k23 – Das Team aus Kasachstan überraschte das erste Mal vor drei Jahren, als sie damals im CS:S-Turnier der World Cyber Games den deutschen Vertreter mousesports aus dem Turnier warfen und später den zweiten Platz belegten. Dieses Jahr waren sie dafür verantwortlich, dass Alternate die Gruppenphase nicht überstand. Viel weiß man über das Team aus dem fernen Land trotzdem nicht. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen hat sich die Fünf näher angesehen.
Aleksey Kolesnikov ist restlos bedient. Der Spieler vom russischen Vertreter PUTb, im Internet besser unter dem Namen LeX bekannt, ist mit seinem Team bereits das zweite Opfer der kasachischen CS-Überraschung k23 geworden und wirft wütend sein Headset auf den Tisch. Zwei Tage zuvor hatte bereits Team Alternate ein ähnliches Debakel erlebt, als sie gegen die vermeintlichen Nonames aus dem Land an der Grenze Asiens und Europas verloren und als Folge aus dem Turnier ausschieden. Doch wer sind die fünf jungen Männer aus dem Land, dessen erfolgreichstes Exportprodukt der letzten Jahre ein gewisser Borat war?
PUTb und Alternate geschlagen: Top3 wir kommen!
Im Gespräch mit readmore.de zeigt sich Alex ‚Beast‘ Yakovlev nach dem Sieg gegen PUTb über beide Ohren strahlend. Der Kopf leicht errötet, die Atmung noch etwas schnell und ziemlich ungeduldig, weil er gar nicht weiß, mit wem er zuerst feiern soll. Ob er überrascht über das bisher grandiose Auftreten seines Teams ist? – „Nunja, wir wollen immer unser Bestes geben und, wenn es nicht unser Ziel wäre, zur Spitze zu gehören, müssten wir doch gar nicht erst anreisen.“Klingt logisch, aber etwas stolz und über sich selbst erstaunt ist er auf jeden Fall, obwohl er es professionell zu überspielen versucht. „Top3 ist jetzt schon unser Ziel, denke ich“, legt er spontan fest und man kann in seinen Augen schon die Sehnsucht erkennen, sich endlich im Viertelfinale mit den Koreanern von eSTRO messen zu dürfen.
Doch wie bereitet man sich in Kasachstan als ambitioniertes CS-Team vernünftig auf eine WCG vor? – Gar nicht. „Wir sind zur Vorbereitung nach Moskau gefahren, um dort in einem LAN-Café gegen russische Teams zu trainieren“, verrät Alex und verweist auf die Internetleitungen in seinem Land, die zum CS-Spielen gänzlich ungeeignet sind.
Wenn er aber trotzdem ausnahmsweise in seiner Heimat spielen will, trifft er sich mit seinen Teamkameraden im lokalen Internetcafé. Da alle fünf k23-Spieler aus der gleichen Stadt kommen, ist das kein großes Problem. „Vernünftig trainieren kann man trotzdem nicht. Neben dem schlechten Internet ist der Mangel an anderen Teams das Hauptproblem. Wir spielen deshalb meistens 2on2 oder 3on3 und trainieren fast nur unser Aiming. Als Team können wir uns eigentlich gar nicht einspielen, wenn wir in Kasachstan sind.“
Ein weinendes Auge nach dem Sieg gegen die russischen Freunde
Typisch osteuropäische Tradition: sein Spiel auf reinen Einzelskill aufbauen. „Wir treffen schon ziemlich gut, würde ich sagen, aber wir versuchen trotzdem, einigermaßen gute Taktiken zu entwickeln und diese effektiv zu nutzen“, beschreibt Alex den Spielstil seines Teams. Das funktionierte gegen PUTb auf de_inferno ganz ausgezeichnet, was auch mooN und Roman R. beobachten konnten.„Ich weiß nicht, was sie die ganze Zeit am A-Spot machen und wie sie es aufbauen, aber es funktioniert irgendwie ziemlich gut“, brachte mooN das Angriffsspiel der Kasachen ein wenig ratlos auf den Punkt, als er das Spiel einige Meter hinter den Kasachen stehend mit seinem Team beobachtete. k23 gab mit ihren geschickten Fakes und Vorstößen den Russen nie eine Chance, die Kontrolle auf der Map zu übernehmen, und konnten so immer den wichtigen Firstfrag setzen um dann den Rest der Runde ganz souverän runterzuspielen.
Dabei sind die russischen Spieler und k23 eigentlich sehr gut miteinander befreundet. „Wie gesagt, haben wir in Russland trainiert und dort viel Zeit mit ihnen verbracht. Von daher ist es schade, dass wir nun gegeneinander spielen mussten. Das wollten wir eigentlich nicht, weil wir uns wirklich gut verstehen.“ Beweis dafür ist auch die Tatsache, dass Virtus.pro-Manager groove auch die Kasachen auf dem Event betreut, obwohl er der Teammanager der russischen Delegation ist.
„groove hilft uns, wo er nur kann. Wir haben einen einzigen Manager, der uns etwas sponsert und aus eigener Tasche nur kleine Reisen bezahlen kann. Mehr nicht“, erklärt Alex. Dementsprechend wird man das Team wohl wie bisher auch zukünftig nicht auf anderen internationalen Events sehen können. Die WCG sind deshalb die einzige Chance für k23, sich auf großer Bühne zu präsentieren, um irgendwann vielleicht eine Organisation zu finden, die ihnen mehr bieten kann, als einmal im Jahr einige Trainingstage in Moskau.

