Moment ‚mal: Es ist Freitag am EPS-Finals-Wochenende und es laufen noch keine Spiele? – Nein. Aber weder die Szeneseiten noch die ESL haben verschlafen, die Spiele beginnen schlicht erst morgen Mittag. Grund: Ab dieser Saison wird der Abschluss im Single Elimination statt Double Elimination ausgespielt. Nils ‚hellphyte‘ Johannsen beleuchtet die Vor- und Nachteile des neuen Systems.
EPS Finals Season X – es war die Jubiläumssaison und sie wurde zelebriert. Das große Duell in Counter-Strike passte perfekt in den Rahmen. Einmal mehr hieß es mousesports gegen Alternate aTTaX und erwartungsgemäß trafen die beiden Teams im Upper-Bracket-Finale aufeinander. Map: de_tuscan. Resultat: 16:5 für mouz. Ein eindeutiges Ergebnis, eine Ohrfeige für aTTaX, ein Schritt zurück für CHEF-KOCH und Co. Doch es war nur der Anfang einer Geschichte, die wie geschrieben scheint für die EPS-Finals. Das gescholtene Team suchte den Weg über das Lower Bracket und erkämpfte sich von dort aus die Chance auf eine Revanche gegen die Mäuse, die sie einen Tag vorher noch so schmerzhaft ausgespielt hatten. – Breite Upper-Bracket-Brust gegen tapferes Lower-Bracket-Kämpferherz.Und es kam, wie es kein Drehbuch besser hätte planen können: Alternate aTTaX gewann die erste Map und es kam zum alles entscheidenden Showdown auf de_nuke. Würden die Mannen aus Linden tatsächlich die Sensation schaffen und das Feld von hinten aufräumen oder würde mousesports all die Anstrengungen verpuffen lassen? – Das erste Szenario trat ein und der Sieger der zehnten EPS-Finals hieß Alternate aTTaX. Was eine Spannung, was eine Storyline.
Fehlen ohne Double Elimination die großen Duelle?
Es war schon immer etwas Besonderes auf den Finals: das Duell Lower Bracket gegen Upper Bracket. Die Geschichten derjenigen, die nach Niederlagen wieder aufstanden und ihre zweite Chance suchten. Sei es nun mouz gegen aTTaX oder der ewige Klassiker zwischen miou und Spell, die sich teilweise auf sechs Maps atemberaubende Human-Mirror-Duelle lieferten. Doch diese Saison wird alles anders sein. Single Elimination heißt das Zauberwort in der dreizehnten Ausgabe der Finalspiele. Soll heißen: Wer verliert, ist raus aus dem Rennen um die Finals. Kein Lower Bracket mehr. Kein Auffangnetz. Kein doppelter Boden. Nur noch ein Spiel um Platz 3.Wenn also am Samstag im WC3-„Hassduell“ Eric und XlorD aufeinander treffen, wird in jedem Fall einer von ihnen den Titeltraum nach mindestens drei und höchstens fünf Maps begraben müssen. Das regt die Spannung im Vorfeld an, bietet massig Diskussionsstoff und gibt dem Ganzen eine zusätzliche Spannungskomponente. Doch wenn das Spiel vorbei ist, wird etwas fehlen: Die Kampfansagen des Verlierers, das Daumendrücken für eine Revanche im großen Finale und das Mitfiebern mit dem Underdog im Lower Bracket.
Die Besucher vor Ort profitieren vom neuen System
Auf der anderen Seite wiederum bringt die Umstellung auch positive Aspekte mit sich. David ‚affentod‘ Hiltscher, Community Manager der ESL, sieht vor allem die Finals-Besucher als Gewinner dieser Änderung: „Die Verjüngung auf zwei Tage war unter anderem auch dem Feedback der Besucher geschuldet und bietet nun einen deutlich kompakteren und kurzweiligeren Zeitplan. Mit den entfallenden Reise- und Übernachtungskosten für drei Tage kommen wir Spielern und Besuchern gleichermaßen entgegen.“Aus rein sportlicher Sicht gesehen spricht ebenfalls einiges für Single Elimination. Ausreden wie „Die Map lag uns nicht“ oder „Wir haben nicht ins Spiel gefunden“ werden bei maximal drei Maps in CS und fünf Maps in WC3 hinfällig. So weist David Hiltscher ebenfalls darauf hin, dass eine Modusänderung „von vielen Teams schon länger gefordert“ wurde und man diesem Wunsch nun entgegen kommt. Ebenso betont er aber, dass die ESL keinesfalls auf der Entscheidung beharren wird: „Wir werden den Ablauf und das Feedback der ESL Pro Series 13 Finals sehr genau verfolgen und für die 14. Saison gegebenfalls nachjustieren.“
Fest steht jedenfalls, dass den Finals eine klassische Komponente verloren gegangen ist. Als langjähriger Betrachter verbindet man die EPS-Finals mit Double Elimination und den damit verbunden Triumphen und Tragödien, welche die Veranstaltung im Laufe der Jahre geprägt haben. Auch wenn die Finals mit dem neuen System reifer und moderner wirken, so bleibt die Befürchtung, der letzte Funken Spannung und Dramaturgie könnte ausbleiben. Ob die Schlagzeilen von grandiosen Aufholjagden aus dem Lower Bracket den Finals fehlen werden, bleibt abzuwarten – es ist ein Testlauf auf Bewährung.


