Nächsten Mittwoch starten die World Cyber Games. Einer der deutschen Hoffnungsträger wird Mondragon im Bereich Starcraft sein. Der 21-Jährige ist seit seinem dritten Platz bei der WCG 2007 wohl jedem eSport-Interessierten bekannt und will versuchen, diesen Erfolg in einer von Koreaner stark besetzen Sparte zu wiederholen. readmore.de spricht mit ihm im ersten Teil des Interviews über seine Form und die letzten Ergebnisse.
readmore.de: Das nächste große Event für dich ist das WCG Grand Final in Köln. Wie wird dein Training aussehen, zumal die EMS bestimmt einige Schwächen aufgedeckt hat? Wirst du jetzt wieder mehr trainieren?
Christoph ‚Mondragon‘ Semke: Ich trainiere schon seit einiger Zeit natürlich nur noch die WCG Maps und fühle mich auch gut vorbereitet. Von mir aus könnte die WCG schon morgen anfangen.readmore.de: Viele sehen dich aktuell in einem Leistungstief. Wie sehr wird dich dein vermeintliches Leistungstief auf der WCG beeinflussen?
Mondragon: Ich fühle mich alles andere als in einem Leistungstief, um ehrlich zu sein. Die Leute können natürlich nur das beurteilen, was sie in den Turnierperformances sehen, beispielsweise der EMS, was kein glorreicher Auftritt von mir war. Allerdings stehe ich in der GSL auf den ersten Platz mit Stats von 15-0 gegen die besten europäischen Spieler und habe in den letzten Wochen in einem Clanwar gegen Strelok und in meinem GSL Match gegen ihn beide Male 2-0 gewonnen. Daher ist auch mein ZvT da, wo es sein muss für WCG, ich trainiere gut und fühle mich gerüstet.
readmore.de: Wie groß siehst du die Chancen der westlichen Spieler, die Vormachtsstellung Asiens zu brechen? Welche Spieler sind überhaupt in der Lage, den Koreanern ernsthaft Konkurrenz zu machen?
Mondragon: In StarCraft wird das keiner schaffen auf den WCG. Wie immer gilt es zu hoffen, dass die Koreaner eventuell in der Gruppe ein Best-Of-One verlieren und somit es nicht mehr in ihrer Hand ist, die Brackets so zu beeinflussen, dass sie erst im Halbfinale aufeinander treffen, wie es letztes Jahr bei meinem Sieg gegen Savior der Fall war. Deshalb hatte ich das Glück, erst im Halbfinale gegen einen Koreaner verlieren zu dürfen, während im anderen Halbfinale auch ein Nicht-Koreaner verloren hat, was mir die Möglichkeit verschafft hat, Dritter zu werden.
readmore.de: Auf der Games Convention hast du bewiesen, dass du innerhalb Deutschlands weiterhin der Primus bist. So verlor HoRRoR eindeutig mit 3:0 gegen dich. Schadet es dir vielleicht, dass du national keine große Konkurrenz hast und deshalb auch nicht unter Druck gerätst?
Mondragon: Natürlich ist die Konkurrenz in Deutschland nicht so groß wie in Europa, aber man sollte die deutschen Gamer auch nicht so schlecht reden. Horror, Infernal & Co. sind alles klasse Spieler, die auch international mithalten können. Aber in welcher Weise das mir nun schaden sollte, dass ich in Deutschland weniger Konkurrenz habe, weiß ich nicht.
readmore.de: Kommen wir zu den ESL Major Series: Als großer Favorit gestartet, musstest du „schon“ in der Gruppenphase deinen Hut nehmen. Was war das Ausschlaggebende für die Niederlagen, allen voran die gegen Sziky, welche am wenigsten erwartet wurde?
Mondragon: So wirklich erwartet hatte ich die Niederlage gegen Sziky auch nicht, gleichzeitig bin ich nicht der Typ, der irgendjemanden schlecht redet nach einem Sieg. Er hat in dem Best-Of-Three einfach besser gespielt und an diesem Tag verdient gewonnen. Gegen White-Ra am 1. Spieltag lief es perfekt und ich habe 2-1 gewinnen können. Nach der Niederlage gegen Sziky war das ausschlaggebende Match das gegen meine Teammate yosh. Ich wusste natürlich, dass yosh das beste TvZ der nicht-asiatischen Szene hat. Obwohl ich mein ZvT wirklich viel trainiert habe in den Wochen zuvor, hat es in den drei Spielen gegen ihn leider nicht gelangt. Dennoch denke ich, dass es keine Schande ist, gegen yosh zu verlieren, denn er hat definitiv Chancen die EMS zu gewinnen, solange er so weiterspielt, wie er es seit einiger Zeit tut.
readmore.de: Trotz Ernüchterung über das frühe Ende: Wie sieht dein Resümee zu den EMS aus? Spielerisch deinerseits wie auch bezüglich der Planung der ESL.
Mondragon: Spielerisch kann ich natürlich nicht zufrieden sein, aber ich meine, es gibt Schlimmeres, als ‚mal in einem Turnier zu früh auszuscheiden. Planung und Coverage ist sehr gut, wie man es von der ESL eben gewohnt ist. Jedoch finde ich es ein bisschen langwierig, immer nur zwei Gruppen an einem Spieltag spielen zu lassen.
readmore.de: Laut der Seite deines Clans ToT bist du dort auch im Management vertreten. Wie sehr schränkt das den möglichen Zeitaufwand für dein Training ein? HoRRoR z.B. verließ SCT, weil ihm die notwendige Zeit fehlte.Mondragon: Da ich sozusagen der Gründer von ToT bin, bin ich natürlich auch im Management vertreten. Aber weil ToT im Vergleich zu anderen Clans lockerer organisiert ist, hat man, denke ich, mehr Spaß an der Sache. Das heißt jedoch auch, dass wir weniger professionell organisiert sind. Jedenfalls ist dadurch der Mehrzeitaufwand nicht so extrem.
readmore.de: Viele Außenstehende bezeichnen den Clan bereits als tot im wahrsten Sinne des Wortes. So ist die Seite nicht aktuell und nur noch der Starcraft-Squad repräsentiert die Templar of Twilight. Wie sieht also die Lage aus?
Mondragon: Auch der DoW Squad ist noch aktiv und spielt in vielen Ligen, aber die Aktualität auf der Homepage ist hinsichtlich der anderen Squads wirklich nicht mehr berauschend. Allerdings war und ist uns das bewusst und stellt für uns keinerlei Problem dar. Denn auch wir wissen, dass bei StarCraft 2 alles neu gemischt werden wird.

