Es war eine kleine Überraschung: Yaws stand gegen Xlord im Finale der ESL Pro Series 13 Finals. Der Humanspieler setzte sich mit einem überzeugenden drei zu null gegen Hasuobs durch, und das trotz seinem geringen Trainingspensum. Hatte er also einfach nur einen guten Tag erwischt? Der Humanspieler bewies das Gegenteil und lieferte Xlord einen spannenden Kampf über die volle länge von vier Maps. Simon ‚dummdidumm‘ Holthausen über das große Finale.
Mindgames
Letzte Map Gnollwood – die Gedankenspiele konnten beginnen. „Mal sehen ob Yaws jetzt Orc spielt. Eine Humanmap ist Gnollwood ja nun wirklich nicht“, sprach Take die Frage aus, die sich wohl auch Xlord in diesem Moment stellte. Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen, wippte nachdenklich auf seinem Stuhl hin und her. Yaws machte ihm die Sache nicht viel einfacher. Der war erstmal auf dem Weg zum Klo, vielleicht um in der Stille seine Entscheidung zu treffen. Er entschied sich für Human – und verlor. „Ich hätte da zu viel Schiss gehabt, mit Orc irgend einen dummen Anfängerfehler zu machen“, gab Yaws später zu. So unterlag er schließlich nach einem kurzen und einseitigen Spiel auf der letzten Map des best of five.„Noch kann ich mich nicht wirklich freuen, aber zu Hause wird das sicher noch kommen“, drückte Yaws seine Enttäuschung ehrlich aus. Freuen darf er sich dann auch zurecht, er konnte Xlord über die volle Distanz von fünf Maps einen spannenden Kampf um den ersten Platz liefern. Taktisch war dabei keine große Variation zu sehen: Archmage, Mountainking und Paladin mit Exe und einer späteren Kombination aus Gryphons, Knights und Gyros gegen Deathknight, Panda und Lich mit Mass Destroyern und Banshees war die Einheitenzusammensetzung der beiden, die von Map zu Map etwas angepasst wurde.
In der Ruhe liegt die Kraft
Xlord stellte sich dabei sehr geschickt an. Er setzte die Expansion außer auf der letzten Map nie gefährlich unter Druck, ging die folgenden Minuten aber sehr gelassen an und ließ Yaws in aller Ruhe Geld in Tower investieren. So blieb er genau wie Yaws lange unter 50 Supply und versuchte nicht wie Hasuobs sofort eine Base einzureißen. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Mapcontrol und brachte mit dem Herolevel-Vorteil erfolgreich Konterexen durch. Er hatte sich außerdem Gedanken gemacht, die Human-Kombination effektiv zu kontern. Mit dem Antimagicshield der Banshees konnte er den Bolt und die Gryphons fast ganz aus dem Spiel nehmen, Manadessies zur rechten Zeit und ein guter Panda sorgten für die Lufthohheit.Am Ende sorgten vor allem tolle Microaktionen und das richtige Timing für enge Maps. Besonders angespannten wirkten die beiden Alternate-Kollegen aber nicht. Während dem lahmen Basisbau auf der ersten Map scherzten sie im Chat herum. Im Vorhinein sah es ähnlich aus. „Wir haben uns gestern Nacht zwei Laptops geschnappt und jeder die Replays des anderen geguckt. Dann haben wir uns gegenseitig fertig gemacht, ‚Marc, du spielst so scheiße, ich own dich so morgen‘ – ‚Halts Maul Spenst, ich own dich!‘ Das war schon sehr lustig“, sagte Xlord mit einem Lachen.
Timing und Micro entscheiden
Ernsthaft gespielt wurde natürlich auch. Auf der ersten Map haute Xlord Yaws im Endkampf Coils, Novas und Breaths um die Ohren, die zweite Map entschied Yaws mit einem geistesgegenwärtigen Split seiner Gyros und nahm so die Dessies aus dem Spiel. Auf Echo Isles legte wieder Xlord vor und versetzte Yaws nach einem gegenseitigen Delay der Economy mit einem gezielten Destroyerpush den Todesstoß. Auf Secret Valley wiederum konnte Yaws die Exe des Titelverteidigers immer wieder zum Erliegen bringen und schlussendlich von 50 Supply direkt auf über 90 Supply hochpumpen. Auf Gnollwood machte Xlord dann alles klar. „Eigentlich dachte ich nach dem zwei zwei von Yaws, jetzt kanns nochmal richtig eng werden. Aber nach dem Scouten der Close Position war ich wieder zuversichtlich.“„Eigentlich habe ich in der Vorbereitung gar nicht gegen Human trainiert, ich dachte Hasuobs kommt ins Finale“, hatte Xlord noch im Vorinterview zugegeben – im Spiel war davon dann nichts zu sehen. So steht der 17-jährige erneut an der Spitze der EPS.


