In der vergangenen Saison der zweiten ESL-Bundesliga konnte sich ESC Gaming am Ende nicht auf einem Direktaufstiegsplatz in die EPS wiederfinden. Nun muss sich das Team am kommenden Wochenende durch die Relegation kämpfen. Teamkapitän Christoph ‚loomit‘ Normann spricht im Interview mit Nils ‚hellphyte‘ Johannsen über die EAS-Saison, die ambitionierten Zukunftspläne des Teams und verrät, warum es Änderungen im Lineup geben wird.
readmore.de: Den Direktaufstieg, den so viele von euch erwartet haben, habt ihr verpasst. Wie zufrieden bist du mit eurer vergangenen EAS-Saison?Christoph ‚loomit‘ Normann: Gar nicht. Unser Ziel war der Direktaufstieg und dieses Ziel haben wir verfehlt, daher sind wir natürlich nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Wir haben uns jedoch mit der Platzierung abgefunden und werden uns der kommenden Aufgabe annehmen. Das Ziel ist nun natürlich, den Aufstieg zu schaffen.
readmore.de: Ihr seid dafür bekannt, sehr viel zu trainieren, und habt mit eurer Bootcamp-Location in Berlin eine sehr gute Trainingsmöglichkeit. Woran lag es dann im Endeffekt, dass es in der zweiten Bundesliga nicht geklappt hat?
loomit: Bis August haben wir wirklich sehr viel trainiert und auch mehrere Wochen in unserem Bootcampcenter verbracht. Danach fing bei einigen allerdings die Schule an und es kam zu einer kleinen Umstellung im Lineup. Von dort an waren wir ein ganz gewöhnliches Team mit einem normalen Trainingspensum. Eigentlich hätte dieses Pensum auch gereicht, bei einigen Leuten fehlte aber in der laufenden Saison die Motivation, auch außerhalb der Trainingszeiten CS zu spielen, um sich selbst nicht nur fit zu halten, sondern zu verbessern. Andere Teams hatten Spieler, die nicht nur das Training am Abend gespielt haben, sondern auch generell viel CS gespielt haben. Sowas braucht man nunmal, um erfolgreich zu spielen.
readmore.de: Konntet ihr dieses Motivationsproblem mittlerweile in den Griff bekommen oder ist das ein Problem, das durch einen Lineupwechsel geändert werden muss?
loomit: Vereinzelt ist das Problem neben der fehlenden Motivation die fehlende Zeit. Abgesehen davon kann man sich nur zu 100% sicher sein, dass die Leute wirklich spielen, wenn man selbst mit ihnen trainiert. Da das aber nicht Sinn der Sache sein kann und ich persönlich kein Fan von Spielern bin, die man zum Spielen antreiben muss, denke ich, dass es da auch weiterhin Handlungsbedarf gibt.
readmore.de: Das bedeutet, wenn ihr euch für die EPS qualifiziert, wird es trotzdem Änderungen im Lineup geben?
loomit: Ja.
readmore.de: Welche Rolle spielt dabei recki, mit dem ihr auf der Dreamhack einige starke Spiele zeigen konntet, und wie konkret ist bereits der Kontakt zu möglichen neuen Spielern?
loomit: Wir werden uns in der kommenden Woche zusammensetzen und über eine mögliche Zusammenarbeit sprechen. recki ist in meinen Augen ein sehr talentierter Spieler, der wirklich noch Lust hat, Gas zu geben, um Erfolg zu haben. Genau solche Spieler möchte ich für 2009 haben. Ich habe kein Interesse an Spielern, die unzählige EPS-Saisons gespielt und im Grunde alles erlebt haben; solche Spieler sind oftmals schon satt und haben einfach nicht diesen Willen, noch viel zu spielen, um sich zu verbessern und noch erfolgreicher zu spielen, als sie es vielleicht ohnehin schon getan haben.Ich möchte für das neue Lineup viel mehr Spieler haben, die die Chance, in einem guten Team mit Event-Trips zu spielen, zu schätzen wissen und von alleine den Willen haben, so viel dafür zu tun, dass man dem Team weiterhilft. – Leider gibt es davon nicht viele Spieler; in der EPS sowieso kaum und in der EAS kenne ich zu wenig Leute, um das einschätzen zu können. Daher stehen wir zurzeit in keinem weiteren Kontakt zu anderen Spielern.
readmore.de: Du bist gerade in Berlin. Macht ihr vor der Relegation wieder ein Bootcamp zur Vorbereitung? Wie sehr schlägt es auf die Stimmung und Motivation zu wissen, dass das Team in der Formation nicht länger bestehen wird?
loomit: Lediglich d0m und ich sind in Berlin, um hier die Woche vor der Relegation einfach viel zu spielen, damit wir auf diese Weise unserem Team am Wochenende unter die Arme greifen können. Auch recki ist seit dem Wochenende mit uns in Berlin und spielt vor und nach den Trainings viel mit uns; er unterstützt uns einfach beim Training.
Der Rest hatte leider nicht die Möglichkeiten, ebenfalls nach Berlin zu kommen, sodass ein Bootcamp vor der Relegation ausfällt. Dass es Veränderungen im Lineup geben wird, war auch vor der Dreamhack schon klar und ich denke, man hat gesehen, dass das die Teamleistung nicht beeinträchtigt. Jeder will dieses letzte Event noch mitnehmen und einen erfolgreichen Abschluss finden. Ich bin mir sicher, dass uns das auch gelingen wird.
readmore.de: Nehmen wir mal an, ihr würdet es nicht schaffen, euch für die EPS zu qualifizieren. Wie würde es dann weitergehen? Würde sich ESC und würdest du dir persönlich noch eine EAS-Saison antun?
loomit: Ganz ehrlich: keine Ahnung. Wir haben bisher weder darüber gesprochen, noch denke ich, dass sich darüber schon jemand Gedanken gemacht hat. Sollten wir die Relegation nicht schaffen, wäre das ein Totalausfall auf ganzer Linie und wohl die größte Enttäuschung meiner eSport-Karriere.
readmore.de: Der Direktaufstieg hätte solche Gedanken überflüssig gemacht. Stattdessen hat sich mit LeiSuRe-Gaming ein Team qualifiziert, das in der Community einen äußerst negativen Ruf besitzt. Befürwortest du die Direktaufstiegsplätze und was hältst du von Diskussionen über angebliche ‚Online-Teams‘, wie sie jede EAS-Sasion wieder geführt werden?loomit: Grundsätzlich denke ich, dass diese Diskussionen nicht von ungefähr kommen. Jede Saison gibt es irgendwie ein Team, das versucht, einen der beiden Direktaufstiegsplätze zu ergattern, um der Relegation im LAN zu entgehen. Ich bin der Meinung, dass es keinen Direktaufstieg geben sollte. So würden zum Beispiel auch die Direktabstiegsplätze in der EPS wegfallen. Diese Plätze werden ja oft von Ligaaussteigern belegt, sodass selbst das schlechteste Team noch eine Chance auf die EPS hat, obwohl sie eigentlich abgestiegen wären.
Doch da man darüber schon oft gesprochen und sich nie etwas geändert hat, wird die ESL wohl auch im kommenden Jahr nichts ändern. Ob LeiSuRe jetzt sauber gespielt hat oder nicht, kann ich nicht beantworten; ich habe mir kein einziges Spiel angeschaut und hielt sie im Spiel gegen uns für ziemlich schlecht. Hätten wir de_tuscan in der ganzen Saison mehr als zwei Stunden trainiert und vom Einzelskill her besser gespielt, hätten wir sie definitiv geschlagen. Ob das nun daran lag, dass sie im LAN waren, und ob es im Internet genauso gelaufen wäre, weiß ich nicht und ist für mich auch nicht von Interesse – es gibt Wichtigeres.
readmore.de: Wie intensiv habt ihr euch mit den anderen Relegations-Teilnehmern beschäftigt?
loomit: Bisher noch gar nicht. Es gab ja gerade erst die Gewissheit, was mit United Gaming passiert, und man weiß erst jetzt sicher, ob sich der Turnierbaum noch verändert oder nicht. Nun kennen wir unsere Gegner und werden uns auch auf sie einstellen. Ich denke, dass die anderen dasselbe mit uns machen werden, aber auch darauf sind wir vorbereitet und werden noch am Freitag diverse Änderungen an unseren Standardrunden vornehmen, sodass man die Demosichtungen der anderen wirkungslos erscheinen lässt.
readmore.de: Wo würdest du mit ESC in einem Jahr gerne stehen?
loomit: Wenn ich EPS spiele, ist mein persönliches Ziel immer das Erreichen der Finals. Im kommenden Jahr will ich ein Team führen, das das schaffen kann. In einem Jahr will ich also auf den Finals stehen, als Spieler.
readmore.de: Und eventuell das ein oder andere internationale Turnier mitnehmen, wie ihr es mit der Dreamhack gemacht habt?
loomit: Wir haben in den acht Monaten mit dem Team an zwei internationalen Events teilgenommen und wären auch noch auf die SLAP gefahren, wenn das bei allen zeitlich gepasst hätte. Für das nächste Jahr sind noch mehr Events geplant, zumal ja auch die KODE5-Stops anstehen. Dieses Vorhaben ist allerdings Geschichte, sollten wir am Wochenende verlieren. (lächelt)
readmore.de: Überwog nach der Dreamhack die Freude darüber, dass ihr einige sehr starke Spiele gezeigt habt, zum Beispiel gegen mibr, oder hattet ihr euch insgeheim mehr erhofft?
loomit: Mindestziel war, dass wir die LAN-Qualifikation für das Hauptturnier schaffen, da auch in diesem Vor-Turnier einige gute Teams, wie playzone oder lag-blank, vertreten waren. Nach dem Aus in der Gruppenphase waren wir dann jedoch alle sehr enttäuscht, da wir das Spiel gegen mibr nicht hätten verlieren dürfen. mibr war stark, aber nicht unschlagbar; wir haben uns den Sieg selbst genommen. Hätten wir das Spiel gewonnen, wären wir hochmotiviert in das letzte Spiel gegen k1ck gegangen, hätten sie geschlagen und wären im Viertelfinale gewesen. So waren wir allerdings sehr enttäucht und haben dann auch gegen k1ck verloren. Rückblickend kann man trotzdem sagen, dass wir mit den Ergebnissen zufrieden sein können.readmore.de: Viele EPS-Spieler haben schon das taktische Niveau in der EAS bemängelt; cyx sprach sogar einmal von „Holzkopf-CS“. Wie hast du die Saison aus spielerischer Sicht erlebt?
loomit: Damit haben sie auch nicht Unrecht. Es ist auf jeden Fall unbequem gegen EAS-Teams zu spielen, weil die meisten Leute selbst nicht wissen, was sie da überhaupt spielen. Das macht es dann noch schwerer, das Spiel zu „lesen“ oder sich auf irgendetwas einzustellen.
readmore.de: Wie leicht oder schwer wird die Qualifikation für euch werden?
loomit: Wir haben meiner Meinung nach den etwas leichteren Baum erwischt, sodass wir erst gegen pod spielen und der nächste Gegner wäre TNG oder snook – beides lösbare Aufgaben und mir persönlich lieber als zum Beispiel die a-Losers mit gob im Gepäck. Ich hoffe, dass wir nach zwei Spielen durch sind. – Es wird nicht leicht, aber auch nicht schwer. (lächelt)
readmore.de: Vielen Dank für das Interview.



