In den gestrigen Abendstunden wurde es offiziell: Die CGS stellt ihren Betrieb komplett ein. Wirtschaftliche Gründe sollen dafür verantwortlich sein, dass eine Vision so abrupt beendet werden musste. Doch was passiert nun mit den Spielern, die feste Verträge mit der Organisation hatten und ihren Traum vom professionellen eSport lebten? Wie geht es für diese Menschen weiter? Nils ‚hellphyte‘ Johannsen versucht diesen Fragen nachzugehen.
Das Ende der Championship Gaming Series kam gestern Abend prompt und überraschend, war aber trotzdem der Zeitpunkt, den so viele schon irgendwann vorhergesehen hatten. Denn soviel Herzblut die Beteiligten der CGS in das Projekt steckten, so sehr sie daran glaubten und so sehr sie alle an einem Strang zogen: die Ablehnung in großen Teilen der Community war einfach zu groß. Es legte sich von Anfang an ein Strick um den Hals der CGS, der sich nie lockerte und der sich auch nicht mit Geld kaufen ließ. Zu sehr zogen Tausendschaften leidenschaftlicher eSportler an diesem Strick. Nach jedem Bild von gekauften Fans im Fernsehstudio, nach jedem CS1.6-Spieler, der wechselte, nach jeder Betrachtung der Gelder, die flossen, wurde stärker und wütender gezogen, bis der CGS die Luft wegblieb.
Kein Plan B nach dem Platzen der Seifenblase
Was vor allem in europäischen Gefilden Jubelstürme ausbrechen ließ und in den USA Retro-Stimmung mit Rückblick auf gute Pre-CGS-Zeiten verursachte, ist aber gar nicht so lustig, wie es auf den ersten Blick scheint. Eine Firmenpleite ist nie etwas positives – selbst wenn es die CGS ist. Das Unternehmen und die damit verbundenen Ideen und Visionen mögen zwar herzlos und kalt gewesen sein, das gilt aber nicht für die Mitarbeiter, die an dem Projekt hingen.Die Geschichte, die San Francisco Optix-Spieler Yazan ‚Clown‘ Ammari gegenüber GotFrag erzählt, wirkt wie aus einem schlechten Film: Nach einer durchzockten Nacht erreicht ihn ein Anruf seiner General Managerin Kat Hunter. In Kurzfassung: „Die CGS ist tot. Du bist deinen Job los.“ – Vom Traumberuf Pro-Gamer in die graue Wirklichkeit, vor dem Nichts stehend.
Ebenso geht es den meisten anderen Betroffenen. Katerstimmung hat sich breit gemacht, eine Mixtur aus Frust, Wut und Enttäuschung. Die meisten – sogar fast alle – Betroffenen ahnten vor der letzten Sekunde nichts davon, dass ihre Arbeitsplätze an seidenen Fäden hingen, dessen Riss hinter den Kulissen vorprogammiert schien. Einen Plan B gibt es dementsprechend nicht.
Selbst der ehemalige Dallas Venom Manager Alex ‚Jax‘ Conroy, früher bekannt als Kopf der Jax Money Crew, zeigt sich auf GotFrag ratlos: „Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Es ist ein trauriger Tag für den eSport.“ Und mit Sicherheit auch für ihn persönlich, musste er doch allen seinen Spielern die schlechte Nachricht überbringen. Die CGS hielt sich an die trockene Vorgehensweise mit einer Erklärung auf ihrer Webseite und einigen E-Mails an ausgesuchte Redaktionen. Es macht den Anschein, als könne man den ehemaligen Angestellten im Moment der Niederlage nicht in die Augen schauen.
1.6 – Eine nie abgelaufene Rückfahrkarte
Nur wenige der Betroffenen lassen den Kopf nicht komplett hängen. Meistens diejenigen, die aus der ehemaligen CS1.6-Fraktion stammen. Sie kennen das eSport-Leben außerhalb der CGS und haben mit ihrem alten Spiel zumindest eine Alternative mit Einkommenschancen. Nebenbei das abgebrochene Studium wieder aufnehmen und schon hat man den Status erreicht, der vor der CGS-Welt herrschte. Zwar fehlen zwei Jahre, aber den Trümmerhaufen, vor den man gestellt wurde, muss man nicht noch mühsam abbauen.Garret ‚Grt‘ Bambrough galt vor der CGS als einer der besten kanadischen 1.6-Spieler, als Shootingstar in der Szene, der wohl irgendwann seinen Platz bei einem Topteam gefunden hätte. Diese Aussichten wird er wiederfinden. „Ich gucke nach vorn, wohin mich Gaming bringen wird. Es wird sich jetzt wohl einiges in Sachen 1.6-Teams tun“, ließ er auf cadred.org verkünden. Ebenso wenig aufgeregt zeigte sich Team 3D-Urgestein Craig ‚Torbull‘ Levine, der sich gestern zum fröhlichen Chatten im offiziellen 3D-Channel einfand und verkündete: „2009 wird das Jahr von 1.6 sein – wartet’s ab!“ – Danach folgte eine auf offiziell getrimmte Meldung über das neue 3D-Lineup unter anderem mit Warden und fRoD.
Die Meldung stellte sich jedoch nur als spontaner Scherz heraus. „Wir waren mit fRoD im Ventrilo und haben einfach nur rumgealbert und uns zusammen einen Scherz erlaubt“, beichtet Torbull. Von Frust über die gerade verlorene Existenz keine Spur. Zu selbstbewusst ist das 3D-Syndikat in Bezug darauf, dass sie dank ihrer Namen und ihrer Erfahrung wieder einen Platz in der geregelten eSport-Szene finden werden – und wahrscheinlich haben sie Recht.
Die CGS ist tot – und nun?
Ganz anders geht es da den Leuten, die nicht aus der Köningsdisziplin CS 1.6 zur CGS stießen. Dead or Alive 4, FIFA, Project Gotham Racing 3 und wohl auch CS:Source werden so schnell keinen Schritt durch das Tor zur eSport-Elite setzen. Dementsprechend werden auch die jeweiligen Spieler draußen bleiben müssen. David ‚olander‘ Persson vom deutschen Vertreter Berlin Allianz bringt es auf den Punkt: „Ich weiß nicht, ob ich weiterspiele oder einfach alles hinwerfe.“ Vor den CGS-Toren warten keine großen CS:S-Turniere auf ihn und die Clans, die mit den großen Verträgen wedeln, wird es wohl in Zukunft – wenn überhaupt – nur in überschaubarer Menge geben.
Doch auch Caster, Organisatoren und alle anderen Mitarbeiter, die an dem Projekt CGS hingen, werden nun sehen müssen, wo sie bleiben. Der umfangreiche eSports-Lebenslauf löst sich in Luft auf, sobald man ihn nach draußen in die reale Welt trägt. Paul ‚ReDeYe‘ Chaloner, ehemaliger Caster bei der CGS, bringt es gegenüber cadred.org auf den Punkt: „Ich fühle mit denen, die nun ohne einen Job dastehen und kein Geld in den Taschen haben, um ihre Familien zu ernähren.“
Einige der ehemaligen CGS-Angestellten markierten sich in ihrer ganzen Verzweiflung gestern bereits auf Facebook arbeitssuchend, während eine ganze Community die Pleite ihres ehemaligen Arbeitgebers bejubelte. Das Ziel der CGS war es immer, den eSport näher an die Gesellschaft zu tragen. Nun haben sie es geschafft, indem sie ihre Mitarbeiter in die Realität entlassen haben.

