Für die deutschen Vertreter aus dem Hause mousesports gestaltete sich der zweite Tag in Hangzhou mehr als positiv: 16:3 gegen das chinesische Team Dragon malt ein deutliches Bild. Die Horden der chinesischen Fans haben infolgedessen allerdings auch die Möglichkeit, sich vollends auf ihre geliebten Warcraft-Spieler einzuschießen – mit beängstigenden Auswirkungen. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen fasst den Tag des Fenstersturzes Grubbys und der Demontage des chinesischen Counter-Strikes zusammen.
Mit dem Auto auf Chinas Straßen unterwegs zu sein, ist einfach. Es gibt im Prinzip nur eine feste Regel: Wer zuerst hupt, fährt zuerst; wer zu spät hupt, fährt trotzdem. Heute morgen auf dem Weg zur Location war zum Glück noch nicht Rush Hour in Hangzhou, denn ich und Zimmerkollege Tobias ‚quiZZ‘ Stahmer von mTw wurden schlichtweg am Hotel „vergessen“. Ein Weltuntergang war das letztlich auch nicht: Die etwa 10-minütige Taxifahrt für umgerechnet 60 Cent konnten wir so gerade noch aus eigener Tasche bezahlen.
Die zwei Stunden bis zum ersten Spiel sollte man dann in der Regel ausgiebig im Pressebereich nutzen, um Bilder hochzuladen, denn sobald sich mehr als fünf Pressevertreter im Raum tummeln, wird das Internet nahezu unbrauchbar. Komischerweise ist readmore.de extrem langsam und lässt sich teilweise gar nicht öffnen, während andere Seiten problemlos und schnell aufzurufen sind. Die Auswahl, was man hier öffnen kann und was nicht, scheint generell nach einem simplen Prinzip zu funktionieren: Willkür. Für ein paar Bilder und ein lustiges Video hat es heute zumindest trotzdem gereicht.
Und täglich grüßt der Warcraft-Groupie…
Bei Warcraft 3 wartete heute so ziemlich jeder auf den Kracher Sky gegen Moon, was gleichzeitig das letzte WC3-Spiel des Tages darstellte. Für dieses Ereignis waren sich selbst die meisten Spieler nicht zu schade, im Backstagebereich zu warten und dem Spiel zu folgen. Selbst ToD gab sich die Ehre und schlenderte noch verhältnismäßig gut gelaunt zwischen den Kollegen umher.Die Stimmung während der Partie im Publikum war dagegen gedrückt und nicht wie erwartet überschwänglich. Auslöser war, dass die Sicherheitskräfte bereits vor Spielbeginn für Ordnung sorgen und klare Grenzen hatten aufzeigen müssen, da sich beim Match Lyn gegen TeD bereits angedeutet hatte, dass der kleine Bereich vor der Bühne nicht für einen derartigen Andrang geeignet ist. Darüber hinaus dürfte die Idee der beiden, sich direkt an den Bühnenrand zu trauen, um sich von den Fans abklatschen zu lassen, für Kopfschmerzen im Veranstalterlager gesorgt haben, was man mit Hilfe strengerer Sicherheitsvorkehrungen in Zukunft verhindern will.
Unter diesen Voraussetzungen fand jedenfalls der Kampf der beiden Giganten statt und ging letztlich 1:0 für Moon aus. Im Anschluss daran fanden sich aber nicht nur Sky und Moon im Pressebereich zur Konferenz ein, sondern auch ToD und Grubby, was insofern natürlich ein dankenswerter, zusätzlicher Service war. Leider einer, den sie selbst bereuen sollten. So war nämlich ein weiteres Mal das den Reportern bereits bekannte verdächtige Stampfen der Fanhorden zu vernehmen, welches Grubby schließlich zu einem Fluchtversuch aus dem Fenster veranlasste – ohne Erfolg. Zu flächendeckend hatten die Fans ihr Stalkernetz mittlerweile ausgebreitet.Irgendwie haben wir es dann aber doch alle in die Freiheit geschafft und Grubby bewies sich sogar erneut als echter Profi: Zwischen Fanstress und konzentrierter Vorbereitung fand er noch Zeit, ein Interview für readmore.de zu geben. Zeit für Ruhepausen hingegen gibt es in diesen Tagen für ambitionierte WC3’ler nicht. Vor den Spielen wird trainiert, nach den Spielen wird trainiert; wenn es die Zeit ausnahmsweise zulässt, eventuell auch ‚mal ein Häppchen gegessen.
Von Drachentötern und deren Siegeszug
Ganz anders geht es den CS’lern, die sich über gähnende Langeweile am Vormittag ausweinen. Ich habe mich großzügigerweise dazu entschlossen, bei diesem Problem zu helfen, und werde morgen hoffentlich ein Interview mit den Mäusen liefern können. Die Armen wurden im Spiel gegen die Lokalmatadoren von Team Dragon nicht wirklich gefordert. Nachdem die Drachen die erste Runde geholt hatten, war die einzige Motivation – nämlich ein 16:0-Sieg – verpufft. Da es zum Spiel an sich nicht viel zu erzählen gibt, habe ich mich dazu durchgerungen, ein kleines Sprüche-Best-of aus dem Hause mousesports zu erstellen, welches sich während des Warmups und des Spiels ergeben hat:
gore: „Guck hier Navid, schon wieder viermal mitten in die Fresse!“
cyx: „Lass die ‚mal richtig nehmen jetzt!“
gob b: „Ui Toni…Gesicht, Gesicht!“
Tixo: „Oh, ich glaub‘, ich hab‘ gestern mit Mausbeschleuniger gespielt.“
gore: „Ich treff‘ hier wie Gott!“
gore: „Nice Navid!“ – Kapio: „Tja, so bin ich nunmal.“
gore (im Warmup): „Gib ihm nicht die Movieszene!“
gob b: „Einfach immer direkt Oneshot! Gesicht, Gesicht, Gesicht…“
Die Sicherheit und das enorme Selbstvertrauen, dass diese Zitate primär ausdrücken, spiegelt sich im eindeutigen Ergebnis wider: 16:3. Da das chinesische Publikum nahezu verstummte, während ihre Idole derart vorgeführt wurden, konnten mousesports sprachliche Leckerbissen problemlos wahrgenommen werden. Das ändert sich hoffentlich die nächsten Tage, indem etwas mehr Stimmung im Publikum aufkommt.
Bis jetzt sind die wählerischen Betrachter aus Hangzhou vom Abschneiden ihrer beiden chinesischen Vertreter enttäuscht und haben noch nicht das Bedürfnis, sich auf europäische Exoten zu konzentrieren. Jene selbst tun auf der anderen Seite allerdings auch wenig für eventuelle Fans. So erinnerten die Performances von fnatic und MYM an eine Mischung aus massivem Jetlag und vornehmer Zurückhaltung gegenüber den netten Gastgebern. Der mouz-Autrifft dagegen hat das Zeug dazu, absoluten Kultstatus zu erreichen; ich jedenfalls werde die Ohren offen halten nach weiteren Redewendungen, die in keinem Ventrilo-Duden fehlen sollten.
Warum sollten Lebensmittel auch schlecht werden?
Morgen, hoffe ich, werde ich mit unserer Powerleitung (10 – 15 Kb/s Upload) noch das ein oder andere Video auf die Seite stellen können. Heute gestaltete sich das leider etwas problematisch, da mein gesamter MSN-Messenger-Verkehr (aus- und eingehend) gesperrt wurde, nachdem ich versuchte eine Datei zu versenden. – Nunja, auf der einen Seite leicht frustrierend, auf der anderen Seite kann man ihnen aber auch einfach nicht böse sein.
Der Orangensaft, den ich während des Schreibens getrunken habe, ist übrigens seit zwei Monaten abgelaufen. China-Kenner quiZZ beruhigt mich: „Hier ist fast alles abgelaufen.“ Eine prüfender Blick auf die restlichen Lebensmittel ergibt: Er hat Recht. – Na da bin ich aber erleichtert… Gute Nacht.


