in Dubai verbrachten, sieht er dabei eher aus wie eine nette Touristenreisegruppe in kurzen Hosen und dünnen Shirts, die vom nasskalten Wetter überrascht wurde. In den Reihen hinter mir haben sich die siegreichen Mannen von mousesports versammelt, die die gesamte Fahrt über schätzungsweise alle möglichen Pokerblattkombinationen und deren Wahrscheinlichkeit durchgehen. Nach einer dreistündigen Fahrt geprägt von Regen, einem Loch im Dach direkt über meinem Sitz und undefinierbaren Löchern in der chinesischen Straßenlandschaft, kommt unsere Delegation schließlich im Players-Hotel an, wo zusammen mit den Veranstaltern und lokalen Politikern ein Buffet auf uns wartet. Alles schön und gut, doch beim laut eigener Aussage „Worlds best eSports Tournament“ läuft auch nicht alles rund.Kaum Probleme vor Beginn
Dies wird deutlich, als sich ungefähr zwanzig Leute darum kümmern müssen, die Hotelzimmer für die immerhin zwei Journalisten (Lancia von fragbite und ich) zu organisieren. Zusammen mit der noch nicht so ganz festzustehen scheinenden Zeitplanung von morgen und den drei Sprachen, in denen die Organisatoren miteinander entweder direkt oder via Dolmetscher kommunizieren, kann man nur auf einen glatten Ablauf morgen früh hoffen. Dann wird es auch die ersten Bilder geben – sobald es mehr einzufangen gibt, als schlafende und essende Spieler.

