Die 13. Saison der EPS ist seit einer Woche vorbei, die Emotionen nach den Spielen wieder auf einem normalen Niveau. – Zeit kritisch die tatsächlichen Leistungen im Bereich Counter-Strike zu analysieren. War die Deutsche Meisterschaft für CS1.6 ihres Namen würdig? – Hanno ‚HNO‘ Magnus zieht abschließend ein kritisches Fazit aus den EPS Finals 13.
Mit guten Finals ist es wie mit gutem Essen: Sie sind heiß, die Zutaten sind frisch und die Gewürze runden den Gesamteindruck ab. Dieses Mal ließen sich die Finals leider nur mit dem Kantinenessen von Zivildienstschulen vergleichen – bestenfalls lauwarm, irgendwie muffig und nur stellenweise überzeugend. Daran trugen fast alle Teams eine Mitschuld.
Ambitionierter Statist
Der bayrische Clan TBH schickte sein überregionales Team um Roman ‚roman‘ Ausserdorfer ins Rennen. Ziel war es, den überraschenden Erfolg von n!faculty der Vorsaison zu imitieren. Stattdessen erinnerte die Leistung jedoch eher an die von pod: Ohne Mapgewinn blieben die Bayern in Köln – viel zu wenig im Vergleich zu den Ambitionen. Fairerweise muss man sagen, dass mousesports als erster Gegner nicht zu schlagen war.
Die Art der Niederlage aber hätte etwas anders ausfallen können. Taktische Aussetzer kosteten einzelne Runden, eine allgemein eher planlose Vorstellung jeden denkbaren Mapgewinn. Auch das sehr suboptimale Skillgefälle im Team wurde überdeutlich: Man konnte die Chancen von TBH in jeder Runde daran festmachen, wie viele Gegner roman vor seinem Ableben mitgenommen hat. Es ist daher wenig verwunderlich, dass dieser in Interviews seinen Frust wegen der Situation und den Wille zu einem Wechsel durchscheinen lässt.
Vorzeigeteam auf Abwegen
Das mit roman in Verbindung gebrachte Team Alternate, stellte wie schon letzte Saison die größte Enttäuschung der Finals dar. Der einzig ernstzunehmende Konkurrent für Dauersieger mousesports steckt in einer handfesten Krise. Die bisherigen Wechsel haben daran nichts ändern können. Fast schon Ironie des Schicksals ist es, dass der letzte Erfolg der gefühlten Nummer Zwei Deutschlands mit roman eingefahren wurde. Folgerichtig also, dass Alternate das Gespräch mit seinem ehemaligen Spieler sucht.
Noch logischer erscheint der Wechsel, wenn man betrachtet, was Alternate in letzter Zeit gefehlt hat: Aiming und der Mut, offensiv zu agieren – zwei Dinge, für die der Name roman schon seit Jahren steht. Mut würde insofern auch dem Alternate-Management gut zu Gesicht stehen: Die Wiederaufnahme der Strategie, junge und hungrige Talente zu holen, scheint keine Alternative zu haben und insbesondere auch erfolgversprechender als weitere Verpflichtungen von Ex-Spielern des Konkurrenten mousesports. Nach der Rekrut.ru wird es Wechsel geben – gerade im Hinblick auf die heutigen Ergebnisse. Es ist – schon aus Sicht der Spannung – zu hoffen, dass das Team dieses Mal in Sachen Spielersuche ein glücklicheres Händchen beweisen wird.
n! noch kein Gegner für mousesports
Andernfalls wird die nächste EPS Saison als eine One-Team-Show in Erinnerung bleiben. Denn im Moment fehlt es der Liga an einem ernstzunehmenden Herausforderer für mousesports. Diese Rolle müsste, der Platzierung nach, n!faculty übernehmen. Bisher machte man aber keine Anstalten, diesen Schritt zu gehen. Während n! im Halbfinale gegen Alternate bis in die Haarspitzen motiviert und vom Sieg überzeugt wirkte, saß man gegen die Mäuse eher von Anfang an resigniert vor den Rechnern.
Daniel ‚Frigh‘ Enderle bestätigt indirekt diesen Eindruck: „Da wir im Vorfeld viel von Alternate gesehen haben, waren wir eigentlich recht sicher, dass wir gegen sie gewinnen. Auf de_nuke und de_tuscan waren wir klar besser und der Sieg war auch verdient. mouz hingegen war einfach eine Klasse besser und wir waren an diesem Tag wohl auch nicht gut aufgelegt. Wenn man gegen mouz gewinnen will, muss einfach jeder Spieler einen überragenden Tag haben.“ – Der Ausgang des Spieles war wohl nicht anders erwartet worden, besonderer Ärger über die Niederlage im Finale klingt jedenfalls anders.
Zum Beispiel so wie nach dem verlorenen iFNG, als Teamkollege Jérôme ’shiddy‘ Tóth mit erstickter Stimme Rache schwor: „Alternate wird uns auf den Finals auf de_train besiegen, aber alle anderen Maps gewinnen wir.“ – Eine beeindruckend genaue Prognose und eine noch beeindruckendere Teamleistung in diesem Spiel. Was n! aber noch fehlt, ist der Glaube an den ganz großen Wurf. Realistisch, aber fast schon enttäuschend, ist daher die abschließende Aussage von Frigh: „Wir haben noch nicht ausführlich über die kommende Saison gesprochen, aber das Ziel sind erst einmal wieder die Finals. International wollen wir uns auch ein bisschen positiver präsentieren.“
Enttäuschend stark
Als haushoher Favorit gestartet machte mousesports also genau das, was man von ihnen erwartet hatte: den Gegner überrennen. Für Fans der Berliner sicher eine schöne Sache, für die Spannung aber pures Gift. Wie Navid ‚Kapio‘ Javadi vor dem Finale anmerkte, ist es fast egal, welche Taktiken man spielt, wenn man „einfach gut umschießt“. Das taten die Mäuse an beiden Tagen, weswegen sie auch keine überraschenden Aktionen und Taktiken präsentieren mussten, um ihren zweiten EPS-Sieg in Folge einzufahren.
Fast schon Verschwendung war da eine Pistolentaktik, bei der die Berliner zwei Spieler „opferten“, um TBH auf de_infernos B-Spot zu locken, wo der Kalif dann als unangenehme Überraschung auf die Bayern wartete. So schön es auch ist, endlich wieder ein international konkurrenzfähiges, deutsches Team zu haben, so langweilig macht es die nationale Liga. So mancher unabhängiger eSport-Fan hätte sich da ein etwas schwächer aufgelegtes Team mousesports gewünscht.
Letzten Endes macht aber auch Kantinenessen satt. Die 13. Saison bot in Sachen Niveau außerdem Überdurchschnittliches. Das belegt der „pod-Indikator“: Da das jetzige Team hoorai jede Saison in etwa gleich gut spielt, kann man an dessen Platzierung die allgemeine Stärke der anderen Teams ablesen. Mit acht Teams vor ihnen, kann man insofern von einer sehr guten Saison sprechen. Für die Finals der 14. Ausgabe wünscht man sich jetzt trotzdem endlich wieder Sterneküche, statt Kantinenfutter.