Gegen Ende seines ersten, ereignisreichen Turniertages im fernen Osten, findet Nils ‚hellphyte‘ Johannsen einige ruhigere Minuten, um sich zu wundern. Sich zu wundern über eine große Mauer aus Feuer, über das Erfolgsrezept von mousesports und schließlich über die Begeisterung seiner chinesischen Kollegen für freundliche Töne zu den Gastgebern.
So einen Blog zu schreiben, ist eine feine Sache: Man hat etwas zu tun, wenn man gerade auf den Bilderupload wartet. Das aktuelle Bild beispielsweise lädt seit etwa zehn bis zwölf Minuten und ich möchte nicht wissen, durch wie viele Staatsfirewalls das gerade geht. Da bekommt der Werbeslogan „covered bei China Telecom“, der sich hier auf jedem Tisch befindet, eine ganz andere Bedeutung. Bedeutung haben anscheinend auch die World eSports Masters, was klar wurde, als sich bei der Eröffnungsfeier eine Politikerrede an die nächste reihte. Mein Chinesisch ist zwar noch nicht sehr ausgeprägt, aber es ging wohl hauptsächlich darum, die Stadt Hangzhou zu loben und festzustellen, welch große Bedeutung das Turnier für die Region hat.
mouz hat die Ruhe weg
Bei der folgenden Präsentation aller Spieler wurde schließlich auch an nichts gespart: Rauchschwaden, Lichteffekte, Einmarschmusik und höhenverstellbare Bühnen gehören mittlerweile zur Standardausstattung eines motivierten asiatischen Turnierveranstalters. Die Spieler nahmen es zum größten Teil mit Humor, nachdem sie bereits vorher ausreichend Fankontakt aufnehmen durften und die chinesischen Anhänger dies auch schamlos ausnutzten. Die Jungs von mousesports mittendrin, aber natürlich cool wie immer: „Hier rumsitzen? – Stört nicht“, „Komische Platzaufteilung auf der Bühne? – Macht nichts.“ Das in Dubai getankte Selbstvertrauen scheint noch für längere Zeit zu reichen.Chinesen verpassen den Heimvorteil
In Sachen Warcraft 3 hat sich inzwischen nichts Überraschendes getan: Die europäische Fraktion bestehend aus ToD und Grubby startete jeweils mit einer Niederlage in das Turnier und zeigte sich danach nicht mehr allzu enthusiastisch. Generell erlebten die Spieler die Momente des Triumphs lieber in genießerischer Stille als in Jubelstimmung. Die chinesischen Counter-Strike-Spieler von wNv hätten eventuell das Stimmungsruder in der Arena etwas herumreißen können, doch gegen mTw hatten sie zu keiner Zeit des Spiels eine wirkliche Chance. Ich persönlich hätte ihnen das durchaus zugetraut, denn der chinesische Kommentar während des Spiels hallt fast unerträglich laut auf der Bühne und alle Spieler spielen lediglich mit normalen Headsets. Sollten die Chinesen den Kommentar nicht zumindest ansatzweise gehört haben, muss entweder Kritik an ihren Ohren oder ein dickes Lob an die Headsethersteller ausgesprochen werden.
Ingame gehen die Mäuse steil
Aus deutscher Sicht startete das wirklich interessante Spiel des Tages dann in den frühen Abendstunden Ortszeit: mousesports gegen fnatic. Nach einem guten Start als Terror gab Kapio lautstark dem Publikum sein Erfolgsgeheimnis preis: „Immer mitten in seine Fresse, Mann!“ sorgte für immerhin sechs Terrorrunden, über die sich das Team im Endeffekt jedoch nicht unbedingt begeistert zeigte. Als CT folgte in der zweiten Hälfte eine kleine Schwächephase, in der vor allem die untere Sitzreihe um Kapio, gob b und gore immer wieder angeregte Diskussionen startete. Dementsprechend übernahm auch gore Kapios Geheimrezept und verteilte in einer äußerst wichtigen Runde „zwei Oneshots mitten in die Fresse!“. Als fnatic trotzdem irgendwie auf vierzehn Runden kam, war bei den Mäusen ein etwas ernsterer Ton angesagt, der aber immerhin zum Erfolg reichte. Somit wäre zumindest der Grundstein für einen guten Turnierstart gelegt. Team Dragon sollte jedenfalls ein schlagbarer Gegner sein, womit man sich ruhig schon früh auf ein erfolgreiches Mäuse-Abschneiden in der Gruppenphase freuen darf.Hat Europa SpawNs Comeback verpasst?
Momentan läuft hier gerade die Pressekonferenz mit SK Gaming und eSTRO. Eine der koreanischen Veranstalterinnen lobt den Gewichtsverlust bei walle, jener dankt höflich und erzählt, dass ihm nun der Rücken nicht mehr so oft wehtue. Der chinesische Reporterkollege dagegen scheint keine wichtigen Fragen an die beiden Teams zu haben, obwohl er bisher als fleißigster Fragensteller herausstach und keine Ruhe gab, bis er endlich die Herkunft von cyx Nickname herausgefunden hatte – ich habe die Antwort leider schon wieder vergessen. Ebenso wollte ich Kapio fragen, warum er mitten im Spiel zu Beginn einer Runde vergessen hatte, sich eine Waffe zu kaufen. Ich hoffe er gibt morgen Antworten auf diese Fragen, vorausgesetzt ich habe einen kürzeren Weg zwischen Pressebereich und Bühne gefunden. Momentan ist dieser Weg definitiv zu lang, zumindest wenn man wie ich draußen immer etwas zum Beobachten findet und daran hängen bleibt.Der chinesische Reporter scheint übrigens gerade aufgewacht zu sein und fragt SK voller Eifer Löcher in den Bauch. Ich schätze, sie müssen noch einige Male bestätigen, wie schön China ist, bevor sie den Raum verlassen dürfen. Immerhin hält der Dolmetscher – der übrigens nicht den blassesten Schimmer von eSports hat, was den Unterhaltungsgrad der Übersetzungen deutlich steigert – mit seiner Übermotivation die Stimmung immerhin etwas über Null. Gerade wird eine Frage über SpawN gestellt; Respekt an walle, dass er sich bei der Antwort, SpawN spiele gar nicht mit, ein Lachen verkneifen kann. In diesem Sinne: Mingtian dijan – bis morgen.


